Bremsflüssigkeit Das sollten Sie über die Bremsflüssigkeit im Auto wissen

Arbeit für den Fachmann: Autofahrer sollten das Nachfüllen oder Austauschen der Bremsflüssigkeit ihrer Werkstatt überlassen.

Arbeit für den Fachmann: Autofahrer sollten das Nachfüllen oder Austauschen der Bremsflüssigkeit ihrer Werkstatt überlassen.© dpa

Gut bremsen, sicher fahren - dafür braucht das Auto Bremsflüssigkeit. Doch wie oft sollte man die Bremsflüssigkeit nachfüllen oder wechseln? Und wie kann man sie entsorgen? Die wichtigsten Infos im Überblick.

Die Bremsflüssigkeit ist beim Auto das wichtigste Fluid. Ohne sie darf ein Auto nicht auf die Straße, denn dann verlieren die Bremsen ihre Funktion. Deshalb muss die Flüssigkeit regelmäßig gewechselt werden. In der Regel geschieht das bei einer Inspektion oder Wartung. Spezielle Bremsflüssigkeitstester analysieren schnell den ungefähren Wassergehalt.

Bremsflüssigkeit regelmäßig kontrollieren – und richtig entsorgen

Bei Autos, die nicht regelmäßig in eine Werkstatt fahren, sollten Besitzer die Flüssigkeit in festen Abständen kontrollieren – und gegebenenfalls wechseln lassen. Mit Vorsicht: „Bremsflüssigkeit ist giftig und dementsprechend Sondermüll. Sie greift Lacke und Kunststoffe an und darf keinesfalls ins Trinkwasser gelangen oder mit Altöl vermischt werden“, sagt Philipp Schreiber vom Tüv Süd. Auch dürfen Augen und Haut nicht mit ihr in Kontakt kommen.

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Viele Wartungspläne sehen zur Sicherheit einen kompletten Austausch nach zwei Jahren vor, vor allem, wenn das Auto nicht bewegt wird. Entscheidend sind aber die Vorgaben des Fahrzeugherstellers. Gibt er mehrere sogenannte DOT-Klassen frei, ist die höhere DOT-Klasse die bessere Wahl, da diese temperaturbeständiger und weniger wasseranziehend ist, rät der Tüv Süd. Bremsflüssigkeit nimmt Luftfeuchtigkeit auf. Erhöhter Wasseranteil bedeutet erhöhte Korrosion im Bremssystem sowie einen niedrigeren Siedepunkt. Wird die Flüssigkeit sehr heiß, etwa auf einer Bergabfahrt, kann das Wasser in der Bremsflüssigkeit Blasen bilden. Diese lassen sich komprimieren – der Fahrer tritt dann mit seinem Pedal ins Leere und hat womöglich keine Bremsleistung mehr.

Welche Bremsflüssigkeit kaufen?

Einfach irgendeine Bremsflüssigkeit zu kaufen und nachzufüllen, ist wenig ratsam. Denn es gibt Unterschiede zwischen den einzelnen Klassen DOT 3, 4, 5 und 5.1. Die verschiedenen DOT-Klassen unterscheiden sich vor allem durch den Siedepunkt und die Kälteviskosität. Die DOT-Normen basieren auf der amerikanischen FMVSS-116-Norm. DOT bedeutet Department of Transportation (US-Verkehrsministerium).

DOT 3, DOT 4 und DOT 5.1 sind Bremsflüssigkeiten auf Glykolbasis, DOT 5 ist auf Silikonbasis. Je höher die DOT-Klasse, desto höher liegt die Siedetemperatur und der Nasssiedepunkt. Letzteres bedeutet, dass bei 3,5 Prozent Wasseranteil in der Bremsflüssigkeit der Siedepunkt bei einer DOT-3-Flüssigkeit von 205 auf 140 Grad sinkt, erklärt Philipp Schreiber. Somit ermöglichen die höheren DOT-Klassen tendenziell längere Wartungsintervalle. Laut Schreiber können Besitzer Flüssigkeiten auf Glykoletherbasis wie DOT 3, DOT 4 und DOT 5.1 untereinander mischen, nicht jedoch mit DOT 5, da es auf Silikonbasis produziert wurde. DOT 5 habe aber auf dem europäischen Markt kaum Bedeutung und komme eher in Fahrzeugen in den USA vor. In Europa kommt in den meisten aktuellen Autos eine DOT-4-Bremsflüssigkeit zum Einsatz.

„Durch ein Mischen verändern sich die Siedetemperatur, der Nasssiedepunkt sowie die Kälteviskosität“, sagt Schreiber. Aufgrund von Kunststoffverträglichkeiten gibt es aber auch Fahrzeuge, die nur mit DOT-3-Bremsflüssigkeiten arbeiten, darunter sind unter anderem einige Modelle von Opel und Isuzu. „Das betrifft eher alte Fahrzeuge. Hier kann die DOT-3-Bremsflüssigkeit nicht durch die mit DOT 4 ersetzt werden, da ansonsten die Kunststoffschläuche und Dichtungen aufquellen können“, sagt Thomas Caasmann von der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ).

DOT-4- und DOT-5-Bremsflüssigkeiten können Wasser chemisch abbinden, wodurch der Siedepunkt gegenüber DOT 3 deutlich langsamer abfällt. „Grundsätzlich sollten immer die vom Fahrzeughersteller vorgegebenen Bremsflüssigkeiten verwendet werden, da sie auf die jeweilige Bremsanlage abgestimmt sind“, sagt Wolfgang Sigloch von der Dekra.

Bremsflüssigkeit selber nachfüllen? Lieber nicht!

Sigloch rät dazu, bei Problemen mit der Bremse in eine Werkstatt zu fahren. „Der Wechsel der Bremsflüssigkeit sollte auf jeden Fall durch entsprechend ausgebildetes Fachpersonal erfolgen. Der Fahrzeughalter selbst sollte weder nachfüllen noch wechseln“, sagt Sigloch. Auch vom einfachen Nachfüllen hält er nichts. „Wenn der Füllstand unter „Minimum“ sinkt, ist es mit Nachfüllen oft nicht getan, weil das ein Hinweis auf eine Undichtigkeit im Bremssystem sein kann“, sagt er.

Auch Katrin Müllenbach vom ADAC rät bei Flüssigkeitsverlust zur Fahrt in die nächste Werkstatt. „Ein Flüssigkeitsabfall im Ausgleichbehälter lässt meist, falls keine Undichtigkeiten im Bremssystem vorliegen, auf einen fortgeschrittenen Verschleiß an Bremsbelägen und Scheiben schließen“, sagt sie. Der Behälter sollte nicht aufgefüllt werden – außer der Füllstand fällt unter Minimum. „Dann müssen aber auch gleichzeitig die Ursachen des Verlusts überprüft werden“, sagt sie.

Was tun Besitzer, die nicht mehr wissen, wie lange die Flüssigkeit schon im Behälter dümpelt? Das lässt sich herausfinden: entweder mit einem speziellen Bremsflüssigkeitstester aus dem Zubehörhandel – oder mit einem Blick in den entsprechenden Ausgleichsbehälter im Motorraum. „Neue, frische Bremsflüssigkeit ist klar bis hellgelb. Alte, verbrauchte Bremsflüssigkeit ist hellbraun bis braun und muss umgehend erneuert werden“, sagt Thomas Caasmann.

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