Auto Carsharing: Bundesregierung will den Nischenmarkt fördern

Mietautos am Hamburger Fischmarkt.

Mietautos am Hamburger Fischmarkt.© Car2Go

Mehr als eine Million Menschen vor allem in Ballungsräumen verzichten gerne auf ein neues Auto - und nutzen stattdessen bei Bedarf Carsharing. Der Markt hat ein enormes Wachstumspotenzial. Ein neues Gesetz soll das Teilen von Fahrzeugen noch attraktiver machen.

Die Bundesregierung will das so genannte Carsharing mit Privilegien wie besonderen Parkplätzen fördern. „Ein Gesetz zur Bevorrechtigung der Verwendung von Carsharing-Fahrzeugen wird derzeit erarbeitet“, teilte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums in Berlin mit und bestätigte damit Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Inhalte des Gesetzes und ein konkreter Zeitplan stehen laut Ministerium aber noch nicht fest.

„Wir wollen die Mobilität der Zukunft fördern“, sagte der SPD-Fraktionsvize Sören Bartol der Deutschen Presse-Agentur.

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Carsharing reduziere den Verkehr in den Innenstädten. „Wir wollen, dass Kommunen endlich Rechtssicherheit bekommen und extra Parkplätze für Carsharing-Fahrzeuge ausweisen können.“ Denkbar sei eine Vergabe durch Ausschreibung in den Kommunen an entsprechende Carsharing- Anbieter. „Das muss bundesweit einheitlich im Straßenverkehrsrecht geregelt werden“, so Bartol.

Carsharing: Nischenmarkt mit Wachstumspotential

„Carsharing“ bedeutet wörtlich „Autoteilen“. Die Grundidee: Ein Auto steht den größten Teil des Tages ungenutzt herum, während sich beim Carsharing mehrere Nutzer einen Wagen teilen können. Gemessen am gesamten Autogeschäft ist Carsharing zwar ein Nischenmarkt – allerdings mit kräftigen Wachstumsraten. Etwa 150 Anbieter sind nach früheren Expertenschätzungen am Start, auch Autohersteller mischen mit. Der Bundesverband Carsharing geht von mehr als einer Million Nutzer aus.

Die FAZ zitierte eine interne Vorhabenliste der Bundesregierung: „Carsharing leistet einen wichtigen Beitrag für die Vernetzung der Verkehrsträger und für einen nachhaltigen Stadt- und Regionalverkehr. … Mit den geplanten Regelungen zum Carsharing sollen diese Fahrzeuge im Straßenverkehr privilegiert werden.“

Gesetz für Parkplätze, Verkehrszeichen, Parkgebühren

Mit dem Gesetz solle die Grundlage geschaffen werden, um Parkplätze für Carsharing-Autos rechtssicher ausweisen zu können. In der Praxis könnten die Kommunen dann Stellplätze festlegen mit einem Verkehrszeichen ähnlich dem für Taxi-Haltestände. „Zudem soll es den Gemeinden ermöglicht werden, auf Parkgebühren bei diesen Fahrzeugen zu verzichten“, heißt es laut „FAZ“ in dem Vorhaben-Papier weiter. Derzeit müssen die Anbieter für öffentliche Stellplätze bezahlen. Entfällt dieser Parkobolus, könnte Carsharing in Deutschland für die Nutzer sogar billiger werden. Die Regelungen sollten einheitlich im ganzen Bundesgebiet gelten.

Studie: Carsharing wird nicht den privaten Pkw verdrängen

Das Autoteilen in Deutschland erfreut sich einer neuen Studie zufolge zunehmender Beliebtheit – doch Carsharing wird auch in den kommenden Jahren den privaten Pkw nicht verdrängen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer Untersuchung des TÜV Rheinland und der Beratungsgesellschaft BBE Automotive zur Zukunft des Carsharing.

Obwohl die Verfasser der Studie, die am Dienstag in Köln vorgestellt wurde, bei den Nutzerzahlen einen Anstieg von derzeit rund einer Million auf drei Millionen bis 2020 für möglich halten, werde dies die Autowelt nicht entscheidend beeinflussen. Die Umsatzausfälle im Werkstatt- und Ersatzteilgeschäft durch das Wachstum von Carsharing taxierte der TÜV Rheinland auf weniger als ein Prozent.

Freefloater auf Erfolgskurs

Der Markterfolg des Autoteilens ist vor allem auf die sogenannten Freefloater zurückzuführen. Zu diesen Anbietern gehören besonders DriveNow (BMW/Mini/Sixt) und car2go (Daimler/Europcar). Bei dieser Form des Carsharing gibt es keine feste Mietstation, die Fahrzeuge werden auf öffentlichen Plätzen abgestellt und von dort wieder neu angemietet. In diesem Bereich habe sich die Zahl der Nutzer zwischen Januar 2013 und Juli 2014 auf 530.000 Nutzer nahezu verdreifacht.

1 Kommentar
  • Derek Finke 14. Januar 2015 15:44

    Carsharing ist aus Nutzersicht eine feine Sache. Preiswert, flexibel und mit grünem Stempel versehen. Insofern ist es kein Wunder, wenn das Thema angesagt ist und sich einer sten Nachfrage erfreut.
    Aber aus Anbietersicht geht die Rechnung nicht auf. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass man mit Carsharing wirklich Geld verdienen kann.

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