Auto Elektroautos: Wie ein Bäcker Pionierarbeit leistet

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Bäcker Thomas Effenberger vor seinem Elektroauto, mit dem er Brötchen ausfährt.

Bäcker Thomas Effenberger vor seinem Elektroauto, mit dem er Brötchen ausfährt.© Kathrin Harms

Eine Million E-Autos sollen bis 2020 auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Doch die Mobilitätswende lahmt. Erste Unternehmer zeigen schon heute, wie die Zukunft des Autofahrens aussehen könnte.

Jeden Morgen beladen Thomas Effenbergers Mitarbeiter vor seiner Backstube mehrere Transporter mit Brot. Vom Hamburger Grindelviertel aus steuern die Lieferwagen in der Hansestadt täglich rund 40 Geschäfte, Marktstände und Kantinen an. 10.000 Bio-Brotlaibe backen Effenberger und seine 20 Mitarbeiter Woche für Woche.

Doch nicht nur die Brote des Bäckermeisters sind öko, auch seine Lieferflotte ist es. Das kann man sogar hören: Leise surren vier weiße Transporter im Morgengrauen vom Hof. Sie werden elektrisch betrieben. Eine Stromladung reicht für mehr als 100 Kilometer, genug, um alle Verkaufsstände zu erreichen. „Und das ohne CO2“, sagt Effenberger.

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Auf die Idee mit den E-Fahrzeugen kam der Öko-Unternehmer vor zwei Jahren. Bis dahin hatte er Autos eingesetzt, die mit Pflanzenöl betrieben wurden. Doch die waren ihm nicht umweltfreundlich genug. Die Herstellung des Biotreibstoffs, für die andernorts ganze Rapsfelder hochgezogen werden müssten, sei für ihn „nicht vertretbar“.

Förderprogramme für E-Modelle

Für seinen Betrieb suchte Effenberger deshalb ein E-Modell mit viel Laderaum, zwei Schiebetüren und guter Reichweite. Ein schwieriges Unterfangen, erinnert sich der Unternehmer: „Es gab nicht viel auf dem Markt.“ Schließlich stieß er auf den Hamburger Fiat-Händler Karabag. Der baut seit einigen Jahren Diesel-Lieferwagen vom Typ Fiat Ducato in E-Transporter um – mithilfe von Elektromotoren, die normalerweise in Gabelstaplern zum Einsatz kommen.

Mehr als 100.000 Euro Stückpreis kosten Effenbergers Elektro-Fiats laut Liste – „dreimal so viel wie das original Dieselmodell“, sagt der Bäcker. Dank eines Förderprogramms konnte Effenberger den Preis pro Fahrzeug letztlich um mehr als die Hälfte drücken. Unterm Strich sind seine E-Lieferwagen aber immer noch deutlich teurer als vergleichbare Verbrenner.

 

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Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge durch Deutschland surren. Noch lahmt die Mobilitätswende. Die impulse-Deutschlandkarte zeigt Förderprogramme, mit denen Unternehmer schon jetzt Geld sparen können. zur Karte

 

Trotzdem war Effenberger bereit, für seine E-Flotte draufzuzahlen – nicht zuletzt auch aus Idealismus. „Soziales und Ökologie sind meine Themen, seit ich selbstständig denke“, sagt er. „Ich möchte keine Kosten auf künftige Generationen verschieben.“

Auch privat sind Effenberger und seine Frau deshalb elektrisch unterwegs. Beide fahren jeweils einen eigenen Tesla Roadster. Zudem ist noch eine Model-S-Limousine des US-Elektroautobauers im Firmenbesitz. Seine E-Pkws nutzt Effenberger manchmal auch, um Brotkisten zu transportieren.

Ginge es nach der Bundesregierung, dürfte es bald mehr Unternehmer wie Thomas Effenberger geben. Eine Million E-Autos sollen bis 2020 über Deutschlands Straßen surren – ob als Privat-, Dienst- oder Lieferwagen. Von der Mobilitätswende wollen viele profitieren, nicht nur in Deutschland: Große Internetkonzerne wie Google versuchen, alteingesessenen Autobauern den Rang abzulaufen. Dazu gesellen sich Start-ups und Tüftler, die sich als Vorrei­-ter positionieren wollen. Sie entwickeln reine E-Fahrzeuge, bauen Diesel- oder Benziner-
Modelle um oder testen gar computergelenkte Autos, die sich eigenständig durch den Stadt- und Langstreckenverkehr bewegen.
Noch hat sich keine der Techniken flächendeckend durchgesetzt. Doch wie wird die Zukunft des Autofahrens aussehen? impulse beantwortet die wichtigsten Fragen. […]

 


 

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1 Kommentar
  • Ralf 26. November 2014 12:47

    Die Brote dürften zwar etwas teurer sein, um sich die Fahrzeuge leisten zu können, aber ich würde den Mehrpreis gern bezahlen!
    Weiter so!!

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