Auto Abzocke beim Auto: Warum Ersatzteile so teuer sind

Ersatzteile bei Audi: Für solche Federn gilt kein Designschutz. Bei Kotflügeln und Motorhauben sieht es anders aus.

Ersatzteile bei Audi: Für solche Federn gilt kein Designschutz. Bei Kotflügeln und Motorhauben sieht es anders aus.© press-inform

Wer Karosserieteile ersetzen muss, zahlt für die Ersatzteile teilweise horrende Preise. Der Autohandel will am Teile-Monopol rütteln - doch die Autobauer-Lobby stellt sich quer: Es geht um Milliarden.

Seit Jahren tobt ein erbitterter Kampf zwischen Autohandel und Automobilherstellern. Es geht um das Recht, auch bei sichtbaren Karosserieteilen die Produkte von Drittherstellern zuzulassen. Mercedes, BMW, VW und Co. ziehen alle Register, um das zu verhindern. Schließlich verdienen die Autobauer mit diesen Ersatzteilen rund 20 Milliarden Euro pro Jahr.

Seit 2004 lag eine Initiative der EU auf dem Tisch, dass bei Arbeiten an der Karosserie auch Teile von Drittherstellern verwendet werden dürfen. Doch die Verabschiedung der so genannten EU-Designrichtlinie wurde immer wieder verzögert, vor allem von den Auto-Nationen Frankreich und Deutschland. Sieben Jahre später war der Vorschlag ganz vom Tisch.

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Die freien Ersatzteil-Händler laufen weiter Sturm gegen das Teile-Monopol. Doch die Hersteller pochen auf das Markenrecht, wollen die Arbeit ihrer Designer gewürdigt wissen und verhindern so die Produktion von Ersatzteilen durch Dritte. Die Autobauer berufen sich dabei auf das Geschmacksmusterrecht: Es schützt Design vor Nachahmern und verhindert, dass den Verbrauchern Plagiate von schlechter Qualität angedreht werden. Für die Autofahrer heißt das: Sie können oft nur teure Karosserie-Ersatzteile kaufen.

Ende des Monopols könnte Ersatzteil-Preise purzeln lassen

Laut Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) würden die Preise um 30 bis 40 Prozent fallen, wenn das Monopol der Fahrzeughersteller bei sichtbaren Ersatzteilen gekippt würde. „Eine Liberalisierung würde auch in Deutschland für wettbewerbskontrollierte Preise sorgen“, sagt GVA-Präsident Hartmut Röhl. Der Verband vertritt auch die Interessen von Autoteileherstellern und fordert die Aufnahme einer Reparaturklausel ins Designrecht: Es dürfe auch für sichtbare Ersatzteile keinen Designschutz geben, da es bei Reparaturen keine Designalternative gebe.

Das sehen die Hersteller ganz anders. „Studien und die praktische Erfahrung belegen, dass geringere Kosten bei Ersatzteilen nicht aber zu sinkenden Reparaturkosten für Verbraucher führen“, sagt Christian Treiber, bei Mercedes-Benz zuständig für Service und Teile. „So verzeichnet etwa Großbritannien seit Jahren den höchsten Preisanstieg bei Reparaturen, obwohl dort kein Designschutz für Ersatzteile besteht.“

BMW setzt auf die Selbstregulierung des Marktes. „Ziel ist es grundsätzlich, unseren Kunden hervorragende Qualität und hervorragenden Service zu einem attraktiven Preis anzubieten“, heißt es aus der Münchener Konzernzentrale.

Freie Werkstätten günstiger als Vertragswerkstätten

Die Tatsachen zeichnen ein anderes Bild. Der ADAC hat 2013 herausgefunden, dass ein VW-Golf-Fahrer rund 40 Prozent mehr für Ersatzteile zahlen musste als im Jahr 2006. Auch neuere Zahlen belegen, dass die Schere bei den Ersatzteilen nach wie vor weit auseinanderklafft – wenn es sie denn gibt. Im Dezember 2014 kostete die Motorhaube bei einem Golf (1.6 Liter, 80 PS, Baujahr 4/2011) in der Vertragswerkstatt 294 Euro plus Mehrwertsteuer. In einer freien Werkstatt waren es 100 Euro weniger.

Dieser Trend setzt sich auch bei anderen Bauteilen und Modellen fort. Bekommt der Golf einen neuen Stoßfänger verpasst, beträgt der Preisunterschied gar 149 Euro. Ähnlich sieht das Bild bei einem Ford Focus aus (1.6 Liter, 125 PS, Baujahr 01/2013): Da ist die Motorhaube in einer freien Werkstatt 17 Euro billiger und die Frontschürze 107,57 Euro (Quelle: Marktinformationen/GVA). Zudem sind die Arbeitskosten bei freien Werkstätten in der Regel niedriger als die Sätze bei den Vertragshändlern der Automobilhersteller.

Wer Kotflügel herstellt, kann abgemahnt werden

Zwar haben die Automobilhersteller eine freiwillige Selbstverpflichtung abgegeben, nach der sie freien Wettbewerb zulassen, aber viel wert ist diese Absichtserklärung nicht. Lässt ein freier Händler nachgebaute Kotflügel in Deutschland produzieren, kann es schon passieren, dass ein blauer Brief aus Wolfsburg, Stuttgart-Untertürkheim, München oder Ingolstadt ins Haus flattert.

„In den vergangenen Jahren hat es immer wieder Abmahnungen gegeben, zum Teil verbunden mit der Beschlagnahme von Warenlagern, durch Fahrzeughersteller. Mit solchen Abmahnungen konterkarieren Fahrzeughersteller die freiwillige Selbstverpflichtung, Designrechte nicht zur Behinderung des Wettbewerbs im Kfz-Ersatzteilmarkt einzusetzen“, sagt GVA-Präsident Röhl. „Ein solches Verhalten zeigt, wie wichtig eine klare gesetzliche Regelung ist.“

Doch die Autobauer bestehen auf den Schutz des geistigen Eigentums: „Es ist eine viel zitierte Wahrheit, dass sich die Unternehmen in Deutschland gerade durch ihre Innovationskraft auszeichnen und auf Dauer auch nur hierdurch im weltweiten Wettbewerb bestehen können“ kontert Mercedes-Mann Christian Treiber. „Eine der wichtigsten Voraussetzungen hierfür ist, das Unternehmen ihre technischen und kreativen Leistungen durch Rechte des geistigen Eigentums hinreichend absichern können.“ Das klingt, als könne der Streit noch eine Weile andauern – an den hohen Preisen für Ersatzteile dürfte sich also so schnell nichts ändern.

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