Auto Fahrbericht BMW 218d Active Tourer: Der Tabubrecher

Der erste BMW mit Frontantrieb, der erste BMW-Van und der erste BMW mit einem Dreizylindermotor – der Active Tourer zeigt wie kein anderes Auto, wie sehr sich die einstigen Münchner Fahrdynamiker gewandelt haben.

Dauerregen trifft auf Frontantrieb. BMW hätte sich für den familiären Tabubrecher bei seinem offiziellen Erstauftritt sicher besseres Wetter gewünscht. Doch es schüttet rund um Innsbruck wie aus Eimern und so dauert er nicht lange, bis in einer unspektakulären Kurvenkombination spürbare Antriebskräfte auf die Hände des Fahrers einwirken. Das hat es in einem BMW noch nie gegeben. Motor vorn – Antrieb auch. Das ist neu und dem variablen Innenraum geschuldet.

Unter der Motorhaube zögert sich der nächste Tabubruch derweil noch hinaus. Hier arbeitet beim BMW 218d Active Tourer der zwei Liter große Commonrail-Diesel, der als Vierzylinder ebenso laufruhig wie kraftvoll seine Arbeit verrichtet. 110 kW / 150 PS und 330 Nm maximales Drehmoment zwischen 1.750 und 2.2250 U/min lassen vermuten, dass es sich hier um die europäische Kernmotorisierung handeln dürfte. Ab Herbst soll der 2er Active Tourer, der auf der gleichen Plattform wie die Mini-Generation und der kommende BMW X1 unterwegs ist, dann auch mit Allradantrieb folgen. Ein Trost – immerhin.

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Fahrdynamische Ansprüche interessieren allenfalls am Rande

BMW erfindet sich neu – derzeit scheinbar immer wieder. Erst der elektrische i3, dann der hybride Sportler i8 und jetzt die familiäre Allzweckwaffe 2er Active Tourer. Den Münchnern ist bei ihrer Umgestaltung der Marke nichts mehr heilig. Die in diesem Jahr erwarteten zwei Millionen verkauften Autos sollen nur ein unbedeutender Zwischenschritt sein. In den nächsten Jahren will sich BMW auf Geheiß der obersten Entscheider-Ebene in ganz andere Dimensionen aufschwingen und räubert kräftig bei der Volumenkonkurrenz.

Da tut es weh, dass Mercedes B-Klasse, Opel Zafira oder Volkswagen Sportsvan seit Jahren ertragreiche Kunden abgreifen, die man selbst mit der Verkaufsallzweckwaffe SUV nicht eingefangen bekommt. Also wird das pralle Modellportfolio mit einem Familienvan komplettiert, den BMW seinen 2er Active Tourer nennt – erst mit normalem Radstand und dann ab 2015 als Langversion mit sieben Sitzplätzen. Fahrdynamische Ansprüche interessieren bei diesen Kunden allenfalls am Rande. Vielmehr geht es um Variabilität, Platzangebot, Komfort und Effizienz. Und BMW hat bei seinem Erstlingswerk ein exzellentes Auto auf die Reifen gestellt.

Konkurrenz für Mercedes und VW

Auch wenn Bewahrer der Marke ob des Frontantriebs die Hände zum heute tief verhangenen Tiroler Himmel recken oder sich die Konkurrenz die Bäuche hält, weshalb die Bayern leichtfertig den heiligen Gral des Heckantriebs im Imagewettstreit über Bord geworfen haben. Klar hat der knapp 1,5 Tonnen schwere Fronttriebler spürbare Antriebskräfte bei flotter Gangart, doch stören wird es jene Familienväter kaum, die erstmals die Chance haben, von den Volumenmarken in einen BMW-Van umzusteigen. Vorteil: der 4,34 Meter lange 2er Active Tourer wildert in komplett neuem Terrain; dürfte weder bei den hauseigenen SUV, noch bei den Kombis nennenswert kannibalisieren. Dagegen tut der BMW 2er Active Tourer der Konkurrenz weh – allen voran wohl Mercedes B-Klasse und VW Sportsvan.


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Denn der Neuling sieht nicht nur ansprechend aus; er glänzt auch mit inneren Werten. Vorne sitzt es sich auf den Stühlen reisetauglich angenehm und wohl konturiert. Hinten gibt es zumindest für zwei Erwachsene gute Platzverhältnisse; nur zu dritt wird es unkommod. Die Rückbank lässt sich zweiteilig um bis zu 13 Zentimeter verschieben und in drei Varianten umklappen. So lässt sich mit den 500 Kilogramm Zuladung einiges anfangen. Das Ladevolumen liegt zwischen 468 und 1.510 Litern. Die Heckklappe öffnet auf Tasterdruck oder Tritt unter der Heckschürze elektrisch und die Rundumsicht ist gut. Typisch Van.

Cockpit und Bedienelemente – alle so wie man es von BMW kennt. Übersichtlich, wertig und in diese Klasse bisweilen sogar eine neue Referenz. Abgesehen vom optionalen Head-Up-Display, das mit seinem ausklappbaren Anzeigemodul bei der Volumenkonkurrenz von Mazda, Peugeot und Citroen verzeihlich ist. In der Premiumklasse ist dies zu wenig. Da gefallen die zahlreichen Ablagen besser.

Dabei ist die Fahrdynamik des Active Tourer, so unwichtig sie in dieser Fahrzeugklasse auch sein darf, allemal überzeugend. Die Lenkung ist präzise, die manuelle Sechsgangschaltung schlicht eine Klasse für sich und über einen Schalter an der Mittelkonsole lassen sich die einzelnen Fahrmodi zwischen Eco, Normal und Sport variieren. Wer will, scheucht den BMW 218d in beachtlichen 8,9 Sekunden auf Tempo 100 und hat selbst auf kurvigen Landstraßen seine Freude, auch wenn erstmals Antriebkräfte zucken. Die Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h – allemal ausreichend in diesem Segment.

Der Normverbrauch von 4,1 Litern Diesel dürfte zusammen mit dem Preis weit mehr interessieren als den Fahrspaß, den der Active Tourer den bajuwarischen Neukunden allemal bietet. Fahrwerk, Abstimmung und die 150 PS überzeugen im ersten Alltagstest allemal. Wer mehr will wartet auf den 220d oder sinniert über den 231 PS starken 225i. Später soll auch ein Plug-In-Hybride folgen, der die unter vier Liter Normverbrauch des BMW 216d noch unterschreitet. Doch der BMW 218d scheint im Active Tourer am besten zu passen. Mit mindestens 31.050 Euro gibt es günstigere Angebote; doch der Abstand der Volumenkonkurrenz dürfte kaum ein Hindernis für einen Verkaufserfolg sein.

 
 

Hinweis: Dem Redaktionsbüro press-inform werden Autos häufig kostenfrei vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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