Auto Führerschein weg – was nun?

  • Aus dem Magazin
Wenn man mit mehr als 1,1 Promille im Blut erwischt wird, ist der Führerschein weg.

Wenn man mit mehr als 1,1 Promille im Blut erwischt wird, ist der Führerschein weg.© Gerhard Seybert / Fotolia.com

Wenn man im Straßenverkehr mit mehr als 1,1 Promille Alkohol im Blut erwischt wird, ist der Führerschein weg. Was nun? Das müssen betroffene Unternehmer wissen.

Wann wird der Führerschein entzogen?

2013 verloren knapp 20.000 Deutsche ihre Fahrerlaubnis, weil sie mit zu viel Alkohol oder Drogen im Verkehr unterwegs waren. Was der Verlust für Selbstständige bedeutet, erzählt eine Berliner Medizinerin: Die Freiberuflerin hatte in einer Bar zu viel getrunken – und war ihren kurzen Heimweg mit dem Auto gefahren. Eine Zivilstreife ermittelte 1,9 Promille.

Zwölf Monate musste sie ohne Führerschein auskommen. Ergebnis: „Meine Arzthelferin chauffierte mich zu den Patientenbesuchen.“ Die Mittvierzigerin schätzt die Kosten des autofreien Jahres auf 5000 Euro. „Es war gut so. Ich bin froh, dass ich niemanden verletzt habe.“

Anzeige

Was ist dann zu tun?

Es mag schwer fallen – aber ist der Führerschein nach einer Trunkenheitsfahrt weg, ist der Gang zum Psychologen zwingend. „Die Betroffenen müssen nach den Ursachen forschen“, sagt Karl Kürti, der an der NRW-Obergutachterstelle zur Beurteilung der Kraftfahreignung arbeitete.

Denn: Ab 1,6 Promille, teils auch darunter, wird eine medizinisch-psychologische Untersuchung, kurz: MPU, angeordnet. Wer sich auf das dortige Gespräch mit dem Gutachter nicht gut vorbereitet, fällt durch.

Wie bekomme ich den Führerschein zurück?

Indem man zuvor die MPU besteht. Und das ist nicht trivial: Nur die Hälfte schafft es. Nach einem Fragebogen und einer ärztlichen Untersuchung wartet das Gespräch mit dem Gutachter. Dort fallen die meisten durch – auch und gerade Selbstständige, die diese Prozedur auf die leichte Schulter nehmen.

„Beruflich meistern sie jede Herausforderung mit Bravour“, sagt Kürti. „Sie denken, dass Ihnen dies bei der MPU auch gelingt – und scheitern krachend.“ Die Gutachter erwarten, dass die Prüflinge ihr Verhalten ernsthaft hinterfragen.

Was kostet die MPU?

Die Untersuchung kostet etwa 600 Euro, etwa 150 Anbieter ermöglichen diese. Hinzu kommen Kosten für die verkehrspsychologischen Sitzungen. „Mit 10 bis 20 Terminen ist das erledigt“, sagt Kürti. „Sie müssen sich auf das Verfahren einlassen und mitarbeiten. Sonst funktioniert es nicht.“

Der verkehrspsychologische Berater betreute bislang 850 Tests – und verortet die Gesamtkosten bei etwa 2500 Euro.

Existiert eine Härtefallregelung?

„Eine Härtefallregelung für Unternehmer gibt es nicht“, sagt ein Sprecher des Kraftfahrt-Bundesamtes. „Sie wäre nicht mit unserem Rechtssystem vereinbar.“ Aber: In Ausnahmefällen kann die Behörde auf das Fahrverbot verzichten und ein erhöhtes Bußgeld verhängen.

 

impulse-Magazin Juni 2015Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 06/15.

Mitglieder im impulse-Netzwerk erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat nach Hause geliefert. Und über die impulse-App für iOS- und Android-Geräte können Sie die neuen Ausgaben bequem auf Tablet oder Smartphone lesen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.