Auto Jetzt kommen die Roller an die Steckdose

Roller mit Elektrobetrieb: der BMW C evolution.

Roller mit Elektrobetrieb: der BMW C evolution.© BMW

Hunderttausende Elektro-Fahrräder gibt es schon, immer mehr Autos tanken an der Steckdose. Nun elektrifiziert der erste Konzern in Deutschland den Motorroller. Und spart sich sogar das Knattern.

Das Wort „Batterie“ will Markus Kirchschlager nicht über die Lippen. Wer es ausspricht, verletzt den Elektroingenieur. „Das trifft einen schon.“ Er weist auf einen silbernen Kasten aus Druckguss-Aluminium, auf den sie im BMW-Werk Berlin stolz sind. „Das ist ein Hochvoltspeicher“, betont Kirchschlager, „145 Volt.“ Das bedeutet: 125 Kilogramm voll komplizierter Elektronik. „Batterie“ – das klänge viel zu einfach.

Akku-Schrauber surren, Montagewagen rollen vorüber, Monteure lassen drei Lithium-Ionen-Module in den Alu-Kasten hinab. Er ist das Herzstück des neuen Vorzeigeprojekts des Berliner BMW-Werks: der erste Serien-Elektroroller eines deutschen Autobauers. Dreieinhalb Jahre haben die Ingenieure bei BMW in München und die Berliner um Markus Kirchschlager getüftelt, am Freitag nun begann im Spandauer Werk offiziell die Serienfertigung.

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Ansehnliche Auswahl an Elektro-Alternativen

Während in China schon seit Jahren Elektroroller zum Stadtbild der überfüllten Metropolen gehören, wächst allmählich auch in Deutschland der Markt – wenn auch in sehr kleinem Maßstab. 5600 Krafträder mit Elektroantrieb sind laut Kraftfahrtbundesamt zugelassen, die Zahl hat sich in zwei Jahren nahezu verdreifacht.

Auch wenn sich angesichts von vier Millionen Benzinmotoren auf zwei Rädern das Wort von der „neuen Konkurrenz“ verbietet, haben kleinere Manufakturen und Werkstätten nach und nach für eine ansehnliche Auswahl an Elektro-Alternativen gesorgt.

In Berlin hat die Serienproduktion begonnen.

In Berlin hat die Serienproduktion begonnen.© BMW

Es gibt heute winzige Stehroller mit 20 Stundenkilometern, gemütliche Nostalgie-Gefährte im 60er-Jahre-Design und schnittige Scooter, die schneller fahren als Tempo 80. Das alles geschah recht unauffällig, während Elektro-Autos und -Fahrräder große Themen waren.

„Es ist ein Potenzial da, weil das Interesse an Elektromobilität groß ist“, meint Achim Matern, Sprecher des Industrie-Verbands Motorrad Deutschland. Elektroroller seien leise, Parkplatzprobleme hätten sie nicht und die laufenden Kosten seien geringer als beim Benziner. „Es ist einfach billiger, sich an die Steckdose anzuschließen.“

Hürden sieht der Fachmann aber bei der begrenzten Reichweite und beim relativ hohen Preis. Viele Räder müssen nach 70 bis 80 Kilometern wieder für Stunden an die Steckdose. Während ein herkömmlicher guter Roller für 3000 Euro zu haben ist, kosten elektrisch angetriebene oft das doppelte oder dreifache.

BMW setzt sich mit seinem Großroller nun an die Spitze der Bewegung, sowohl was die Reichweite von 100 Kilometern und die Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern angeht als auch beim Preis von 15.000 Euro.

BMW beginnt bescheiden

Der Autokonzern beginnt in seinem Berliner Werk vergleichsweise bescheiden. Die Produktionsfläche für den „C evolution“ ist nicht größer als ein halbes Fußballfeld, zehn E-Scooter sollen pro Tag fertig werden – 10 von 600 Motorrädern, die täglich das Werk verlassen. Werksleiter Marc Sielemann ist entschlossen: „Wir werden soviel bauen wie der Markt braucht.“ Er glaubt, dass der leise Roller auch etwas für eingefleischte Motorradfans ist. „Das Knattern vermisse ich nicht.“

Unter den Autobauern hatte Peugeot schon in den 90er Jahren mit dem Bau von Elektro-Zweirädern begonnen. Die Franzosen haben auch heute ein Modell im Angebot. Abgesehen von BMW, die die Erfahrung ihrer traditionsreichen Motorradsparte nutzen können, halten sich die deutschen Autokonzerne aber noch zurück.

Volkswagen hatte vor drei Jahren in Schanghai eine Studie vorgestellt, danach war davon aber nichts mehr zu hören. Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche kündigte vor Jahren einen E-Roller an, inzwischen liegt das Projekt auf Eis. Die Stuttgarter lassen nur verlauten, das Feld sei nach wie vor interessant.

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