Leben ohne Auto Warum ich als Unternehmer mein Auto abgeschafft habe

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Nie wieder Parkplatzsuche, nie wieder Knöllchen! Das Leben ohne Auto hat einige Vorteile.

Nie wieder Parkplatzsuche, nie wieder Knöllchen! Das Leben ohne Auto hat einige Vorteile.© pit24 / Fotolia.com

Ohne eigenes Auto durch das Geschäftsleben und trotzdem mobil sein: Das setzt Unternehmer Sven Franzen um. Das Leben ohne Auto war anfangs nicht leicht für ihn - aber jetzt überwiegen die Vorteile.

Nachdem ich 2011 in die direkte Innenstadt von Frankfurt am Main (rund fünf Gehminuten von der berühmten Zeil / Hauptwache entfernt) gezogen bin, wurde ich seit dem ersten Tag an mit Parkplatzmangel, Knöllchen und unnötigen Kratzern konfrontiert. Bereits 2012 hatte ich keine Lust und Spaß mehr am Auto und merkte zunehmend, wie sich meine Mobilität verschob – in Richtung öffentlichem Nahverkehr. 2013 zog ich die Reißleine und verkaufte den Wagen. Seitdem habe ich kein Auto mehr und gestalte meine gesamte Mobilität über Alternativen. Wie das funktioniert und was die Vorteile sind:

4 Gründe, warum man sein Auto nicht braucht

Mit meinem Umzug in die Innenstadt wurden die Wege für mich kürzer:  Viele Kunden, die in der Metropolregion Rhein-Main, vor allem aber direkt in der Stadt sitzen, konnte ich direkt zu Fuß oder wesentlich schneller mit dem öffentlichen Verkehr und Fahrrad erreichen. Eine Zeit lang analysierte ich mit einer einfachen Strichliste, wie oft ich mein Auto noch nutzte, und schrieb mir regelmäßig auf, wie nützlich oder entbehrlich das Auto für Erledigungen war und welche Nachteile damit verbunden waren.

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Schnell fiel mir auf, dass das Auto vor allem …

  • … viel Geld kostete. Ich gab zuletzt gut 1000 Euro pro Monat dafür aus, hierin enthalten waren die Autokosten (für das Auto selbst), die Versicherung (mit Schadenfreiheitsrabatt 6 sehr teuer), die Kfz-Steuer, Benzin und Pflege sowie Instandhaltung. Jeder Unternehmer, der sein Kassenbuch selbst ehrlich durchforstet, wird auf ähnliche Kosten kommen, insofern man keinen 20 Jahre alten Gebrauchten zu Grunde legt.
  • … Parkplatzprobleme verursachte. Regelmäßig fand ich keine Parkplätze, nur bei dem Gedanken an die Parkplatzsuche nach einem anstrengendem Arbeitstag kam ich bereits ins Schwitzen. Ein Mietparkplatz in der Innenstadt schließt sich direkt an den ersten Punkt an: Er schlägt mit 250 Euro (im Monat!) zu Buche. Not macht erfinderisch, entsprechend legte ich die Straßenverkehrsordnung sehr weit aus, um doch noch einen Parkplatz für mich zu “finden”. Dieser kostete dann zwar nicht so viel wie ein Miet- oder Parkhausplatz, als Konsequenz
    meiner sehr weitreichenden Auslegemethode der StVO kamen jedoch einige Knöllchen zusammen.
  • … Schäden hinnehmen musste. Eine dynamische und bewegte Stadt wie Frankfurt am Main beherbergt viele Menschen und Büros. In der Alltagshektik und/oder durch unvorsichtige Verhaltensweisen sind beim Abstellen des Autos auf der Straße unnötige Kratzer und weitere Schäden unabwendbar. Dennoch ärgern diese und kosten bares Geld und Nerven (bei der Rückgabe des Leasingfahrzeugs).
  • … überflüssig ist, wenn die Infrastruktur gut ausgebaut ist. Schlussendlich fiel mir auf, dass die Infrastruktur in Frankfurt so gut ist, dass man alle Meetings und Termine mit den Öffentlichen, dem Fahrrad oder zu Fuß viel schneller und stressfreier erreicht als mit dem Auto. Wenn man nur wenige Meetings in schlecht ausgebauten Gebieten wahrnehmen muss, gibt es also schnellere, stressfreiere und kostengünstigere Alternativen.

Die ersten Woche nach dem Autoverkauf

Nach dieser ganz eigenen Analyse meiner Autonutzung fiel es mir leicht, den Entschluss zu fassen: Ich verkaufte meinen Geschäftswagen. Nachdem ich es fest entschieden hatte, habe ich mich mental darauf vorbereitet und eingelassen. Nein, das ist kein nerviger Coach-Satz! Es ist wichtig, dass man sich wirklich darauf einlässt und an seiner Entscheidung langfristig festhält.

Die ersten Wochen waren die schlimmsten – ich redete mir schnell ein, dass ein Auto hier und dort viel einfacher und bequemer gewesen wäre. Sicher! Aber genau das ist die Herausforderung: es von nun an ohne Auto zu lösen. Ein “Change” ist zu Beginn immer etwas ungewohnt, gerade weil wir “Gewohnheitstiere” sind.

Meine Tipps an Sie daher:

  1. Analysieren Sie Ihr Verhalten und die Nutzung Ihres Autos.
  2. Wägen Sie Pro und Contra ab.
  3. Treffen Sie die klare Entscheidung.
  4. Lassen Sie sich auf diese ein.
  5. Halten Sie an diesem Kurs fest.

Meine Alternativen zum Firmenwagen

Um Ihnen Ihre Entscheidung etwas leichter zu machen, möchte ich kurz mit Ihnen teilen, welche Alternativen zum Auto es gibt und wie ich diese heute in meine Mobilität einbaue.

Öffentliche Verkehrsmittel
Für die meisten Besorgungen und Erledigungen in meinem Alltag, vor allem privat, nutze ich die sehr gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsmittel. In Deutschland sind wir gesegnet mit einer sehr umfangreich ausgebauten und zuverlässig funktionierenden, lokalen Infrastruktur. Nutzen Sie diese – vielleicht auch nur testweise – um zu probieren, ob das für Sie eine Lösung sein kann.

Flugzeug und ICE
Da ich viele national verstreute und internationale Kunden betreue und die Marketing-Workshops, Sparringspartner-Gespräche und Marketing-Strategiegespräche meist vor Ort beim Kunden stattfinden, sind Flugzeug und ICE für mich eine stressfreie und schnellere Alternative zum Auto. Statt nach sechs Stunden Autofahrt bin ich binnen vier Stunden mit dem ICE Sprinter bei meinem Kunden in Berlin – und das zudem völlig stressfrei. Im Zug kann ich arbeiten (mit Laptop und Tablet), kann telefonieren (wenn ich nicht im “Pssst!”-Abteil sitze) und networken.

Ich habe mir zum Ziel gesetzt, bei jeder Fahrt / jedem Flug mindestens eine Person kennen zu lernen. Das Networking funktioniert – es gibt immer einen Anknüpfungspunkt, ob die lustige Ansage im Zug (“Sänk ju for träffeling“) oder andere Vorkommnisse. Nutzen Sie diese Möglichkeiten für neue Kontakte und Geschäfte, statt sich darüber aufzuregen (zugegebenermaßen ist der öffentliche Verkehr gegenüber der Einsamkeit im Auto meist “dynamischer”).

Carsharing oder Mietwagen
Manchmal geht es einfach nicht ohne Auto. Immer wenn ich Termine wahrnehmen muss, die in der “Pampa” stattfinden, nutze ich das Auto. Hierfür nutze ich bei kurzen, spontanen Strecken das Carsharing hiesiger Anbieter sehr flexibel und günstig (150 Kilometer, zwei Stunden für gut 23 Euro). Alle “Pampa”-Termine lege ich auf einen oder zwei Tage, an denen ich dann einen günstigen und flexiblen Mietwagen nehme (rund 35 Euro pro Tag zuzüglich Benzin). So reduzieren sich die Kosten pro Termin und pro akquiriertem / beratenen Kunden (Reisekosten, Spesen und Client Acquisition Costs).

Vor- und Nachteile der Mobilität ohne eigenes Auto

Was sind die tatsächlichen Vor- und Nachteile kein Auto zu haben? Hier meine Liste:

Vorteile

  • Entspanntes Reisen ohne Müdigkeit: Wenn ich bei meinen Kunden ankomme, erwarten diese von mir Höchstleistung in meiner Marketing-Beratung. Hierzu muss ich völlig wach und fit im Kopf sein. Das bin ich durch stressfreies Reisen mit Bahn und Flugzeug. Kurzstrecken sind auch mit dem Auto ok.
  • Gesparte Fixkosten: Die Fixkosten von Autos sind sehr hoch, diese spart man sich und nutzt das “Budget” für die anfallenden Reisespesen, die ich in meiner Branche immer an die Kunden weitergeben kann. Folglich sinken meine Fixkosten enorm und die anfallenden Eigenkosten beziehen sich meist nur auf Akquisition und private Fahrten.
  • Kein Nervenkrieg: Ohne Auto muss man sich weder dem stressigen deutschen Straßenverkehr (Anpöbeln, Hupen oder sonstiges), noch den Knöllchen und Parkplatzsuche aussetzen. Ich gebe zu: ich bin traumatisiert von vergeblichen Parkplatzsuchen.
  • Es findet sich häufig eine Mitfahrgelegenheit: Bei vielen Veranstaltungen und Networking-Events findet sich meist jemand als Mitfahrgelegenheit. Diese Möglichkeit nutze ich, um weitere Kontakte zu knüpfen oder zu vertiefen (Empfehlungsmarketing, etc.).
  • Flexibilität: Man kann immer entscheiden, was man als Nächstes tut und kann so spontane Vorkommnisse einbinden. Ich kaufe prinzipiell nur das “Hin-Ticket”, um spontan entscheiden zu können wohin die Reise weiter geht. Da wir das Unternehme aus der Cloud (Verlinkung auf meinen Artikel) steuern, kann ich auch von überall aus arbeiten.
  • Umweltschonend: Ohne eigenes Auto schont man die Umwelt 🙂
  • Zukunftsorientiert: Ich glaube, dass die Zukunft unserer Mobilität und Wirtschaft immer mehr auf die sogenannte Shared Economy setzt und damit auch diese genannten Mobilitätsformen stark zunehmen werden. In Frankfurt kann man jetzt sogar schon Fahrräder und Vespa-Roller mieten (als Sharing). Ein Zukunftsmarkt.

Nachteile

  • Ausfälle: Ein von mir nicht weiter benannter Anbieter ist bekannt dafür. Vor allem Streik und Ausfälle können für Ärger, Verpassen von Meetings etc. sorgen. Ich kann Sie jedoch beruhigen und dieses Argument teilweilse entkräften: Wenn man regelmäßig mit dem öffentlichen Verkehr reist, kommt es sehr selten vor.
  • Kälte: Ein großer Nachteil, wenn man in der Kälte auf seinen Zug oder Bus wartet.
  • Unflexibilität: Wenn man auf dem Land in die “Pampa” fährt, ist das Auto das einzig Wahre. Hier gibt es kein Gegenargument.

Mobilität ist auch für Unternehmer ohne Auto machbar und möglich. Es kommt ganz auf die eigenen Bedarfe und Verhaltensweisen an. Analysieren Sie genau Ihr Nutzungs- und Vorteilsverhalten und treffen Sie mit den hier genannten Argumenten Ihre persönliche Entscheidung. Viel Erfolg! Ich würde es jederzeit wieder so machen – auch wenn es mir als Mann in den “Fingern kribbelt”, wo gerade Tesla einen neuen Wagen vorgestellt.

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2 Kommentare
  • Sibylle Charlotte Kuhn 9. Juni 2016 10:11

    Ich habe mein Auto bereits vor 1 1/2 Jahren verkauft, es reist sich im ICE sehr komfortabel, ich reserviere nie einen Platz, ich stuerme als erstes den Restaurantwagen, bestelle mir ein
    schoenes Glas Roten und arbeite dann von dort aus, und…. man trifft immer interessante
    Leute, manchmal bleibt das Tablet auch aus……

  • Ulrich L. Zischewski 5. Mai 2016 11:55

    Diese Entscheidung ist die einzig richtige. Selbst oder gerade bei einer Kundensruktur die europaweit ist.
    als ich schon vor einem Jahrzehnt meine Kosten analysiert habe, wurde mir schwarz vor den Augen. Parkhauskosten am Flughafen waren ein Hauptposten. da ich in der Schweiz wohne und arbeite habe ich kein Problem mit dem hervorragenden ÖNVP der auch noch pünktlich ist (die meisten Verspätungen hatte ich auf der deutschen Seite mit der DB selbst im IC) leider ist die ÖNVP Struktur in D ausserhalb der Zentren extrem schlecht vor allem wenn man „quer“ fährt also Ost West Ost von München nach Zürich ein absolutes No go da geht nur der Flieger, und nun aktuell geht der 1 stündige Zug nach Zürich auch nicht weil die Züge nicht für den grenzübergreifenden Verkehr nicht ausgerüstet sind. Man kann im weiteren Umfeld der Zentren noch einigermassen Verbindungen bekommen aber darüber hinaus ist es ein Graus. Dennoch war meine Entscheidung gut und richtig, zumal mir der Abschied vom KFZ von den unqualifizierten Autoverkäufern sehr erleichtert wurde.

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