Auto Mit dem Rad geht’s schneller

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Installateur Theodor Röhm mit seinem Lastenrad unterwegs in Bremen.

Installateur Theodor Röhm mit seinem Lastenrad unterwegs in Bremen.© Maurice Kohl für impulse

Es ist günstig, umweltfreundlich - und man findet immer einen Parkplatz. Handwerker und andere Dienstleister entdecken das Lastenfahrrad als Alternative zum Auto neu.

Montagmorgen, acht Uhr. Theodor Röhm ist in der Bremer Innenstadt auf dem Weg zu einem Kunden, bei dem er einen Badewannenanschluss reparieren soll. Die Straßen sind um diese Zeit wie immer dicht, doch der Installateur fährt entspannt am Stau vorbei. Parkplatzsuche? Kein Problem. Während andere ihr Fahrzeug notgedrungen in zweiter Reihe, in Einfahrten oder auf Behindertenparkplätzen abstellen, parkt Röhm genau vor der Tür des Kunden. Warum das klappt? Der Handwerker ist mit dem Fahrrad unterwegs, genauer: mit einem Lastenrad, auf dem er Werkzeug und Baumaterial transportiert.

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In der Wirtschaftswunderzeit waren Transportfahrräder ein gewohntes Bild im Straßenverkehr – bis sie von VW-Bully und Co. Verdrängt wurden. Die Deutsche Post und andere Zustelldienste haben bis heute Tausende Räder im Einsatz. Jetzt entdecken immer mehr kleine Unternehmen das umweltfreundliche Gefährt neu. Es ist überaus stabil und kann je nach Typ mehr als eine Vierteltonne Material von A nach B bringen – auf speziellen Gepäckträgern oder Ladeflächen bis hin zur Größe einer Europalette. Und das zu deutlich geringeren Kosten als ein motorisierter Transporter.

Handwerker Röhm hat gleich vier Modelle mit Ladefläche im Einsatz. Für den Transport von Bauschutt hat er zusätzlich ein Rad mit Kippmulde angeschafft. Da sich solche Lasten im Dauerbetrieb kaum allein mit Muskelkraft bewegen lassen, wählen viele Betriebe ein Modell mit Elektroantrieb. Die E-Bikes kosten zwar einige Hundert Euro mehr als unmotorisierte Varianten, üblich sind 3800 Euro und mehr. Sie ermöglichen es aber, längere Strecken relativ entspannt zurückzulegen.

Lastenräder bieten viele Vorteile

Die Reichweite mit Elektrounterstützung liegt zwischen 30 und 100 Kilometern, je nach Leistung des Akkus und dem Gesamtgewicht des Rads. Die Batterien kann man an jeder 220-Volt-Steckdose nachladen – zum Beispiel zwischen zwei Kundenterminen. Läuft das Rad im Dauereinsatz, lässt sich der verbrauchte Akku rasch gegen einen frischen tauschen. Installateur Röhm hat auf den Zusatzantrieb verzichtet. Er und seine Mitarbeiter sind aktive Triathleten und die Fahrten zum Kunden Bestandteil des täglichen Trainings.

Matthias Stienen hat es hingegen lieber bequem und tritt mit Elektrounterstützung in die Pedale. Der Innenarchitekt und Tischler aus Dorsten schätzt die Flexibilität seines Transportgefährts. Mit dem Auto hätte er keine Chance, zu seiner Baustelle im historischen Zentrum der Stadt am Rand des Ruhrgebiets durchzukommen. In der Fußgängerzone muss er die neue Einrichtung eines Ladens montieren. Mit dem Lastenrad kann er bis zum Geschäft vorfahren. Größter Vorteil gegenüber einem Lieferwagen: Ist die Zufahrt zu einer Fußgängerzone per Zusatzbeschilderung für „Fahrräder frei“, dürfen Cargo-Bikes unabhängig von den üblichen Lieferzeitfenstern ganztägig passieren.

Bis vor die Tür – immer

Obwohl Stienens Gefährt mit einer großen Ladefläche ausgestattet ist, darf er Fahrradwege und für den Radverkehr freigegebene Einbahnstraßen, Busspuren, Gehwege und Fußgängerzonen benutzen. Das Parken und Halten ist auf dem Gehweg ebenso erlaubt wie am Fahrbahnrand.

Das unkomplizierte Abstellen ist für Katharina Palmer der wichtigste Vorteil ihres Transportrads. „Allein die Parkplatzsuche dauert mit dem Auto oft länger als die Zeit, die man danach beim Patienten verbringt“, sagt die Mitarbeiterin des Bad Cannstatter Pflegediensts Matosevic. Ihr Chef hat für die Firma ein Modell mit großen Gepäckträgern angeschafft. „Das reicht für die Taschen mit den Pflegeutensilien“, sagt Anto Matosevic.

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