Mobility on demand Jeden Tag ein anderes Auto als Firmenwagen – das ist bald möglich

Carsharing wird für Unternehmen immer interessanter. Jetzt lockt eine US-Edelmarke Selbstständige mit einer Auto-Flatrate. Auch andere Finanzierungsformen bieten Firmen viel Flexibilität.

US-Marken haben es traditionell schwer in Deutschland, dem Heimatmarkt von Mercedes, BMW und Porsche. Zwar fährt manch ein Selbstständiger auch im Jeep zum Kundentermin. Die meisten Dienstwagen stammen jedoch von hiesigen Herstellern. Cadillac, die Oberklasse-Marke von General Motors, unternimmt nun einen neuen Anlauf – und bringt sich mit einem modernen Vertriebsmodell ins Gespräch.

Welche Autos gehören zur Cadillac-Flatrate? Klicken Sie sich oben durch die Bildergalerie – und sehen Sie, mit wem es die US-Autos aufnehmen.

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Wie bereits in New York können auch deutsche Kunden bald eine Cadillac-Flatrate buchen. Statt einen einzigen Wagen zu kaufen oder zu leasen, zahlen sie eine monatliche Gebühr und haben dafür jederzeit Zugriff auf neun verschiedene Modelle. Unter der Woche zum Geschäftstreffen mit einer seriösen Limousine, am Wochenende im Sportwagen an den See und in die Berge mit einem SUV – Cadillac bringt die gewünschten Fahrzeuge zum Kunden und holt sie auch wieder ab. In München geht es los, bald sollen weitere Städte folgen.

„Das Modell passt in die Zeit: Immer weniger Selbstständige wollen ein Auto besitzen, sich mit Zulassung, Versicherung, Steuern und Wartung belasten“, sagt Dieter Jacobs, Vorstand beim Verband markenunabhängiger Fuhrparkmanager (VMF).  „Was sie wollen, ist möglichst flexibel mobil zu sein.“

Die Auto-Flatrate kostet 1500 Dollar

Wie beim klassischen Carsharing können Kunden die Cadillacs über eine App buchen. „Da Cadillac Wartung, Versicherung und Fahrzeugpflege übernimmt, entfallen diese Aufwände im Gegensatz zur üblichen Haltung eines Fahrzeugs. Somit kommt der Nutzer in den Genuss eines seinem Lebensstil entsprechenden völlig neuen Gefühls der Freiheit, verbunden mit hoher Flexibilität“, wirbt der US-Hersteller. Dieser Lebensstil hat seinen Preis: In New York zahlen Nutzer 1500 Dollar im Monat. Die Gebühren für Deutschland stehen noch nicht fest.

Ähnliche „Car-Abo“-Modelle bieten auch Autovermieter für Unternehmer und Manager an, die viel unterwegs sind. Bei „Sixt Unlimited“ etwa lässt sich für eine monatliche Gebühr eine bestimmte Fahrzeugkategorie buchen. Ein Auto kann dann an einem Flughafen abgegeben werden und nach der Landung am nächsten Airport ein anderes Fahrzeug für die Weiterfahrt genutzt werden.

Die Auto-Flatrate ist nur die neueste Variante flexibler Finanzierungs- und Nutzungsmodelle von Firmenautos. Denn was für Privatleute gilt, trifft auch auf viele Unternehmen zu: Die meisten Autos sind eine teure Ressource, die kaum genutzt wird. Auch Dienstwagen stehen bis zu 23 Stunden am Tag auf dem Firmenparkplatz herum. „Wir beobachten, dass sich viele Unternehmer zunehmend Gedanken machen, wie sich das besser organisieren lässt“, sagt Fuhrpark-Experte Jacobs. „Langfristig geht der Trend klar in Richtung Mobility-on-demand, also Mobilität als Dienstleistung, die dann in Anspruch genommen wird, wenn sie benötigt wird.“ Statt Autos nach starren Modellen zu kaufen oder zu leasen, könnten Firmen künftig Mobilitätspakete erwerben.

Nutzen statt kaufen – wie beim Leasing

Im Kern sind die neuen Angebote eine Weiterentwicklung des klassischen Fullservice-Leasings, das aktuell von den meisten Firmen genutzt wird. Dabei zahlen die Unternehmer eine fixe monatliche Summe für die Nutzung eines Wagens und müssen sich etwa um den Wiederverkaufswert keine Gedanken machen. Das Risiko trägt der Anbieter. Nach drei bis vier Jahren gibt es einen neuen Wagen.“ So ist der Fuhrpark immer auf dem neuesten Stand der Technik und die Autos sind repräsentabel“, sagt Jacobs. Und: „Gerade im Mittelstand ist der eigene Dienstwagen immer noch ein wichtiges Instrument zur Mitarbeiterbindung.“

Wie Sie beim Firmenauto-Leasing Geld sparen, erfahren Sie hier.

Wenn Angestellte ihren Dienstwagen nicht als Statussymbol ansehen, fällt es Firmen leichter, flexible Modelle zu testen. Die einfachste Variante für Selbstständige und kleine Firmen: allgemeine Carsharing-Anbieter über ein Firmenkonto nutzen. Es gibt aber auch spezialisierte Anbieter für Corporate Carsharing. Als kurzfristige Alternative zum klassischen Leasing hat sich zudem die Langzeitmiete etabliert.

Mehr dazu im Überblick der flexiblen Finanzierungsformen von Firmenautos:

1. Klassisches Carsharing

In Großstädten wie Berlin, Hamburg und München hat sich das Carsharing längst durchgesetzt. Die Marktführer DriveNow (BMW) und Car2go (Mercedes) funktionieren nach dem sogenannten Free-Floating-Modell. Das heißt, die Autos können per App überall im Nutzungsgebiet gebucht und woanders wieder abgestellt werden. Mehr als 10.000 Unternehmenskunden nutzen bereits spezielle Firmen-Angebote wie „Car2go for business“. Neben einem Programm für Großkunden gibt es auch ein spezielles Angebot für kleine Firmen, das sich „Business Account“ nennt. Es kann von kleinen Unternehmen selbst eingerichtet werden. Alle dienstlichen Fahrten von Mitarbeitern werden dann monatlich gebündelt in Rechnung gestellt.

Auch bei DriveNow kann der Nutzer in der App auswählen, ob es sich um eine private oder dienstliche Fahrt handelt. Der Rechnungsbetrag wird dann dementsprechend dem persönlichen Konto oder dem des Unternehmens zugeordnet. Die Vorteile: keine Fixkosten – und Einsparungen im Vergleich zum Taxi. „Diese Art Carsharing wird vor allem von jungen Unternehmen in Städten genutzt, die in den meisten Fällen aber auch gar keinen eigenen Fuhrpark oder nur wenige Firmenautos haben“, beobachtet Dienstwagen-Experte Jacobs. „Das funktioniert in Ballungsräumen, aber nicht im klassischen Außendienst.“

 2. Corporate Carsharing

Statt pro Mitarbeiter einen Dienstwagen zu beschaffen, gehen viele Unternehmen dazu über, ein firmeninternes Carsharing aufzubauen. Einfach gesagt: Auf dem Parkplatz stehen eine Reihe von Wagen und wer einen braucht, nimmt ihn sich. Im Detail ist es dann etwas komplizierter. „Da braucht es bestimmte Versicherungen und auch eine Software, um das Ganze zu steuern und zu erfassen, wer wann ein Fahrzeug benötigt und wie lange“, erklärt Jacobs.

Ein Pionier unter den Anbietern ist das französische Unternehmen Ubeeqo, das seit der Übernahme durch Europcar auch in Deutschland expandiert. Mitarbeiter buchen die auf dem Firmenparkplatz abgestellten Ubeeqo-Fahrzeuge online und öffnen sie mit Firmenausweis oder Führerschein. Durch das Sharing-Modell sollen Unternehmen mit bis zu 40 Prozent weniger Flottenfahrzeugen auskommen. Beim Corporate Carsharing übernehmen die Anbieter auch Aufgaben des Flottenmanagements, was zu weiteren Einsparungen führen kann.

Auch Autohersteller wie Audi, BMW und Mercedes, aber auch die Deutsche Bahn und andere Dienstleister bieten mit Tochterfirmen spezielle Carsharing-Angebote für Unternehmen an. Darüber hinaus gibt es unabhängige Anbieter und Beratungsfirmen, die bei der Umsetzung helfen. Einen Überblick und Vergleich liefern Seiten wie Corporate-Carsharing.

3. Langzeitmiete

„Oft benötigen Unternehmen ein festes Fahrzeug für einen Mitarbeiter nur für einige Monate – etwa im Saisongeschäft oder zur Überbrückung bei Probezeiten“, sagt Jacobs. Dann kann eine Langzeitmiete sinnvoll sein. Die bietet im Kern wie das klassische Leasing ein Rundum-Sorglos-Paket für einen kürzeren Zeitraum zu etwas höheren Preisen. Auf Wunsch wird das Auto angeliefert und wieder abgeholt. Zu den Anbietern zählen Autovermieter und Fuhrparkmanagementgesellschaften. Die Autos dürfen meist nur eine begrenzte Kilometerzahl zurücklegen.

Weitere Alternativen zum Auto-Leasing finden Sie hier.

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