Myestro Dieser Mann bringt selbstfahrenden Autos das Sehen bei

Unternehmer David Wenger: Erst ein Ingenieurbüro in Ulm, jetzt ein Start-up im Silicon Valley

Unternehmer David Wenger: Erst ein Ingenieurbüro in Ulm, jetzt ein Start-up im Silicon Valley© Wenger Engineering

Mit seinem Start-up Myestro forscht David Wenger an der Zukunft des Autos. Die Vision: selbstfahrende Wagen, die allein ihren Weg finden. Doch damit das funktioniert, müssen sie erst einmal sehen lernen.

Für David Wenger ist es normal, zu früh dran zu sein. Er fährt ein mit Wasserstoff betriebenes Brennstoffzellenauto – und tauscht sich über seine Erfahrungen damit schon mal per E-Mail mit dem Entwicklungschef von Toyota aus. Im seinem Hauptjob führt Wenger das von ihm gegründete Ingenieurbüro mit 20 Mitarbeitern, das Autohersteller wie Daimler, BMW und Honda bei Zukunftsprojekten unterstützt. Und weil er an neue Technologien glaubt, hat er gleich noch ein weiteres Start-up gegründet: Myestro.

Das Ziel: „Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine besonders einfach und intuitiv zu machen, das heißt, die universelle Mensch-Maschine-Schnittstelle zu realisieren.“ So steht es auf der Webseite. Als erstes Projekt haben sich Wenger und seine beiden Mitgründer das Auto vorgenommen. Genauer gesagt: das autonom fahrende Auto. Dafür will Wenger eines der Schlüsselelemente entwickeln.

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Was passiert um das Auto herum?

Wenn der Wagen selbst entscheiden soll, wohin er lenkt und mit welcher Geschwindigkeit, dann muss der eingebaute Computer wissen, was um das Auto herum passiert und andere Verkehrsteilnehmer in seine Berechnungen einkalkulieren. Das selbstfahrende Auto muss also sehen können.

Dafür reichen nicht vereinzelte Kameras, wie man sie schon heute von Einparkassistenten kennt. „Erst mit zwei Kameras, die in einem ganz bestimmten Abstand zueinander angebracht sind, ist räumliches Sehen möglich“, erklärt Wenger. „Diese Kamerapaare sorgen dafür, dass das Auto die exakte Richtung und Geschwindigkeit von anderen Autos, aber auch Fahrrädern und Fußgängern erkennt, und so festlegen kann, wie es weiterfährt, ohne den anderen zu nahe zu kommen oder gegen Verkehrsregeln zu verstoßen.“ Erst durch räumliches Sehen sei das Navigieren in komplexen Situationen möglich.

Die Technik dafür sollen die bislang zehn Mitarbeiter von Myestro entwickeln und zur Marktreife bringen. Das fertige System will Wenger an die großen Hersteller lizenzieren. Mit einem von ihnen seien die Verhandlungen bereits weit vorangeschritten. „Und wenn wir bei den Etablierten keinen Erfolg haben, gibt es ja auch noch Tesla und Google“, sagt Wenger.

Mercedes S-Klasse Coupé: fahrt auf der Autobahn teilweise im Autopilot

Das Mercedes S-Klasse Coupé fährt auf der Autobahn teilweise im Autopilot.© Daimler

 

Bis das vollkommen selbständig fahrende Auto Wirklichkeit wird, werde es noch Jahre dauern, vielleicht Jahrzehnte, glaubt Wenger. Die ersten Vorboten seien aber bereits auf den Straßen unterwegs. So lassen sich Oberklasse-Modelle wie die S-Klasse von Mercedes, der 7-er BMW oder der Elektro-Flitzer Tesla bereits heute in einfachen Verkehrssituationen wie Highway und Autobahn mit Autopilot steuern. Auch die zahlreichen Fahrassistenzsysteme, die es bereits gibt und die den Fahrer etwa beim Spurhalten oder Einparken unterstützen, zeigen bereits die Entwicklung.

„Es dauert noch, aber es kommt“, ist sich Wenger sicher. Bis dahin sind noch viele Fragen zu klären, rechtliche, gesellschaftliche, sogar philosophische. „Das Verhältnis von Mensch und Maschine wird neu definiert“, sagt etwa der Auto-Entwickler Frank M. Rinderknecht, dessen Unternehmen Rinspeed ebenfalls am autonomen Auto forscht. So seien sich zwar alle Experten zwar einig, dass die Zahl der Unfälle zurückgehen wird und es weniger Verletzte und Tote geben wird, wenn statt Menschen Algorithmen das Steuer übernehmen, und doch müssen sich die Leute erst an den Gedanken gewöhnen.

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