Oldtimer-Rallyes Wie die Oldtimer-Rallye auch für Sie zum großen Spaß wird

Klassischer Genuss bei der ADAC Heidelberg Historic: Nicht nur die Oldie-Besatzungen erfreuen sich an den Rallyes, auch die Zuschauer reagieren begeistert.

Klassischer Genuss bei der ADAC Heidelberg Historic: Nicht nur die Oldie-Besatzungen erfreuen sich an den Rallyes, auch die Zuschauer reagieren begeistert. © ADAC Heidelberg Historic

Wer einen Young- oder Oldtimer hegt und pflegt, fährt damit in der Regel auch gerne spazieren. Anspruchsvoller und geselliger ist es, an einer Oldtimer-Rallye teilzunehmen. Doch was ist zu beachten, wenn man selbst mit seinem Klassiker dabei sein will?

Rollt eine Young- oder Oldtimer-Rallye durchs Dorf, ist die Begeisterung meist groß. Fahrer, Co-Piloten und Zuschauer erfreuen sich an den Autos. Accessoires wie Wackel-Dackel und gehäkelte Klorollen-Hüte auf der Hutablage begeistern viele. Wer selbst mitfahren möchte, braucht weder einen millionenschweren Oldtimer, noch muss er Höchstgeschwindigkeiten erzielen.

Und die Auswahl an Veranstaltungen ist groß. „Heute sind einige der größten Rallyes in unseren Breitengraden die Bodensee-Klassik im Mai, die Donau Classic im Juni, die Heidelberg Historic im Juli, die Sachsen Classic im August und die Creme 21 Youngtimer Rallye im September“, sagt Reinhard Schade. Der Gründer der Oldtimerspendenaktion ist ein Rallye-Experte. Er ist für die gute Sache unterwegs: „Mit mehreren Oldtimern fahren wir im Auftrag der Lebenshilfe Gießen bis zu zehn Rallyes pro Saison, von Mai bis Oktober.“ Bei der Aktion werden gespendete Klassiker verlost, um mit den Einnahmen Projekte für Menschen mit geistiger Behinderung zu unterstützen.

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Der Co-Pilot löst Aufgaben

„Bei den großen Rallyes kann man davon ausgehen, dass man an professionelle Veranstalter gerät, die alles bestens durchplanen“, sagt Schade. Und das sei wichtig, um den Spaß an den gestellten Herausforderungen genießen zu können. „Hier gilt es, nicht nur anhand eines Bordbuchs die richtige Strecke zu finden, sondern auch andere Aufgaben zu lösen.“ Dazu ist in der Regel ein Co-Pilot notwendig. Dieser muss zum Beispiel bei den Wertungsprüfungen Sekunden laut herunterzählen und immer alles ansagen, was der Fahrer zu tun hat.

Für Axel Ernst aus Hamburg sind Rallyes seit 2008 ein Hobby: „Bei der ersten Hamburg-Berlin-Klassik, einer der mittlerweile bekanntesten deutschen Oldtimer-Rallyes, meldeten wir uns einfach an, packten eine alte Sportstoppuhr ein und fuhren mit.“ Die Autos mussten – wie heute noch – mindestens 20 Jahre alt sein. Für Ernsts Citroën SM von 1970 kein Problem.

Spaß steht im Mittelpunkt

Genauso exakt wie der Wegstreckenzähler des Autos sollte die Zeitmessung in Wertungsprüfungen funktionieren. Auf die Sekunde genau müssen die Oldtimer auf vorgegebenen Distanzen durch die Lichtschranken fahren. «Daher sind viele Leute mit elektronischem Equipment für Zigtausende von Euros unterwegs», erläutert Ernst, der sich als Verfechter der Sanduhrklasse sieht – der Wertungsriege, die mit mechanischen Uhren fährt. Mit einfacher Stoppuhr und Kilometerzähler im Auto könne man auch ohne finanziellen Aufwand Rallye fahren und dabei Spaß haben.

Ein Käfer geht immer: Bei der Creme 21 Youngtimer Rallye starten Autos, deren Baureihen zwischen 1970 und 1990 produziert wurden.

Ein Käfer geht immer: Bei der Creme 21 Youngtimer Rallye starten Autos, deren Baureihen zwischen 1970 und 1990 produziert wurden.© Youngtimer Club e.V.

Der Spaß steht laut Reinhard Schade bei der Creme 21 im Mittelpunkt. Auch bei den Zwischenprüfungen: Dabei hält beispielsweise jemand einen kleinen Kinderkoffer mit Krimskrams ins Auto und sagt, dass man hineinsehen soll, erklärt Schade seine Lieblingsaufgabe. Aber es gewinnt nicht unbedingt der, der danach den gesamten Inhalt aufzählen kann. Es kann auch sein, dass am Abend die Frage nach dem Preis des Koffers oder dem Ort, an dem der Koffer gezeigt wurde, gestellt wird.

Die nach der gleichnamigen Hautpflege der 70er Jahre benannte Rallye lässt die Disko-Ära wieder aufleben. Hier dürfen sich Fahrzeuge bewerben, deren Baureihen in den 70er und 80er Jahren produziert wurden und im Originalzustand erhalten sind. „Die Rallye führt jedes Jahr im September durch andere Regionen Deutschlands“, erklärt Schade, „und zwar rund 1000 Kilometer über Nebenstraßen.“ Doch die Startplätze sind limitiert, und wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Bei anderen Veranstaltern kann es nach erfolgter Anmeldung zu einem Auswahlverfahren kommen. „Den Zuschauern soll ja auch ein attraktives und vielseitiges Fahrzeugangebot präsentiert werden, wobei dann eher die Seltenheit als der Wert eines Oldtimers eine Rolle spielt“, sagt Frank Reichert, Leiter von ADAC Klassik. „Ein gut gepflegter Opel Kadett A kann bei vielen Rallyes durchaus höhere Chancen haben als ein wertvoller Mercedes-Benz Flügeltürer.“

Immer mehr touristische Ausfahrten ohne Zeitprüfungen

Interessenten für Oldtimer-Rallyes sollten sich zunächst die Ausschreibungsunterlagen – Reglement und Nennformular – ansehen. „Darin werden der Charakter, die Streckenlänge, das Rahmenprogramm und letztlich auch der Preis der Veranstaltung aufgeführt“, sagt Frank Reichert. Sind die Hürden der Anmeldung und der Auswahl genommen, werden die Fahrzeuge nach Baujahrklassen eingeteilt, um den Wettbewerb fair zu gestalten.

Bei der Rallye kommt es darauf an, Zeit- und Durchfahrtskontrollen erfolgreich zu passieren und Prüfungen nach den Vorgaben exakt zu absolvieren. „Alle Oldtimer-Rallyes dieser Art finden trotz sportlichen Anspruchs im Rahmen der Straßenverkehrsordnung statt“, sagt ADAC-Experte Reichert. „Doch der Trend geht immer mehr zu touristischen Ausfahrten ohne Zeitprüfungen, wie dem Oldtimer-Wandern, bei dem Kultur, Kulinarik und Landschaft genossen werden.“

Mario De Rosa, Vorsitzender der Initiative Kulturgut Mobilität, sieht das gesamte Angebot der Oldtimer-Rallyes als boomende Branche an. „Mittlerweile fahren Brot- und Butter-Autos aus den 80er Jahren bei den Rallyes mit, die noch für relativ kleines Geld zu haben sind“, konstatiert er. „Der Youngtimer-Nachwuchs sieht immer die Autos aus der eigenen Kindheit am liebsten.“ Und das sind derzeit Modelle wie Audi 80, Golf 2, Ford Sierra oder Opel Calibra.

„Was aber fast so teuer sein kann wie die Anschaffung beispielsweise eines gut erhaltenen Fiat Panda, ist das Nenngeld bei Oldtimer-Rallyes“, sagt De Rosa. „Hier liegen die Preise bei großen Rallyes etwa zwischen 800 und 1700 Euro ohne Hotel.“ Die Veranstalter der Creme 21 rufen ein Nenngeld von 1321 Euro inklusive Unterkunft auf. Immer mehr Menschen ist es das wert: So habe sich sogar jemand einen Youngtimer gekauft, nur um einmal im Jahr die Creme zu fahren, sagt Reinhard Schade.

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