Auto Peugeot 508: Facelift für den Familien-Franzosen

Peugeot hat seinen 508 gründlich überarbeitet. Als Limousine und als Kombi ist der Franzose eine komfortable Reiselimousine ohne zu viel Schnickschnack. Doch der Hersteller feiert technische Zusätze als neue Errungenschaften, die bei anderen Modellen bereits Standard sind.

Für alles gibt es eine Schublade, ein Segment – also auch für „Reiselimousinen der oberen Mittelklasse“. In diesem „D“-Segment ist auch Peugeot seit Jahrzehnten mit den Fahrzeugreihen unterwegs, die mit einer 4 oder 5 in der Modellnummer anfangen. Der Markt ist durchaus üppig: Allein in Europa werden im D-Segment jedes Jahr rund 1,5 Millionen Neuwagen zugelassen, 45 Prozent als klassische Limousinen mit Stufenheck, 55 Prozent als Kombi.

Dominiert wird der D-Markt von den Premiumherstellern – aber auch Volumenhersteller wie Peugeot fassen darin langsam Fuß. Inzwischen kommt jedes zweite D-Modell aus ihren Werken. Und Europa ist nicht genug: Mehr als jeder Dritte der insgesamt über 370.000 gebauten Peugeot 508 wurde in China verkauft. Genug, um ihn außer in Frankreich auch in China selbst vom Band laufen zu lassen.

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Leichter Längenzuwachs auf 4830 mm

Jetzt hat Peugeot dem 508 eine Modellpflege gegönnt, die offiziell auf dem Autosalon in Paris Anfang Oktober präsentiert wird. Der neue, auch für die anderen Modellreihen künftig charakteristische Kühlergrill steht aufrechter gegen den Wind, das Löwen-Logo ist prominenter in der Mitte positioniert. Die Motorhaube ist horizontaler ausgerichtet und streckt den 508 optisch mehr. Überarbeitet wurde auch die Heckschürze. Mit 4.830 mm hat der neue Peugeot auch etwas Längenwachstum zugelegt. Neu ist ebenfalls die Lichtsignatur. Bei den Top-Versionen sorgen durchweg LEDs für gute Sicht im Dunkeln. Allein vorne addiert Peugeot 44 einzelne LEDs, vom Abblendlicht über die Blinker bis zu den Nebelscheinwerfern. Und auch im Heck finden sich 36 LEDs.

Innen hat sich beim Peugeot 508 ebenfalls einiges verändert. Über das 7-Zoll-Touchscreen sind die meisten Fahrzeugfunktionen bedienbar – als Folge sind einige Schalter und Knöpfe weggefallen. Das Cockpit wirkt nun klarer, übersichtlicher und aufgeräumter. Vor dem Fahrer informiert ein ausfahrbares und klar ablesbares farbiges Head-up-Display über Geschwindigkeit und Navigation. Die Sitze sind bequem und ebenso vielfältig verstellbar wie das Lenkrad. Auch große Personen werden keine Probleme haben, sich kommod einzurichten. Die Materialien wirken durchweg hochwertig und gut verarbeitet. Hinten kommen zwei, zur Not auch drei Erwachsene gut unter – selbst für längere Strecken.

Ohnehin erweist sich auch der neue 508 als angenehme und komfortable Reiselimousine. Die Federung ist ausgewogen und kommt so ziemlich mit allem klar, was Straßen in der Zeit der knappen Kassen an Ungehobeltheiten zu bieten haben. Die Lenkung ist präzise und ausreichend direkt, die empfehlenswerte 6-Stufen-Automatik ist gut abgestimmt und sorgt für angenehmes Cruisen. Sie schluckt nicht allzu viel von der Motorleistung und hält die Drehzahl durchweg im niederen Bereich.

Wer es zackiger und präziser will, der kann per Knopfdruck in den Sportmodus schalten – dann drehen die Gänge höher aus und auch die Gasannahme ist ein paar Tick präziser. Reisetauglich auch die Dimensionen der Kofferräume: Schon die 515 Liter der Stufenhecklimousine sind eher im oberen Feld der Mitbewerber. Mit 550 Litern Laderaum liegt der Kombi „SW“ nur wenig darüber – allerdings macht die Heckklappe ihn deutlich leichter beladbar. Und wie üblich lässt sich der Laderaum durch das Umklappen der hinteren Rückbanklehnen deutlich erweitern.

Unter der Haube stehen drei Benzinmotoren zwischen 88 kW/120 PS und 121 kW/165 PS zu Wahl. Dazu kommen sechs Dieselaggregate zwischen 84 kW/115 PS und 150 kW/204 PS. Neu ist in der Benzin-Fraktion der 1,6-Liter-THP-Motor mit Start & Stop-System und Euro 6. Er ist sowohl als Handschalter mit sechs Gängen zu haben, wie auch als Sechsgang-Automatik. Der 121 kW/165 PS starke Benziner ist zwar in den niedrigen Drehzahlbereichen etwas mühsam zu motivieren, was vor allem bei der Automatik auffällt. Aber ein bisschen auf Touren gehalten, macht er dann doch einen ganz guten Eindruck. In 8,6 Sekunden rennt er aus dem Stand auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h. Besonders angenehm: Die akustische Zurückhaltung – vom Motor ist kaum je was zu hören, für die Hintergrundmusik sorgen vor allem Wind- und Abrollgeräusche. Als Verbrauch gibt Peugeot etwas optimistisch 5,6 Liter auf 100 Kilometer an.

Nachholbedarf beim Assistenzsystem

Die Idealbesetzung als Reisewagen ist allerdings der stärkste Diesel plus die 6-Stufenautomatik, die dem 508 das „GT“-Logo am Kühler sichern. Der 2,2-Liter Diesel treibt den als Kombi leer immerhin fast 1,6 Tonnen schweren Wagen kraftvoll voran. 150 kW/204 PS und ein maximales Drehmoment von 450 Nm, das bei 2.000 U/min. anliegt, sorgen notfalls auch für Reserven – etwa beim Überholen auf der Landstraße. Den Spurt von 0 auf 100 km/h schafft der handgeschaltete Diesel in 8,2 Sekunden, Schluss ist bei 234 km/h. Der Diesel ist zwar einen Tick lauter als der neue Benziner – aber wirklich stören kann das auch auf längeren Strecken nicht. Wenig begeistern kann der Verbrauch: Offiziell rauschen pro 100 Kilometer 5,5 Liter Diesel durch die Brennkammern.

Woran es beim neu aufgewerteten 508 hapert, das sind die Assistenzsysteme. Peugeot feiert Rückfahrkamera und Toter-Winkel-Assistenten als große Errungenschaft, ebenso elektrische Feststellbremse, Fernlichtassistent oder ein Reifendruckkontrollsystem – andere Hersteller in dem Segment haben all das seit Jahr und Tag an Bord und machen kein Aufhebens mehr darum. Wer Abstandstempomat, Notbremsassistent oder automatische Einparkhilfen ohnehin für überflüssigen Schnickschnack hält, wird mit der französischen Bescheidenheit in Sachen Hilfssysteme ohnehin keine Probleme haben.

Was die Preise angeht: „obere Mittelklasse“ eben. Einstiegsmodell ist der Benziner VTi 120 mit 120 PS. Als Limousine startet er bei 25.250 Euro, der Kombi ist 1.050 Euro teurer. Der 204 PS starke GT HDi Automatik schlägt mit mindestens 41.350 Euro ins Konto ein, der Kombi kostet ab 42.800 Euro. Viel preiswerter kommt man allerdings auch bei den Mitbewerbern nicht davon.

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