Auto Porsche 911 Targa: Dach zu, es zieht!

Mit dem neuen Targa spielt Porsche die Retrokarte: Viel Glas und ein auffälliger Überrollbügel sollen an die Modelle aus den 60er und 70ern erinnern. Geschlossen wie offen schaut der neue 911er deutlich besser aus als sein Vorgänger. Bei offenem Dach pustet es im Innenraum allerdings kräftig.

Selbst im Stand hat der Porsche Targa einen spektakulären Moment. Begleitet vom Surren der beiden Elektromotoren verschwindet das Magnesiumdach in einem Zug in der Heckmulde. In nur etwa 19 Sekunden ist diese aufwendige Metamorphose vom Coupé zum Oben-Ohne-Sportler vollzogen.

Geschlossen, wie offen schaut der neue 911er Targa deutlich besser aus als das Vorgänger-Modell, das im Porsche-Jargon nur der 911er mit dem Glasschiebedach heißt. Zurück zu den Wurzeln heißt die Devise beim neuen Coupé-Cabrio-Zwitter. Schließlich gab kein Geringerer als Ferry Porsche selbst 1963 sein Placet zu dem damals neuen Modell, das zwei Jahre später auf der IAA seine Weltpremiere feierte. Von den rund 853.000 weltweit verkauften Porsche 911 sind etwa 13 Prozent Targas. Anfang der 70er Jahre erlebten die Autos mit dem Überrollbügel eine Blütezeit. Da betrug ihr Anteil am 911er-Gesamtvolumen satte 40 Prozent.

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Bei aller optischen Retrospektive nahmen die Ingenieure bei der Entwicklung des neuen Targas technische Anleihen beim Cabrio. Der Unterbau ist gleich. Der deutlich sichtbare Unterschied liegt in dem Überrollbügel und dem Gewicht. Der Targa ist 40 Kilogramm schwerer als das Cabrio. Im Vergleich zum Coupé sind es dann schon 110 Kilogramm. Das schlägt sich in messbaren Werten nieder. Den Sprint von null auf 100 km/h absolviert der 400-PS-Targa mit Doppelkupplungsgetriebe (PDK) und Sport-Plus-Paket in 4,4 Sekunden. Das sind 0,3 Sekunden mehr als das Coupé. Der Verbrauch ist mit 9,2 Litern fast identisch zur geschlossenen Version.

Dachmechanik funktioniert nur im Stand

Bei der Agilität macht das jüngste 911er Familien-Mitglied grundsätzlich eine gute Figur und lässt sich dank der präzisen Lenkung souverän ums Eck zirkeln. Den Extra-Speck merkt man dem neuesten 911er, den es nur als Allradversion, also mit dem breiteren Heck gibt, im Grenzbereich an. Beim Einlenken ist der Targa träger und drängt in sehr schnell gefahrenen Kurven etwas mehr nach außen als die geschlossene Variante. Die Geräuschkulisse ist Porsche-typisch: Stellt man den Targa mit dem optionalen Sport-Plus-Paket scharf, ist nicht nur die Gasannahme unmittelbarer, die Lenkung direkter und die Gangwechsel schneller, sondern die vierflutige Auspuffanlage bollert herrlich beim Gaswegnehmen.

Die Dachmechanik aufwendig und die Heckscheibe wiegt inklusive Rahmen rund 33 Kilogramm – und funktioniert nur im Stand. Ein Hauptgrund ist, dass beim Bewegen des Dachs die Bremsleuchten teilweise verdeckt werden. Dies ist ein sicherheitsrelevanter Aspekt. Seit 2006 haben die Ingenieure in Weißach und Zuffenhausen an dem neuen Verdeck getüftelt.

Im Innenraum weht bei offenem Dach eine steife Brise

Doch wer nun glaubt, dass sich im Targa aufgrund des hohen Glasanteils das Aquarium-Feeling des Vorgängers wiederholt, täuscht sich grundlegend. Bei offenem Dach weht eine steife Brise im Innenraum, die die Haare kräftig durcheinanderwirbelt. Das raue Lüftchen nimmt zu, je weiter man mit dem Sitz nach hinten rückt. Um die Verwirbelungen und die daraus resultierende Geräuschkulisse wenigstens einigermaßen zu reduzieren, installierten die Techniker nach Mercedes-E-Klasse-Muster einen manuell ausfahrbaren Spoiler auf der Windschutzscheibe. Design-Puristen pfeifen deswegen auf den Plastikbalken und genießen lieber den Extra-Föhn.

Im Interieur ist alles am gewohnten Platz. Nur beim Infotainment-System könnten die Sportwagenbauer aus Zuffenhausen so langsam eine Schippe drauflegen. Da gibt es modernere Lösungen. Zumal der Porsche Targa 911 4S kein Schnäppchen ist: Mit einem Grundpreis von 124.094 Euro ist die halboffene Variante 11.781 Euro teurer als das Coupé und 952 Euro günstiger als das Cabrio.

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