Teslas Elektro-SUV "Model X" Volles Rohr ohne Auspuff

Mit dem "Model X" hat Tesla den ersten Elektro-SUV der Autogeschichte vorgestellt - ausgestattet mit Flügeltüren, sieben Sitzen und allerhand technischen Finessen.

Willkommen bei Tesla: Dreieinhalb Jahre lang immer wieder verschoben, und als es dann endlich soweit sein soll, verschiebt sich das Ganze erst noch mal ein bisschen. Der Stotterstart, den der Elektroautopionier Tesla mit seinem SUV „Model X“ hingelegt hat, wäre wohl den meisten Unternehmen als Unzuverlässigkeit ausgelegt worden, die heftige Kundenproteste ausgelöst hätte. Aber bei Tesla ist nichts normal.

US-Medien feiern den elektrischen Stadt-Geländewagen mit den Flügeltüren bereits als „wichtigstes Auto des Jahres“ und die Käufer akzeptieren die jahrelangen Lieferverzögerungen ohne Murren. Die Firma aus Palo Alto im Silicon Valley, dem kalifornischen Tech-Mekka, hat eine eingefleischte Fangemeinde. Die Verspätungen des schillernden Firmenchefs Elon Musk werden hingenommen wie die künstlerische Freiheit eines Rockstars.

Anzeige

Mit 142.000 Dollar Kaufpreis im Luxussegment unterwegs

Tesla inszeniert seine Produktpremieren ähnlich wie Apple seine iPhone-Vorstellungen, nur nachts und mit mehr Party-Atmosphäre. Stylische Eleganz im Scheinwerferlicht, das ist auch Dienstagnacht bei der Präsentation des „Model X“ in Teslas Fabrik in Fremont, Kalifornien, angesagt. Knapp eine Stunde, nachdem es losgehen sollte, erscheint Musk auf der Bühne und startet die Show.

Der neue SUV bietet allerhand technische Raffinessen und Schnickschnack wie die nach oben öffnenden „Falcon“-Türen, einen Luftfilter-Power-Button gegen Biowaffen-Angriffe oder den Turbostart in 3,2 Sekunden von null auf 60 Meilen pro Stunde. Die Features und der Preis von bis zu 142.000 Dollar bestätigen, dass Tesla wie mit dem bisher einzigen Fahrzeug „Model S“ nach wie vor im Luxusbereich angesiedelt ist.

Dabei soll der SUV als familientaugliches Fahrzeug mit drei Sitzreihen durchaus den Anfang der Brücke zum Massenmarkt darstellen. Voraussichtlich 2018 will Tesla mit dem „Model 3“ einen erschwinglichen Stromer für die breite Bevölkerung rausbringen.

Für den von der Fangemeinde angehimmelten Musk ist der Geländewagen ein Meilenstein. Allerdings auch ein Risiko. Wie bei allem, was Tesla entwickelt, wurde enorm viel Geld in die Hand genommen. Um die Lieferziele für dieses Jahr zu erreichen, muss die Produktion schnell ausgebaut werden.

Elektroautos haben es schwer, aus der Nische zu kommen

Teslas Ziel ist es, spritlose Autos in der ganzen Gesellschaft zu verbreiten. Dafür baut das Unternehmen eine gigantische Fabrik in der Wüste Nevadas, in der einmal kostengünstig die Batterien für den Antrieb der Wagen produziert werden sollen. Erst vor wenigen Tagen warb Musk in Berlin bei Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) für E-Autos. Angesichts von Volkswagens Abgas-Skandal scheint der Zeitpunkt für Tesla ideal.

Doch die Empörung über den deutschen Konzern sagt wenig über die tatsächlichen Vorlieben der Autokäufer aus. Elektroautos haben es – nicht zuletzt wegen der billigen Spritpreise – bisher schwer, aus der Nische zu kommen. Ob Musks Argument, der Stromantrieb sei langfristig effizienter und umweltfreundlicher, irgendwann bei der Masse verfängt, steht in den Sternen. Bislang verliert Tesla Geld, und die Verkaufslisten führt die spritschluckende Konkurrenz an.

1 Kommentar
  • Egonius 30. September 2015 15:05

    Tesla macht es richtig, Sie produzieren und vermarkten Ihre e-Autos in der sicheren Gewissheit, dass der e-Mobilität dir Zukunft gehört. Mit gehöriger staatlicher Unterstützung und entsprechendem Schutz.
    Das in Deutschland weiterhin auf die klassische Variante der Mobilität gesetzt wird, ist Angesichts der hohen Einnahmen unseres Staates an Steuern aus der Mineralölwirtschaft und der extremen Verflechtung Erdöl exportierender Länder und unserer Autoindustrie nur all zu verständlich.
    Nur sollte unsere Regierung endlich den Fuß von der Bremse nehmen, was den Support der e-Mobilität betrifft, oder unsere KFZ Industrie wird den Anschluß verlieren und der Technik hinterherlaufen, wie unsere Industrien bei so vielen anderen Techniken in der Vergangenheit auch.
    Eine gesellschaftliche Abkehr vom klassischer Antriebe und eine Hinwendung zur e-Mobilität ist das Gebot der Stunde. Das kann und muss unsere Regierung unterstützen.
    Denn wer in der ersten Liga weiter mitspielen will muß auch die entsprechenden Leistungsziel erreichen. Das gelingt aber nur, wenn auch der Boden hierfür bereitet ist.
    Beste Grüße

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.