Toyota Mirai Firmenwagen für Weltretter

Huch - die Brennstoffzelle ist ja leer! Wer den neuen Toyota Mirai fährt, sollte die Füllstandanzeige im Blick behalten. Denn bisher gibt es in Deutschland 34 Stationen, an denen man Wasserstoff nachfüllen kann.

Huch - die Brennstoffzelle ist ja leer! Wer den neuen Toyota Mirai fährt, sollte die Füllstandanzeige im Blick behalten. Denn bisher gibt es in Deutschland 34 Stationen, an denen man Wasserstoff nachfüllen kann. © Toyota

Toyota bringt mit dem Mirai das erste serienreife Brennstoffzellenauto auf die Straße. Taugt diese technische Revolution auch als Firmenwagen? Unser Autor hat den Mirai getestet.

Derzeit redet alle Welt, nicht zuletzt wegen des Dieselskandals bei VW, vom Elektroauto als der Zukunft des Automobils. Toyota sieht das ein wenig differenzierter. Auch der japanische Konzern setzt auf das Elektroauto, allerdings in drei verschiedenen Versionen: Für kurze Entfernungen, etwa den typischen Stadtverkehr, will Toyota rein batteriebetriebene Autos anbieten. Für mittlere Distanzen, etwa Pendler, die aus den Außenbezirken täglich in die Stadt zur Arbeit fahren, betrachtet der Konzern Hybridautos wie den Bestseller Prius als ideal. Für längere Distanzen hingegen sieht Toyota die Brennstoffzelle als idealen Antrieb für ein Elektroauto.

Der Grund: Autos wie der Mirai bieten eine Reichweite von rund 500 Kilometern und können in fünf Minuten wieder vollgetankt werden. Das Problem, bislang: Es gibt kaum Wasserstofftankstellen. In Deutschland sind es gerade mal 34 Stationen (eine aktuelle Übersicht finden Sie auf auf der Webseite von Clean Energy Partnership), in ganz Europa gibt es 95 Tankstellen, weltweit sind nur 121 Tankstellen öffentlich nutzbar. Doch es tut sich was: Bis zum Jahr 2023 soll es bundesweit rund 400 Tankstellen geben. Einstweilen müssen Mirai-Fahrer ihre Langstreckentrips allerdings gewissenhaft planen oder in Großstädten wie Hamburg, Bremen, Berlin und Stuttgart leben, wo es genug Tankmöglichkeiten gibt.

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Die Technik:

Der Mirai (das japanische Wort für Zukunft) ist im Kern ein Elektroauto, das seinen Strom selbst an Bord erzeugt – mit Hilfe der Brennstoffzelle, die nichts als Wasser ausstößt. Sauberer geht es nicht, zumindest, was Abgase angeht. Die Brennstoffzelle erzeugt aus dem Wasserstoff und der Umgebungsluft mittels einer exothermen Reaktionen den benötigten Strom. Als erstes seriengefertigtes Brennstoffzellenauto ist der Mirai nach den Worten von Toyota-Sprecher Thomas Heidbrink ein Teil der langfristigen Strategie des Unternehmens, das sich in seiner Environmental Challenge 2050 dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2050 den Schadstoffausstoß seiner Automodelle gegenüber dem Jahr 2010 um 90 Prozent zu verringern. Die Lebenserwartung der Brennstoffzelle gibt Heidbrink mit rund 100 000 Kilometern an.

Das Fahrerlebnis:

Wie jedes andere Elektroauto gleitet der Mirai nahezu geräuschlos dahin. Wer das einmal erlebt hat, möchte es nicht mehr missen. Beim Mirai kommt hinzu, dass er zusätzlich schallgedämmt ist, etwa mit Scheiben aus Akustik-Verbundglas und schallisolierenden Schäumen in Karosseriehohlräumen. Auch bei höherem Tempo bleibt es also ruhig im Auto. Der Antritt ist elektro-typisch dynamisch, wenn auch nicht so brachial, wie zum Beispiel in einem BMW i3, wenn man das Gaspedal beim Start an der Ampel durchdrückt.

Was gibt es zu kritisieren? Auffällig ist die Durchzugsschwäche beim Beschleunigen auf der Autobahn bei typischen Reisegeschwindigkeiten um die 120 bis 140 Stundenkilometer. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt heutzutage magere 178 Stundenkilometer.

Keine Frage: Mit diesem Tempolimit ist der Mirai alles andere als ein Konkurrent der Elektro-Sportwagen von Tesla, vielmehr ein „Auto für Weltretter“, wie Toyota-Sprecher Heidbrink sagt. Also Leute, die bereit sind, für neue Technik deutlich mehr zu bezahlen, als sie bei anderen Automarken für vergleichbare Autos mit konventionellen Antrieben bekommen.

Das Design:

Mit seinem breiten Haifischmaul und den schmalen Lichtschlitzen darüber ist der Mirai eindeutig ein auf Effekt und Überholprestige hin gestalteter Technologieträger. Ein Auto deutlich hinausruft: Ich bin neu! Ich bin anders! Das muss man mögen. Wer nicht von selbst draufkommt: Laut Toyota zeigt der Mirai eine Luft-in-Wasser-Silhouette in der fließenden Form eines Wassertropfens. Im Innenraum herrscht hingegen die gediegene Wohnlichkeit asiatischer Großserienfahrzeuge: Nicht besonders aufregend, aber gefällig und gut verarbeitet.

Nach dem Platznehmen fällt naturgemäß das hoch aufragende, zweistöckige Armaturenbrett ins Auge, das ein wenig zuviel vom Blick nach vorne abknapst. Vielleicht haben die Japaner deshalb besonders dünne Wischerblätter installiert. Auf dem zentralen Display mit einer heutzutage fast schon mickrigen Diagonale von 4,2 Zoll lassen sich die wesentlichen Fahrdaten ablesen und auf Wunsch auch eine Anzeige, die die Stromgewinnung im Wagen simuliert.

Der Kofferraum fällt wegen des großen Wasserstofftanks hinter den Rücksitzen etwas klein für diese Fahrzeugklasse aus. Er hat ein Volumen von 361 Litern, das entspricht dem Ladevermögen eines 1er BMW. Mehr geht nicht, denn die Rücksitzlehnen lassen sich nicht umklappen.

Die Kosten:

Der Preis des Mirai beträgt 78 500 Euro, alternativ schlägt die Leasingrate mit 1219 Euro monatlich zu Buche. Zum Vergleich: Einen Tesla Model S oder einen Audi A6 gibt es schon ab rund 400 Euro monatlicher Leasingrate. Bei einem Kilopreis für Wasserstoff von 9,50 Euro und einem Verbrauch von 760 Gramm pro 100 Kilometer ergeben sich für den Mirai Treibstoffkosten von 7,22 Euro je 100 Kilometer.

Fazit – Der Mirai als Geschäftswagen?

Wer möglichst umweltfreundlich Auto fahren will, findet im Mirai eine sehr angenehm zu fahrende Möglichkeit. Das ist zwar deutlich teurer als bei leistungs- und größenmäßig vergleichbaren Fahrzeugen. Dafür aber viel exklusiver. Wer heute einsteigt, gehört in Deutschland zu einem kleinen Kreis von rund zwei Dutzend Autofahrern, die das Autofahren per Brennstoffzelle voranbringen wollen.

1 Kommentar
  • Schosch Me 16. Oktober 2016 01:31

    Einstweilen ist die Produktion von Wasserstoff als grüner Treibstoff leider überhaupt nicht gegeben, sondern ist letztlich unwirtschaftlich. Warum das so ist? wohl auf Grund der Fantasielosigkeit einschlägiger Industriezweige. Wie man hört, kassieren Offshore-Windmüller Fördergelder, obwohl die Anlagen wegen nicht vorhandener Stromtrassen überhaupt nicht produzieren, warum produzieren sie denn keinen Wasserstoff?

    Grundsätzlich sind Leuchtturm-Projekte für alternative Antriebe gleichwohl positiv zu sehen, leider versagen deutsche Autohersteller dabei einstweilen komplett, da wird lieber jede vermeintliche Mini-Lücke im SUV-Angebot bedient, irgendwie albern.

    Dabei fahr ich ja selbst so ein feistes Teil 😉 frage mich jedoch, warum man hohe Sitzposition, prima Rundumsicht, die wesentlichen Pluspunkte dieser Fahrzeuggattung, nicht einmal anders an den Kunden zu bringen versucht. Allrad und Geländegängigkeit brauchen die wenigsten, geländegängig sind sowieso die wenigsten SUV’s,

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