Ubitricity Das E-Auto an der Straßenlaterne auftanken

  • Aus dem Magazin
Überall Strom tanken, wo es eine Steckdose gibt, das ist die Idee von Ubitricity. Aufladen könnte man beispielsweise an mit Steckdosen ausgestatteten Straßenlaternen , abgerechnet wird wie beim Handy.

Überall Strom tanken, wo es eine Steckdose gibt, das ist die Idee von Ubitricity. Aufladen könnte man beispielsweise an mit Steckdosen ausgestatteten Straßenlaternen , abgerechnet wird wie beim Handy. © Ubitricity

Das Start-up Ubitricity will teure Stromtankstellen abschaffen. Die Vision: Wer Strom tanken will, braucht nur eine Steckdose und ein spezielles Ladekabel.

Der Euref-Campus in Berlin-Schöneberg ist ein symbolträchtiger Ort. Hier haben sich Gründer und Forscher eingemietet, die die Mobilität für das Jahr 2025 entwickeln. Draußen auf dem Hof stehen Elektro-Autos, drinnen herrscht Start-up-Atmosphäre. Knut Hechtfischer öffnet in seinem Büro erst einmal ein Fenster, eben war ein Investor zu Besuch, der noch überall raucht – und weil er das Geld gibt, darf er das auch.

Gründer Hechtfischer ist eigentlich Anwalt; jahrelang hat er überall in Europa für große Kanzleien gearbeitet. Doch dann machte er sich selbständig, weil ihn ein Thema nicht mehr losließ: die Mobilität der Zukunft. Mit ihrem Start-up Ubitricity wollen Hechtfischer und sein Kompagnon Frank Pawlitschek das Laden von Ökostrom flächendeckend bezahlbar machen. „Wenn es einfach ist und überall verfügbar, dann setzt sich Elektromobilität auch in Deutschland bald durch“, ist sich Hechtfischer sicher.

Anzeige

Ein mobiles Gerät, mit dem man Strom tanken kann

Los ging alles bereits 2007, als sich die beiden Gründer erste Gedanken darüber machten, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssten, damit E-Autos flächendeckend praktikabel werden. „Damals kam das erste iPhone auf den Markt und es gab den Blackberry schon länger“, erinnert sich Hechtfischer. „Das sind im Kern Geräte, mit denen man überall und jederzeit Zugang zu einem Netz hat – man kann Daten herunter- und hochladen. Wir begannen mit der Prämisse, dass das doch mit dem Stromnetz ebenso möglich sein müsste.“

ubitricity SmartCable 02 picture (c)Daniel Meyer

Sieht aus wie ein etwas groß geratenes Stromkabel, ist aber viel mehr: das Ladekabel von Ubitricity.

 

Statt auf stationäre Ladestationen angewiesen zu sein, die teuer in der Installation sind und deren Zahl begrenzt ist, müsste es ein mobiles Gerät geben, um Strom tanken zu können – mit dieser Idee legten die Gründer los. Heute kann Hechtfischer bereits das Ergebnis ihrer Entwicklungsarbeit vorführen. Es sieht aus wie ein etwas groß geratenes Stromkabel – das ist es auch und zugleich viel mehr. Mit dem Ladekabel können Autofahrer ortsunabhängig und auf eigene Rechnung die Autobatterie aufladen – sei es im eigenen Carport oder auf dem Firmenparkplatz. Auch mit Steckdosen ausgestattete Straßenlaternen sind denkbar.

Abgerechnet wird wie beim Handyvertrag

„Mobile Metering“ heißt das Verfahren, das auch den Stromzähler mobil macht. Die Technik erkennt zum Beispiel, ob ein Nutzer berechtigt ist, Strom zu laden. Egal, wo getankt wird, abgerechnet wird wie beim Handyvertrag über die Nutzungsdauer oder eine Pauschale. Die nötigen Daten sendet das Ladekabel, das mit dem Internet verbunden ist, automatisch ins Rechenzentrum des Anbieters.

Die Vision von Ubitricity: So werden teure Stromtankstellen überflüssig, denn die Ausstattung von ohnehin vorhandener Infrastruktur wie Straßenlaternen mit geeigneten Steckdosen ist deutlich günstiger und lässt sich schnell umsetzen. „Mit unserer Idee sinken die Kosten für die Infrastruktur um 90 Prozent und E-Mobilität wird plötzlich praktikabel“, wirbt Hechtfischer.

Verbrauchsgenaue Abrechnung für Firmenwagen

Nicht nur in Berlin und London, auch in Iserlohn und Bensheim wird die Technik getestet. Zu den ersten zahlenden Kunden zählen Stadtwerke, die ihren Kunden das Angebot machen wollen, an vielen Orten die Autobatterie aufzuladen, und ihnen dafür das intelligente Ladekabel zur Verfügung stellen.

Auch auf Unternehmen mit Firmenwagen zielt Ubitricity ab: dank des mobilen Abrechnungssystems können die Mitarbeiter die Autos auf dem Firmenparkplatz, zuhause oder unterwegs aufladen, die Firma bekommt dann für jedes Fahrzeug eine verbrauchsgenaue Abrechnung.

Eine Million Elektro-Autos sollten ursprünglich bis 2020 auf Deutschlands Straßen unterwegs sein – noch scheint dieses Ziel völlig unrealistisch. Knut Hechtfischer glaubt aber, dass die Zahl der E-Autos spätestens ab 2017 sprunghaft steigen wird, schließlich werden die Batterien und mit ihnen die Reichweite der Wagen immer besser, zugleich sinken die Kosten.

Dass irgendwann deutlich weniger Autos die Luft vergiften und lautlos durch die Städte gleiten, davon ist er überzeugt. Zum Abschied zitiert er Bill Gates: „Die Menschen überschätzen, was in den nächsten zwei Jahren passiert – und unterschätzen, was in zehn Jahren möglich sein wird.“

cover-11-15Mehr zur Zukunft des Autos lesen Sie in der impulse-Ausgabe 12/15.

Sie können die Ausgabe als Einzelheft oder als ePaper kaufen. Übrigens: Mitglieder im impulse-Netzwerk erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat nach Hause geliefert. Und über die impulse-App für iOS- und Android-Geräte können Sie die neuen Ausgaben bequem auf Tablet oder Smartphone lesen.

impulse-Akademie: Strategie & Inspiration für Ihr Unternehmen
Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.