Auto Wie Audi im Oberklasse-Dreikampf Prestige zurückgewinnen will

Der "Prologue"-Entwurf soll die neue Visitenkarte für Audi im Oberklassesegment werden.

Der "Prologue"-Entwurf soll die neue Visitenkarte für Audi im Oberklassesegment werden.© Audi

Daimler, BMW und Audi ringen um die Kunden mit den ganz dicken Brieftaschen. Bei Audi soll ein neues Coupé nun das Aussehen der ganzen Flotte aufmöbeln - und Design-Kritiker zum Schweigen bringen.

In den USA wird Audi von den Rivalen BMW und Mercedes-Benz klar abgehängt. Aber auf der Automesse in Los Angeles will die VW-Tochter mit dem Entwurf eines Luxus-Coupés zeigen, dass auch in der höchsten Preisklasse mit ihr zu rechnen ist. „Das ist das Segment, in dem wir uns breiter aufstellen wollen“, sagte Audi-Chef Rupert Stadler im Vorfeld dem „Handelsblatt“. Was tut sich im Dreikampf um die Spitze der Oberklasse? Fragen und Antworten:

Was zeigt Audi in Los Angeles mit dem Coupé?

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Audi sieht den „Prologue“-Entwurf vor allem als Visitenkarte seines neuen Chefdesigners Marc Lichte, der beim Mutterkonzern Volkswagen schon die letzten Golf-Generationen entworfen hat. „Und er gibt einen Ausblick auf Vieles, was er in den nächsten Jahren noch vor hat“, sagt ein Sprecher. Über potenzielle Kunden zu spekulieren, sei zwar schwierig, doch Chancen dürfte das große Coupé in Europa und den wichtigen Übersee-Märkten haben. Das Modell soll in einer Liga mit dem Luxus-Sportwagen R8 spielen.

Warum ist dieser Entwurf für Audi so wichtig?

Zuletzt hatte es vermehrt Kritik am Design und am technologischen Anspruch der VW-Tochter gegeben. Entwicklungschef Wolfgang Dürheimer musste im Sommer 2013 nach nur zehn Monaten gehen, mit Ulrich Hackenberg übernahm ein enger Vertrauter von VW-Chef Martin Winterkorn den wichtigen Posten. Anschließend lotste Hackenberg auch Golf-Designer Lichte nach Ingolstadt. Der soll Audis Design nun neuen Schub geben.

Wie sind die Konkurrenten aufgestellt?

BMW zeigte schon im Frühjahr auf der Messe in Peking wie ein Modell jenseits des 7er-Flaggschiffs aussehen könnte. Bis zur Preisuntergrenze der britischen BMW-Konzerntochter Rolls-Royce von 200.000 Euro wäre schließlich noch Luft. Und: „Große Autos sind in China wichtig“, sagte Vertriebschef Ian Robertson damals. Wann so eine Limousine verkauft werden könnte, ließ er offen. Daimler baut schon von 2015 an mit dem Maybach wieder eine Luxusversion seiner S-Klasse. Allerdings verkauften sich von der letzten Auflage unter eigenständiger Marke in zehn Jahren gerade einmal 3200 Exemplare – Ende 2012 wurde die Produktion gestoppt.

Gibt es überhaupt genug Kunden mit entsprechender Geldbörse?

Grundsätzlich ja. Der Wohlstandsbericht des Beratungsunternehmens Capgemini und der Royal Bank of Canada zählt 2013 weltweit knapp 14 Millionen Millionäre, jeder zehnte besitzt dabei mehr als fünf Millionen US-Dollar Anlagevermögen. Und es werden mehr: Sowohl ihre Zahl als auch ihr Vermögen stieg seit 2008 im Schnitt um rund zehn Prozent jährlich. Große Zuwächse gibt es in Ostasien, aber auch im Nahen Osten und den USA.

Aber braucht jeder Millionär auch ein zusätzliches Auto?

Bestimmt nicht. Analyst Martin Benecke vom Institut IHS etwa glaubt, dass weitere Modelle am oberen Rand der heutigen Palette in Europa keine zusätzlichen Verkaufszahlen bringen würden. Hier würden Kunden vielleicht einen Maybach anstelle einer S-Klasse kaufen – aber nicht beide. In China sieht er grundsätzlich bessere Chancen. Aber auch nicht für jedes Modell: Die Nachfrage nach Coupés, wie in Audis Designstudie, sei dort überschaubar.

Eine Linie mehr oder weniger – wird Design nicht überbewertet?

Manche Details und deren Interpretationen sind tatsächlich etwas für Feinschmecker. Auf der anderen Seite unterscheiden sich gerade die Wagen der Oberklasse technisch nicht mehr dramatisch – da gewinnt das Äußere an Bedeutung. Außerdem zeigte Commerzbank-Analyst Daniel Schwarz im Sommer, dass das Aussehen ein echter Wirtschaftsfaktor sein kann: Nach seiner Berechnung fuhren die jüngsten Mercedes-Modelle vom neuen Designer Gordon Wagener viel mehr Geld ein als die Vorgänger unter ähnlichen Bedingungen.

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