Mobilität der Zukunft Wie Robo-Autos lernen, Menschen zu verstehen

Ein autonom fahrendes Auto projiziert einen Zebrastreifen auf den Asphalt - diese Vision der Mobilität der Zukunft stellte Mercedes auf der Ars Electronica 2015 vor.

Ein autonom fahrendes Auto projiziert einen Zebrastreifen auf den Asphalt - diese Vision der Mobilität der Zukunft stellte Mercedes auf der Ars Electronica 2015 vor.© Florian Voggeneder / Flickr.com / Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Autonom fahrende Autos dürften bei der Mobilität der Zukunft eine Hauptrolle spielen. Doch dafür müssen sie lernen, Fußgänger zu verstehen. So könnte der Verkehr von morgen funktionieren.

Die wild durcheinander fünf rollenden Halbkugeln sehen aus wie automatische Staubsauger. Doch das scheinbare Chaos hat System. Wer genau hinschaut, erkennt, dass die Maschinen miteinander kommunizieren und auch auf Menschen reagieren. Biegen sie ab, projizieren die rollenden Curlingsteine einen Richtungspfeil auf den Boden, steht ein anderes Auto den Weg, bleiben sie stehen und signalisieren mit einem Leuchten der Dioden, dass die andere Kugel Vorfahrt hat.

Noch eindeutiger wird der Dialog, wenn ein Mensch in das Geschehen eingreift. Kreuzt er den Weg des Fahrzeugs, bleibt es stehen, der LED-Ring leuchtet weiß und die eingebaute Kamera wirft einen Zebrastreifen auf den Boden. Hat der Fußgänger seinen Weg absolviert, setzt der kleine Roboter seine Fahrt fort.

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Vertrauensbildender Dialog mit der Maschine

Dass ein Auto stehen bleibt, ist nichts Außergewöhnliches, das macht jeder Notbremsassistent. Wichtig ist ein vertrauensbildender Dialog, wie er tagtäglich im Verkehr stattfindet. Fußgänger nehmen Blickkontakt mit Autofahrern auf und verständigen sich nonverbal über ihre Absicht, die Straße zu überqueren. Wie soll das bei einer Maschine gehen?

Eine Möglichkeit sind die erwähnten Projektionen auf den Asphalt. Unterstützt wird dies durch ein Leuchtsignal, das das automatisierte Auto aussendet. Weiß bedeutet: „Ich habe Dich gesehen und bleibe stehen.“ „Fundiertes Vertrauen“ – so nennt Daimler-Zukunftsforscher Alexander Mankowsky diese Interaktion zwischen Mensch und Maschine.

Zum Dialog werden auch einfache Gesten gehören. Ein Weiterwinken gibt dem Auto freie Fahrt, ein Heben des Arms – wie bei einem Taxi – ruft ein führerloses Auto heran. Außerdem sollen die Robo-Autos auch die Absichten des Menschen richtig vorhersagen. Macht er einen Schritt in Richtung Fahrbahn, bedeutet das für die automatisierten Autos „Stopp“; dreht er der Straße den Rücken zu, kann der Verkehr ungehindert fließen.

„Roboter und Mensch sollen sich je nach ihren Stärken und Schwächen ergänzen“, sagt Martina Mara, eine Psychologin, die sich mit dem Zusammenspiel zwischen Mensch und Roboter beschäftigt. Dass autonom fahrende Autos eine Hauptrolle beim Verkehr von morgen spielen werden, gilt auf der Zukunftmesse Ars Electronica in Linz als ausgemacht. „Wie wird sich das anfühlen, wenn man als Mensch von Robotern umzingelt sein wird?“, fragt Mara.

Mensch und Auto teilen sich die Straßen

Wie sich Autos und Menschen den immer weniger werdenden Platz in den Mega-Citys teilen werden, ist ebenfalls ein Kernthema der Ars Electronica. Das Konzept, dass die verschiedenen Fortbewegungsarten getrennt sind und die Autos auf breiten Straßen durch die Städte fließen, stammt aus dem Jahr 1939 und wird in Zukunft in dieser Form nicht mehr Bestand haben.

Wenn man den Robo-Autos vertrauen kann, greift das Konzept der „Shared Spaces“ – Mensch und Maschine teilen sich Lebensräume, Signalbarken reichen aus, um einen Bereich abzugrenzen. Diese Idee wird heute schon in Städten wie dem niederländischen Groningen praktiziert, wo sich Kinder, Fahrradfahrer und Autos eine Straße teilen und der Spielplatz durch eine niedrige Absperrung abgeschirmt wird.

Stirbt Selberlenken jetzt bald aus?

Und natürlich verändert die Mobilitätsrevolution auch das Automobil selbst. „Das Auto muss das ultimative Kommunikationsmittel werden“, sagt Vera Schmidt, die sich bei Mercedes-Benz mit dem Advanced Design beschäftigt. Die Hülle des Fahrzeugs werde künftig als Medium zwischen Umwelt und Passagieren fungieren. Dort könnten anstelle der realen Umwelt Wunsch-Landschaften wie der Lieblings-Urlaubsort projiziert oder Werbung ausgeblendet werden.

Designerin Vera Schmidt favorisiert ein Bedienkonzept aus einem Guss mit maximal zwei Anzeigeflächen – etwa ein Head-up-Display, das an die Frontscheibe projiziert wird, und ein Info-Bildschirm. Die Anzeige, so ihre Vision, könnte zwischen den Displays hin und her geschoben werden.

Für Alexander Mankowsky ist das „autonome Fahren der Generalschlüssel für die Mobilität der Zukunft“. Das „sich selbst bewegende Artefakt“, wie der Daimler-Vordenker das Auto nennt, werde wieder mehr an Bedeutung gewinnen. Mankowsky hält es auch für denkbar, dass sich Automobile an die Wohnung andocken und die Fläche vergrößern. Allerdings werde Autofahren der Zukunft nicht nur automatisiertes Rollen sein. Auch die Unplugged-Version bleibt erhalten: das Spaßfahren auf abgesperrten Rennstrecken.

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