Auto Wut: Was Deutschlands Autofahrer aufregt

Grrrrrr... selbst besonnene Menschen können hinterm Steuer zum Tier werden.

Grrrrrr... selbst besonnene Menschen können hinterm Steuer zum Tier werden. © pathdoc, fotolia

Faustabdrücke auf dem Lenkrad, abgeknabberte Fingernägel, überstrapazierte Stimmbänder: Zeichen vom Ärger hinterm Steuer. Aber was macht Autofahrer besonders wütend?

Wer im Internet nach dem Schlagwort „road rage“ (Straßenzorn) sucht, findet groteske Videos aus aller Welt, oft aufgenommen mit Kameras auf dem Armaturenbrett: Prügeleien auf offener Straße, Attacken mit Äxten oder Schaufeln, aus Autofenstern gereckte Schusswaffen. Der Grund: oft nur Kleinigkeiten. Abbiegen ohne Blinken, abruptes Bremsen und Gedrängel auf der Autobahn sorgen zwar nur bei wenigen für echte Ausraster – aber Ärger im Straßenverkehr kennen die meisten.

„Das Ziel ist immer, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Alles, was mich dabei aufhält, ist ein Ärgernis“, sagt Verkehrspsychologe Wolfgang Fastenmeier. Besonders andere Fahrer könnten dabei als direkte Kontrahenten gesehen werden – auf die sich die Wut entlädt. Tatsächlich regt sich knapp die Hälfte (47 Prozent) der Autofahrer am meisten über andere Autofahrer auf, wie aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervorgeht.

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Wut steigert die Risikobereitschaft

Nicht jedes Mal muss das so weit gehen wie in Mannheim, als ein Fahrer vor Wut auf seinen Unfallgegner gleich noch zweimal auf dessen Wagen auffuhr. Oder wie in Gelsenkirchen, als zwei Rivalen um eine Parklücke derart ausrasteten, dass sie mit Messer und Pfefferspray aufeinander losgingen.

Allein das Ärgern hinter dem Steuer kann aber schon dazu führen, dass das eigene Fahren leidet, wie Fastenmeier sagt. Das bestätigt auch eine Studie der Leuphana-Universität Lüneburg. So könne etwa die Angst nach einem Beinahe-Unfall dazu führen, dass Autofahrer mehr Gas geben. Auch Wut über einen langsamen Vordermann könne die Risikobereitschaft steigern.

Auch Ampeln und Schilder machen wütend

Doch nicht nur andere Autofahrer bereiten Ärger. 19 Prozent regen sich laut YouGov-Umfrage am meisten über die Verkehrsführung auf – also etwa Ampeln, Wegweiser, Lichter. Bis zu 25 Millionen Verkehrsschilder stehen nach Angaben des ADAC auf deutschen Straßen n. Zu viele, wie vom Autoclub befragte Fahrer 2013 klagten.

Die Stuttgarter Stadtgrenzen passieren jeden Werktag 800 000 Autos, den Verkehr innerhalb nicht mitgezählt. Dort – in dem engen Talkessel mit wenigen Hauptstraßen – die Autos am Rollen zu halten, ist die Aufgabe von Ralf Thomas, dem Leiter der Verkehrsleitzentrale. „Kleine Störungen können schon massive Probleme verursachen“, sagt er – etwa ein Parker in zweiter Reihe oder ein Lastwagen, der eine Fahrspur blockiert. Ein fragiles System also. „Unser Ziel ist es, Ärger zu vermeiden“, sagt Thomas. Beschwerden von Autofahrern seien oft schnell gelöst: Dass sich zwei Spuren aufteilen, aber trotzdem zum selben Ziel führen, klärt etwa ein einziges zusätzliches Schild. Das beugt Verwirrung vor – und Aufregung.

Vier von fünf Autofahrer halten sich für Durchschnitt oder besser

Und ein „ehernes Gesetz“ bestätigt die YouGov-Umfrage auch: Vier von fünf Menschen glauben, dass sie so gut wie der Durchschnitt oder besser fahren. „Jeder hält sich für den besten Autofahrer“, bestätigt Verkehrspsychologe Fastenmeier. Da sollte sich Ärger doch vermeiden lassen. Denn der kann nicht nur gefährlich werden, sondern auch teuer. Gesten wie einen „Vogel“ oder den Mittelfinger zeigen, gelten vor Gericht schnell als Beleidigung, wie der ADAC-Jurist Jost Kärger erklärt – und können empfindliche Geldstrafen mit sich ziehen.

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