Diverses Da isser doch, der Quelle-Katalog

Eine Zeitlang stand einer von Muttis Lieblingen auf der Kippe. Aber dann hat es der Quelle-Katalog doch noch auf den Markt geschafft. impulse.de zeigt, welche Firmen bei der Entstehung der neun Millionen Exemplare geholfen haben.

Der Quelle-Katalog ist ein Mammut von einem Druckauftrag: 9.000.000 Exemplare, sprich neun Millionen Kataloge, jeder wiegt 2,5 Kilo, hat 1346 Seiten plus Hochglanzumschlag und enthält 70.000 Fotos. Das reicht für einige Druckereien, Bindereien, Models.

Die Katalog-Geschichte Quelle war 1927 von Gustav Schickedanz gegründet worden. Er wurde bald größter Warenversender der Weimarer Republik und des Dritten Reiches. Nach dem Krieg lief gegen Schickedanz lange, wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft, ein Entnazifizierungsverfahren. Weshalb seine Frau, Grete Schickedanz, Quelle 1948 allein wieder startete. Der Katalog wurde zum Symbol für das Wirtschaftswunder und kam zweimal im Jahr in die Haushalte.

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Im 61. Jahr aber kamen die großen Finanzschwierigkeiten: Arcandor, inzwischen Besitzer von Quelle, beantragte Gläubigerschutz. Auch für die Tochter Quelle. Die bekam einen 50 Millionen Not-Kredit von der Bundesrepublik und den Ländern Bayern und Sachsen. Der Quellekatalog wurde, als die Druckereien schon eine Woche lang nicht mehr an ihm gearbeitet hatten, quasi mit Steuergeld noch mal flott gemacht.

 

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Copyright Bild: Henner Flohr

Lesen Sie mehr über die Zulieferer und ihre Firmengeschichte:

Tiefdruck 1

Prinovis Nürnberg. Dickes Ding, also müssen da
mehrere Drucker ran. Prinovis hat den Hauptteil
der 1346 Seiten gemacht. Gehört Springer und
Bertelsmann, setzt Tiefdruckmaschinen von Koenig
& Bauer ein. Der Umschlag ist Bogenoffset und
wird zugeliefert. Prinovis ist einer der Buchbinder,
macht aus selbst gedruckten und gelieferten Seiten
den Katalog. Mit Kleber von Henkel.
Tiefdruck 2

Print Forum Sinsheim. Zum letzten Mal wurde hier ein Quelle-Katalog gedruckt. Die Firma mit 190 Mitarbeitern zieht im September In den Nachbarort Kirchardt, auf die andere Seite der Autobahn. Denn die Hallen sind zu klein. Print Forum hat eine neue Riesentiefdruckmaschine bei Cerutti bestellt, die in die Sinsheimer Halle nicht gepasst hätte.

Die Firma hat sich aus dem 1900 gegründeten Schreibwarenladen in der Sinsheimer Innenstadt mit einer Druckerpresse im Hinterzimmer entwickelt. 1985 kam Tiefdruck dazu. Druckte diesmal nur das Inhaltsverzeichnis hinten und die Einstiegseiten, acht Seiten insgesamt. Früher waren die Quelle-Aufträge größer gewesen. Das änderte sich Jahr für Jahr. Print Forum druckt auch am Otto-Katalog mit, am Neckermann-Katalog, am Bauer-Katalog, am Schwab-Katalog und viele Beilagen für Tageszeitungen.

Gehört seit kurzem zu Appl, einer Gruppe mit vielen kleinen Firmen überall in Deutschland: Druckereien, Lithoanstalten, Buchbindereien. Appl wächst seit ein paar Jahren schnell, machte 2008 210 Millionen Euro Umsatz. Frank Schilling, bisher alleiniger Besitzer von Print Forum, hat die Mehrheit der Firma an Appl verkauft, ist aber noch Teilhaber und leitet den Betrieb.
Tiefdruck 3 + 4

U. E. Sebald Nürnberg.
Gehört der Schlott AG, Freudenstadt.
Mutter und Tochter
drucken beide, den größeren
Teil macht Sebald. Die Seiten
kommen zu vier Bindereien
zum Feinschnitt und Kleben.
Schlott und Sebald drucken
auch mit Koenig-&-Bauer-
Maschinen. Die Daten kommen
per Leitung von Real Media
Technic Staudacher. Übertragungszeit:
eine Nacht.

 

 

Innenpapier 1

Myllykoski Myllykoski. Das Papier der Innenseiten kommt aus dem hohen Norden. Myllykoski ist ein Dorf im tiefen Wald, nordöstlich von Helsinki. Dort entstand das Familienunternehmen, das heute auch in den USA Papier herstellt und 1982 Rhein Papier gründete und eine Riesenpapierproduktion in Hürth bei Köln hinstellte.

Das Papier für den Katalog haben nicht die Druckereien gekauft, sondern Quelle selbst, um als Riesengroßkunde den Preis drücken zu können. Was aber ein Problem wurde, weil Quelle kein Geld hatte und die Papierverkäufer vorsichtig Vorkasse verlangten. Die Seiten für das Inhaltsverzeichnis, hat Print Forum direkt bestellt. Bei Myllykoski im tiefen Wald im Norden.
Innenpapier 2

Stora Enso Helsinki. Noch ein Skandinavier, der weltweit unterwegs ist. War mal eine schwedische Firma mit Sitz in Stockholm, fusionierte aber mit der finnischen Firma Enso und verlegte nach ein paar Jahren den Sitz nach Helsinki. Da gibt es noch mehr Wald und gab es damals für Stora Enso bessere Steuergesetze.
Innenpapier 3

Norske Skog Lysaker nahe Oslo, Norwegen. Noch einer.
Innenpapier 4

UPM Helsinki. Und noch einer. Das war die Firma, die als erste auf Vorkasse für ihre Papierlieferungen bestand und so den ganzen Kuddelmuddel auslöste, weil einige Druckereien den Papierpreis nicht vorstrecken wollten und die Pressen stoppten. Andere Papierlieferanten wollten plötzlich auch zuerst Geld sehen. Der Katalog blieb eine Woche links liegen.

 

Buchbinderei 1

Druckverarbeitung Nürnberg Nürnberg.
Buchbinderei 2

Hollmann Hambach im Elsaß. Druckverarbeitung Nürnberg und Hollmann sind Töchter der Schlott AG. Diese Firmen machen aus den gelieferten Seiten den Katalog. Die Klebebindermaschinen sind von Müller-Martini in Bietigheim und Kolbus in Rahden.
Buchbinderei 3

Prinovis Nürnberg. Dort wird gedruckt und gebunden. Spart Spedition.
Buchbinderei 4

Meiller Schwandorf, Oberpfalz. Nutzt Klebebindermaschinen von Müller-Martini in Bietigheim und Kolbus in Rahden, bei den Kolbus sind Sitma-Einschweißmaschinen angedockt. Am Ende der 300 Meter langen Maschinenstraße liegen die Kataloge bereit, in Folie, mit Adressaufklebern für die Post-Tochter DHL, die ihn in ganz Deutschland verteilt.

 

 

Umschlagsdruck 1

Poly Druck Dresden. Der Umschlag wird nicht wie die Innenseiten per Tiefdruck hergestellt, sondern per Rollenoffset. Polydruck hat wie Real Media Technic Staudacher eine Zeitlang ohne Bezahlung für Quelle gearbeitet. Und: hat Papier für den Umschlagsdruck vorfinanziert, weil der Papierlieferant vorab bezahlt werden wollte und Quelle nicht konnte.
Umschlagsdruck 2

Offsetdruck Nürnberg Schwaig in der Nähe von Nürnberg. Alle Umschlagdrucker nutzen Rollenoffsetmaschinen von Koenig und Bauer, der Abteilung, die nicht zu Cerutti gewandert ist, MAN Roland und Heidelberger Druck.
Umschlagsdruck 3

Sachsendruck Plauen. Die Sachsen haben einen Sonderauftrag. Sie drucken die Hardcover für die Sonderausgabe des Katalogs.

 

Auslieferung

DHL, die Tochter der Post, liefert den Katalog aus, und, wenn die Leute denn bestellen, auch die Waren. Das heißt: Quelle ist ein Großkunde. Der Großkonkurrent Otto Versand hatte fünf Jahre lang geplant und 1972 seinen eigenen Hermes Versand gestartet, weil er sich den Teil des Geschäfts nicht entgehen lassen wollte. Hermes liefert nicht nur für Otto selbst sondern für viele Kunden und macht eine Milliarde Euro Umsatz im Jahr.

 

 

Tiefdruckpressen

Cerutti Casale Monferrato. Im Piemont. Die Italiener sind Europas Numero Uno bei Tiefdruckpressenmit Werken in Italien, USA und Spanien. Haben 2008 von Koening und Bauer das Rollentiefdrucksegment übernommen. Gedruckt wurden die 1346 Innenseiten des Katalogs nur auf Cerutti- und Koenig-und-Bauer-Maschinen.

Die beiden liefern ganze Fertigungsstraßen, nicht nur Pressen, sondern auch die Maschinen, die bedruckte Bögen zu Seiten schneiden. Eine Straße ist 150 Meter lang. Am Anfang sind zwei Tonnen schwere Rollen, am Ende kommen einzelne Seiten an. Das Papier rauscht mit 13 Meter in der Sekunde durch. Maschinenbesetzung: Im Normalfall fünf Mann.

 

 

Druckvorstufe

Real Media Technic Staudacher Nürnberg. Kleine GmbH, Partner von
Poly Druck aus Dresden. Die Lithografieanstalt hat ohne Bezahlung gearbeitet, um die Druckdaten fertig zu machen. Poly-Druck-Geschäftsführer Leonhard Steinlein sagt:
„Es geht um Menschen. Also sind wir in Vorleistung getreten, haben Papier selbst gekauft.“
Jetzt sei das Geld geflossen.

 

 

Umschlagpapier

Classen Ettlingen. Der
Papierhändler gehört dem
größeren Papierhändler
Schneidersöhne in Ettlingen.
Der kauft das etwas dickere
Papier für den Umschlag in
Skandinavien, lagert es,
verkauft es an Quelle in
Fürth weiter und schickt
es mit Speditionen direkt
zu den Druckereien.

 

 

Model

Amanda Barten, Amsterdam. Die
Holländerin wird von
der Agentur ANC
Model Management
betreut. Die 24-Jährige
modelt seit fünf Jahren,
studierte Musik-
Management. Hobbys:
Snowboarding und
Eiskunstlauf. Weitere
Fakten: 1,76 Meter
groß, dunkelblond,
grüne Augen, Schuhgröße
40. Titelfotograf:
Ole Graf, Hamburg.

 

 

Folie

Polyden Heilsbronn. Die GmbH
ist quasi Hans Dentler. Er gründete
sie als Einmannbetrieb 1958,
heute arbeiten bei ihm 150 Leute
in zwei Werken. Sie machen
Polyethylen
zu Folien. Polyethylen wird aus Öl gewonnen. Die
Bindereien packen die Kataloge
in Folie mit Maschinen von Sitma.
Die Firma in Spilamberto bei
Modena hat seit der Gründung
1965 schon 8000 Maschinen in
alle Welt verkauft.

 

 

Druckerfarbe 1 + 2

Gebrüder Schmidt Stuttgart. Gehört zur Flint Group, einem
Zusammenschluss deutscher und amerikanischer Firmen, darunter
eine frühere BASF-Tochter. 2,4 Milliarden Euro Umsatz.
Sitz in Luxemburg. Die Arbeit wird in Stuttgart gemacht. Und:
Siegwerk Siegburg. 1830 gegründet. Bis 1900 nur Farben
für Stoffe, dann der Wechsel zu Papierdruck. AG mit vielen
Auslandstöchtern, heute 850 Millionen Euro Umsatz.

Druckerfarbe 3

Michael Huber München Kirchheim-Heimstetten. Familiengeführte
GmbH. Der Chef ist Urururururururenkel des Gründers,
neunte Generation. Michael Hubers Vater gründete die Firma
1765 im Stadtteil Haidhausen, der Sohn machte sie zum ersten
Industrieunternehmen Münchens. Wird oft Hubergroup genannt
wegen der Töchter in 34 Ländern plus der Firmen in Deutschland.
Gründete schon 1892 in den USA einen Ableger.

 

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