Diverses Finanzkrise: Wie Unternehmer reagieren

Die Finanzkrise erreicht die Firmen - sie sät Unsicherheit, durchkreuzt Pläne, raubt Vertrauen und alte Gewissheiten. Fünf Unternehmer sprechen über die aktuellen Turbulenzen und über ihre Erwartungen für 2009.

Selbstbewusstsein – Wenn die ruhige Hand regiert

Die Chefin lässt sich nicht von den Untergangspropheten anstecken. „Wir sollten die Dinge mit Augenmaß betrachten“, sagt Nicola Leibinger-Kammüller, die vor drei Jahren die Geschäfte vom Vater Berthold Leibinger übernahm. So schrillen im schwäbischen Ditzingen nicht gleich die Alarmglocken, wenn Umsätze und Aufträge sinken.

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Leibinger-Kammüller weiß in Krisenzeiten um die Stärken der Firma, die weltweit rund 8000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Eigenkapitalquote beträgt fast 50 Prozent, die Finanzmittel belaufen sich auf 172 Millionen Euro, und eine eigene Leasing-Gesellschaft springt bei Kunden mit Finanzierungsschwierigkeiten ein. Zudem helfen die prall gefüllten Arbeitszeitkonten der Beschäftigten, im Auf und Ab der Auftragslagen zu atmen. Mit der Zuversicht im Rücken entwickelt die Unternehmerin eine kontrollierte Innovationsoffensive.

Vom Stanzen bis hin zum Laserschweißen – in jedem Bereich will man alten und neuen Kunden die besten Produkte anbieten können. Auf der Weltleitmesse Euroblech hat Trumpf kürzlich denn auch mit seiner Präsenz geklotzt und nicht gekleckert. Ergebnis: Gut 190 Maschinen im Wert von
insgesamt 60 Millionen Euro wurden verkauft – fast so viel wie im Boomjahr 2006.

Angriff – Wenn nach der Angst die Offensivlust kommt

Er hat früh gemerkt, dass das Ver­trauen im Finanzsystem schwand. Arnd von Wedemeyer, Chef des Potsdamer Online-Händlers Notebooksbilliger.de, beobachtete über Monate steigende Zinsen auf dem Interbankenmarkt, dem Geldumschlagplatz der Branche. Er wusste um die ungute Entwicklung und war dann doch überrascht, als mit den US-amerikanischen Bankenpleiten die ganze Welt ins Trudeln geriet. „Ich habe mir schon ausgemalt, wie es ist, wenn ein Brötchen eine Million Euro kostet.“

Inzwischen hält von Wedemeyer den großen Crash für ausgestanden – und sein Unternehmerinstinkt erwacht, der seit Jahren zweistellige Wachstumsraten für die 200-Mann-Firma garantiert. Nun hält er Ausschau nach Zukäufen. Gerade in Krisenzeiten würden Marktanteile neu verteilt, ist er überzeugt. Die ersten Gelegenheiten sind da. „Es muss ein Geschäftsmodell sein, das Mehrnutzen für unsere Kunden bietet“, sagt er. „Ansonsten könnten wir diesen Wettbewerber besser verdrängen, auch wenn das womöglich länger dauert.“

Verrat – wenn Versprechen keinen Penny wert sind

Die Finanzkrise erwischte Günther Schmid, als er gerade auf weiteres Wachstum schalten wollte. Nach erfolgreichem Umbau hatte der Chef des bayerischen Lohnproduzenten Systemkosmetik im Sommer 2007 bei einem Finanzdienstleister zwei Millionen Euro Mezzanine-Kapital eingeworben. Dabei handelt es sich um ein eigenkapitalähnliches Darlehen. 14 Monate lang wurde Schmid vertröstet und hingehalten, bis aus Ahnung bittere Gewissheit wurde: Das Geld kommt nicht. Sein Finanzier hatte sich verspekuliert.

Was Schmid ärgert, ist das Verhalten des Vermittlers: „Er hatte nicht mal das Rückgrat, es mir selbst zu sagen. Ich erfuhr es durch einen Betriebsberater. So was macht man einfach nicht.“ Schmid ist enttäuscht – und empfiehlt auch anderen Firmenchefs, sich auf Kaufmannstugenden zu besinnen: „Wenn selbst auf eine Zusage kein Verlass mehr ist, sind Finanziers keine Vertrauenspersonen mehr. Man braucht einen Plan B in der Schublade.“

Er selbst hatte diesen zum Glück. Nun verkauft er offene Forderungen an ein Factoring-Institut weiter. Die Kosten sind zwar etwas höher, und es kommen etwas weniger als die geplanten zwei Millionen Euro in die Firmenkasse – immerhin aber genug, um das Geschäft erfolgreich in Gang zu halten und weiter zu wachsen.

Die vollständige Geschichte lesen Sie in der Ausgabe 12/2008 des Unternehmermagazins impulse. Sie sind noch kein Abonnent? In unserem Abo-Shop können Sie jetzt unser Magazin bestellen.

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