Diverses Mit Kunst die Wirtschaft auf Vordermann bringen

Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Umbruch. Die Globalisierung bringt ständig neue Arbeitsprozesse in die Unternehmen und macht auch vor dem Mittelstand keinen Halt. Ständig kommen auf den Unternehmer und sein Management-Team neue Herausforderungen zu. Sie müssen über Jahre praktizierte Arbeitsläufe schnell verändern. Innovationsfähigkeit ist für jedes Unternehmen überlebensnotwendig.

Michael Bockemühl, Professor an der Universität Witten/Herdecke, hat einen ungewöhnlichen Ansatz gefunden, um Unternehmern in Zeiten dieses rasanten Umbruchs zu helfen. Bockemühl ist Leiter des Forschungsprojekts „Wirtschaftskultur durch Kunst“. Er sieht „bislang ungeahnte Chancen zu einer innovativen Weiterentwicklung von Wirtschaft durch die Kunst.“ Gemeinsam mit seinen Kollegen will er in dem soeben gestarteten Projekt zeigen, dass Manager die Art wie sie Kunst aufnehmen auf die Wahrnehmung von Wirtschaftsprozessen übertragen können. Die Produktivität von Menschen, die sich mit Kunst beschäftigen, steige.

Die Veranstaltung, mit der das Forschungsprojekt Anfang Februar im Essener Folkwang Museum eröffnet wurde, begann vielversprechend: Ein abgedunkelter Saal. Fasziniert lauschen Unternehmer, Manager, Wissenschaftler und Künstler dem Diavortrag von Bockemühl. Ein Gemälde von William Turner. Verwaschene Farben, in der Mitte ein Segelboot. Bockemühl stellt eine banale Frage: „Was sehen Sie eigentlich?“ Er zeigt, dass das Bild nur aus undefinierbaren Farbflächen besteht. Bis auf eine Ausnahme: In der Mitte des Gemäldes erkennt der Betrachter ein Segel. „Sie gehen von diesem Segel aus und interpretieren, dass die verwaschenen Farben Wasser und Schiffe darstellen,“ sagt Bockemühl. Ohne das Segel in der Bildmitte könne kein Betrachter erkennen, was Turner darstellen wollte. Bockemühl will diese „offene Wahrnehmung“, die Menschen im Umgang im Kunst erleben, erforschen und für die Wirtschaft fruchtbar machen.

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Diese Wahrnehmungsweise soll ganze Unternehmensbereiche verändern. „Ziel ist zum Beispiel ein Controlling, das zeitnahes Umdenken ermöglicht,“ sagt Bockemühl. Im Unternehmen solle es einen deutlichen Ankerpunkt, ein klares Ziel, eine deutliche Strategie geben – vergleichbar mit dem Segel in Turners Bild. Die anderen Teile des Unternehmens müssen immer wieder neu wahrgenommen werden. So prüft der Controller nicht mehr nur, ob ein Unternehmensplan, der vor Monaten erstellt wurde, bis ins letzte Detail umgesetzt wird, sondern ist in der Lage je nach dem, wie er das Unternehmen wahrnimmt, Anpassungen vorzunehmen.

Noch bleiben die Ansätze in diesem Forschungsprojekt theoretisch. Jedoch haben sich Unternehmer wie Götz Werner, geschäftsführender Gesellschafter des dm Drogeriemarktes und Walter Droege, Chef der Unternehmensberatung Droege & Comp., entschlossen am Projekt mitzuarbeiten. Droege hat sich auch bereits an der Finanzierung des Projekts beteiligt. Dies lässt hoffen, dass die Ideen der Forscher Nutzen für die Praxis bringen.

Weiter Informationen zum Forschungsprojekt „Wirtschaftskultur durch Kunst“ unter www.wirtschaftskultur.de.

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