• Outsourcing-Ziel Ägypten

    Niedrige Kosten ziehen Unternehmen an, die Geschäftsbereiche auslagern wollen. Denen baut die ägyptische Regierung sogar eigene Dörfer.

    Outsourcen, wo andere Urlaub machen. Ägypten ist nicht nur bei Touristen beliebt, auch Unternehmer zieht es ins Land der Pyramiden. Sie profitieren dort von den im Schnitt niedrigsten Kosten im Vergleich der 14 Länder, die eine Studie der London School of Economics and Political Science (LSE) verglichen hat, darunter weitere afrikanische Staaten und Länder Osteuropas, Asiens und Südamerikas.

    Ägypten empfiehlt sich insbesondere dank der Kosten für Löhne, Infrastruktur und Unternehmensgründung, die dort im Schnitt am niedrigsten liegen. Aus Sicht mitteleuropäischer Unternehmen sieht die Studie außerdem einen Vorteil in der geringen Zeitverschiebung, gegenüber Deutschland etwa beträgt sie eine Stunde.

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    Smart Villages für Unternehmen

    Doch gibt es vor Ort noch einigen Verbesserungsbedarf, etwa bei der Infrastruktur. Um diesen Rückstand nicht im gesamten Land aufholen zu müssen, errichtet die Regierung Smart Villages. In diesen Geschäftsdörfern, mit aller notwendigen Telekommunikationsinfrastruktur ausgerüstet, sollen sich einzelne Geschäftssegmente konzentriert ansiedeln. Etwa die Call-Center-Branche im Maadi Park, der momentan in Kairo gebaut wird.

    Weitere Vorbehalte, die laut Studie gegen Ägypten sprechen, bemüht sich der Staat ebenfalls auszuräumen. So wurde das Urheberrecht wurde zugunsten des Schutzes von geistigem Eigentum verschärft und Bürokratiehemmnisse dadurch abgebaut, dass sich Unternehmen nur mehr an eine zentrale Anlaufstelle wenden müssen.

    Terrorismus und Inflation

    Andere Bedenken sind indes nicht so leicht abzubauen. So gilt Ägypten vielen aus zwei sehr unterschiedlichen Gründen als gefährlich: Terrorismus und Inflation. Ersteres zu Unrecht, denn im Vorjahr wählten Unternehmen, die Outsourcing nutzen, Kairo zur zehntsichersten Stadt der Welt – noch vor Singapur, Krakau oder Toronto. Die Inflationsrate ist allerdings tatsächlich sehr hoch, im vergangenen Jahr erhöhte sie sich um 20 Prozent.

    Als Informationsquellen für die Studie dienten der Londoner Universität Interviews mit Lieferanten und Analysten im Bereich des Beschaffungsmanagements. Betrachtet wurden neben Ägypten: Bulgarien, Costa Rica, Marokko, Mexiko, die Philippinen, Polen, Rumänien, die Slowakei, Tschechien, Tunesien, Venezuela, Vietnam und Weißrussland.

    • Quelle: impulse
    • Copyright: impulse

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