Diverses Turnarounder des Jahres – „Ein Konzept, das optimistisch in die Zukunft schauen lässt“

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Die Krise hat sie zusammengeschweißt: Silvia Resch­ke und ihre Mitarbeiter

Die Krise hat sie zusammengeschweißt: Silvia Resch­ke und ihre Mitarbeiter© Andreas Reeg für impulse

Zwei Mal stand das Unternehmen Reschke Schweißtechnik vor dem Aus, zwei Mal konnte Silivia Reschke den Betrieb retten. Für diese Leistung wurde sie als Turnarounder des Jahres 2013 geehrt. Hier lesen Sie die Laudation von Dr. Arno Probst von der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Fachliches Know-how und Leidenschaft für das Material sind der Maßstab für alle Aktivitäten der Reschke Schweißtechnik GmbH. Nur das Beste ist gerade gut genug für die Reschke Schweißtechnik GmbH – aus diesem Grund arbeiten wir nur mit Lieferanten zusammen, die unsere hohen Erwartungen erfüllen. Individualisierte und maßgeschneiderte Lösungen sind Trumpf bei der Reschke Schweißtechnik GmbH – wir sind ein wichtiger Partner von allen namhaften Herstellern und Händlern von Erdbaumaschinen, und das nicht nur in Deutschland sondern auf der ganzen Welt.

Wir hören sehr genau zu, was unsere Kunden benötigen und setzen, ganz unserem Firmenmotto „… mit uns geht alles“ folgend, Vorstellungen und Wünsche professionell und effizient in die Tat um.

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Wenn man eine solche sehr selbstbewusste Unternehmensdarstellung liest oder hört, dann kommt man nicht auf die Idee, dass es sich um ein Unternehmen handelt, das im Verlauf der vergangenen 8 Jahre bereits zweimal kurz vor dem Exitus stand.

Der erste Zeitpunkt war in 2005 durch eine veraltete Struktur bedingt. Die Banken forderten einen Generationswechsel in dem Familienunternehmen, da wesentlich interne Strukturen mit dem externen Wachstum nicht schrittgehalten haben.

Silvia Reschke war gefragt und musste sich zwischen einem höchst attraktiven Jobangebot  in London und dem Sanierungsjob in dem etwas weniger attraktivem Ort Maintal entscheiden. Frau Reschke entschied sich für die Sanierungsaufgabe und schrieb nebenher noch ihre Diplomarbeit. 2007 hatte Frau Reschke die Sanierungsaufgabe erledigt, die Strukturen standen und hatten ihre ersten Bewährungsproben bestanden. Und die Diplomarbeit hat sie natürlich auch fertiggestellt.

Und nach diesen Leitungen wurde sie in einem Beitrag des Hessischen Fernsehens als Powerfrau und Königin der Bagger geadelt. Ihre Wahl, sich um diesen Titel durch eine erfolgreiche Sanierung in Maintal zu bewerben, war sicherlich erfolgsversprechender als den Titel einer Königin in London erlangen zu wollen. Dort ist dieser Titel seit über 50 Jahren an eine Person fest vergeben.

Es war also alles bereitet, um durchzustarten. Die Umsätze sollten Steigen und die Wertschöpfung erhöht werden. Es zeigte sich, dass die Maßnahmen griffen und erste Erfolge stellten sich ein.  Zu diesem Zeitpunkt konnte sie noch nicht ahnen, dass sie in Kürze noch sehr viel mehr gefordert sein würde.

Die Finanz und Wirtschaftskrise verschonte natürlich auch das Reschke Unternehmen nicht. Im November und Dezember 2008  fielen die Umsätze um 35% anstand um 40 % zu steigen. Neue Aufträge blieben aus, zugesagte Aufträge wurden storniert.

Frau Reschke war erneut als Managerin in einer noch viel dramatischeren Unternehmenskrise gefordert. Alle Register wurden gezogen: Kostensenkung an allen Enden, damit einher ging auch der Verzicht auf die Geschäftsführervergütung, Kündigung und Neuverhandlung der Lieferantenverträge, Einführung von Kurzarbeit, Einführung eines Controlling, so dass es eine tagesaktuelle Liquiditäts- und Kostenplanung gab.

Mit den Lieferanten wurde kommuniziert, die Personalstruktur überprüft und grundsätzlich geändert. Es wurden flache Hierarchien eingeführt und kompetente und verantwortungstragende Teams gebildet. Mit den Banken wurde offen kommuniziert. Als erste glaubte die Bürgschaftsbank Hessen wieder an das Unternehmen und deren Geschäftsführerin und bürgte für den dringend benötigten Betriebsmittelkredit über 400.000 Euro.

Die monatlichen Verluste dauerten bis 2010 an, seit März 2010 schreibt das Unternehmen wieder schwarze Zahlen. Die Überschüsse wurden zur Schuldentilgung verwandt, die heutigen Bilanzen sind wieder im Gleichgewicht. Dieser Sanierungserfolg war getragen von vielen Erfolgsfaktoren. Aber einen Punkt hat Frau Reschke besonders hervorgehoben und wie folgt formuliert:
„Das Unternehmen ist immer nur so gut wie seine Mitarbeiter und mehrere Köpfe vermögen mehr zu schaffen als nur einer.“

Diese Erkenntnis, die Einbeziehung vieler in die Entscheidungen und die transparente Informationspolitik bewirkte, dass die Mitarbeiter näher zusammen rückten und die Loyalität außergewöhnlich hoch gestiegen und geblieben ist. So führte die Einführung der flachen Hierarchien und Bildung von Teams, bestehend aus erfahrenen sowie aus jungen Mitarbeitern dazu, Tradition und Innovation miteinander zu verbinden und damit neue Potentiale zu aktivieren.

Aus dieser Erfahrung heraus hat Frau Reschke ein Projekt entwickelt, das diese Erkenntnisse noch stärker fördert und den Nutzen für das Unternehmen noch gesteigert. Die Philosophie des „Lean“ wird seitdem behutsam in allen Bereichen des Unternehmens umgesetzt.

Das Unternehmen zählt fast 50 Mitarbeiter, ein „unschlagbares Team“, auf das Silvia Reschke nichts kommen lässt. Und sie tut viel für ihre Mitarbeiter. Aus- und Weiterbildungen und zielgerichtete Förderungen sind ein Muss. Die selbstbewusste Geschäftsführerin weiß um die Gefahr des schnellen Wachstums und verwaltet mit hohem Sachverstand die Erfolge. Wo andere Unternehmen den Weg des „Outsourcens“ wählen, setzt Silvia Reschke auf die eigenen Fähigkeiten und bleibt ihrem Wahlspruch „Mit uns geht alles“ treu.

In das neue Unternehmenskonzept passen auch die Pläne einer eigenen Forschungsabteilung, die Silvia Reschke aufbaut. Sie will innovativ sein und ihren Kunden das Beste bieten.

Ein Konzept, das optimistisch in die Zukunft schauen lässt.

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