Diverses Firmenübergabe: Was bei einer zu beachten ist

Bei der Firmenübergabe schlüpft der Nachfolge in die Schuhe des Inhabers. Passen sie?

Bei der Firmenübergabe schlüpft der Nachfolge in die Schuhe des Inhabers. Passen sie?© Karin & Uwe Annas / Fotolia.com

Die neuen Vorschriften zur Erbschaftsteuer sind kompliziert und tückisch. Unternehmer müssen nun sorgfältig planen, bevor sie ihre Firma an die Kinder weitergeben.

Josef von Glasz arbeitet derzeit emsig daran, bald mit gutem Gewissen nicht mehr arbeiten zu müssen. „Jetzt ist es Zeit, die Nachfolge in der Firma weiter voranzutreiben“, sagt der 62-jährige Logistikunternehmer aus Kerpen bei Köln. Die Planungen laufen auf Hochtouren, die Verträge sollen in den nächsten Monaten unterschriftsreif sein. „Wir spielen noch verschiedene Varianten durch, vor allem auch die steuerlichen Auswirkungen und Gestaltungsmöglichkeiten.“

Die Erfolgsgeschichte von Unternehmer Glasz beginnt vor gut 30 Jahren. Der Kaufmann übernimmt die Gottschalk GmbH, eine kleine Firma, die private Umzüge organisiert. Schon bald sieht er die Zukunft besonders im Geschäft mit Firmenkunden. Seither profiliert sich der Unternehmer gegenüber Behörden und Unternehmen jeder Größe und Branche als Spezialist mit Rundum-Service für Büro- und Maschinenumzüge aller Art. Heute beschäftigt das Logistikunternehmen 260 Mitarbeiter und macht 15 Millionen Euro Umsatz.

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Tochter Alexandra, 36, soll die Erfolgsstory nun fortsetzen. Die Volljuristin ist bereits an der Familien-GmbH beteiligt und führt die Bereiche Personal und Organisation. Sie soll jetzt weitere Kapitalanteile vom Vater bekommen, und der Seniorchef zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück.

So wie bei Glasz mit seiner Gottschalk Logistic Systems GmbH steht in gut 140.000 Unternehmen in den nächsten zwei Jahren eine Nachfolge an. Die Probleme der meist mittelständischen Betriebe ähneln sich: Wie kann ich die Existenz des Betriebs garantieren, die Familie finanziell absichern und obendrein ordentlich Steuern sparen?

Mit der Reform der Erbschaft- und Schenkungsteuer hat der Gesetzgeber Anfang des Jahres die steuerlichen Konditionen für die Unternehmernachfolge im Mittelstand komplett umgekrempelt. Wesentliches Kernstück ist ein ordentlicher Steuerrabatt: Wenn der Erbfall eintritt oder die Familie vorab eine Nachfolgeregelung installiert, verlangt das Finanzamt unter bestimmten Voraussetzungen Steuern nur für 15 Prozent des Vermögens. Den Rest stundet die Behörde praktisch und streicht später womöglich sogar den kompletten Restbetrag.

Will die Familie davon profitieren, sollte sie zunächst prüfen, ob sie die grundlegenden Voraussetzungen erfüllt – und ob und wie sie eventuelle Hürden beiseiteschaffen kann. „Hier macht sich Steuerplanung richtig bezahlt“, sagt Hellmut Götz von der Wirtschaftsprüfungs-und Beratungsgesellschaft BDO Deutsche Warentreuhand. Die Reform der Erbschaftsteuer zum 1. Januar 2009 geht zurück auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1995. Damals monierten die Richter die zu niedrigen Steuerwerte für Immobilien und Unternehmen. Nach der Nachbesserung stellte sich heraus, dass die Kluft zwischen Geldvermögen einerseits und Immobilien sowie Betriebsvermögen andererseits nicht kleiner geworden war. Deshalb rief der Bundesfinanzhof im Jahr 2002 Karlsruhe erneut an.

Die Richter verlangten noch einmal massive Nachbesserungen bis zum 31. Dezember 2008. Der Tenor: Erst einmal müsse jedes Vermögen einheitlich zum tatsächlichen Wert ermittelt werden. Danach könne man über Freibeträge und spezielle Steuererleichterungen nachdenken – falls sie im Interesse des Allgemeinwohls geboten sein sollten.

Die neuen Vorschriften sorgen dafür, dass sowohl Unternehmen als auch private Immobilien für die Steuer viel höher zu bewerten sind. Bislang zählte für die meisten Firmen praktisch der Bilanzwert, neuerdings ist es der Verkehrswert. Das bedeutet zunächst eine erhebliche Steuerverschärfung. Denn bei ertragreichen Firmen sind die neuen Werte nicht selten acht- bis zehnmal so hoch wie bisher. Hier setzen Unternehmer und ihre Berater im ersten Schritt an, um die Steuerlast zu senken. „Die Wahl der richtigen Bewertungsmethode ist wichtiger denn je“, sagt Thomas Wewel, Rechtsanwalt und Steuerberater in der Kölner Kanzlei Hunold + Partner.

Im Gegenzug hat der Gesetzgeber die persönlichen Freibeträge erhöht. Davon profitieren aber allenfalls die Nachfolger und Erben der Inhaber von kleineren Handwerksbetrieben. In größeren, ertragsstarken Familienunternehmen lässt sich die Erbschaft- oder Schenkungsteuer auf diese Weise allenfalls etwas abfedern. Das Finanzministerium argumentiert, großzügige Verschonungsregeln brächten dem Mittelstand Entlastung. Klingt gut, hat aber gewaltige Tücken: So müssen sich Nachfolger oder Erben zu einem frühen Zeitpunkt auf die sogenannte Option 85 oder Option 100 Prozent festlegen.

Option 85 Prozent heißt: In dieser Höhe bekommt die Unternehmerfamilie Erbschaft- oder Schenkungsteuer erlassen, wenn die Lohnsumme der Firma in
den nächsten sieben Jahren in etwa konstant bleibt. Zweite Voraussetzung: Das Verwaltungsvermögen (etwa vermietete Immobilien) darf höchstens 50 Prozent des Unternehmenswerts betragen.

Die Inhaber von Familien-GmbHs haben eine zusätzliche Hürde zu beachten: Sie bekommen 85 Prozent Steuernachlass nur, wenn sie mehr als 25 Prozent des Stammkapitals übertragen. Das erweist sich als Problem, wenn mehrere Familienstämme am Unternehmen beteiligt sind. Denn dann gibt es oft reichlich Anteilseigner mit Minianteilen. Ausweg: Diese Familienmitglieder vereinbaren eine enge Zusammenarbeit. Per Vertrag gründen sie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die die kleinen Anteile bündelt. Wenn sie so eine qualifizierte Minderheit schaffen (über 25 Prozent), erlangen sie später den angepeilten Rabatt bei der Steuer.

Bei der Option 100 Prozent kann die Familie den Betrieb am Ende sogar völlig steuerfrei übertragen. Allerdings nur, wenn die Kinder oder Enkel den Betrieb zehn Jahre lang praktisch mit dem gleichen Personalbestand fortführen und in dieser Zeit höchstens zehn Prozent des Unternehmenswerts als Verwaltungsvermögen halten. „Davon werden nur wenige profitieren können, das ist völlig praxisfremd“, kritisiert Steuerprofessor Roman Seer von der Uni Bochum.

In der Krise muss auch der Mittelstand umstrukturieren und Personal abbauen. Eine spezielle Falle tut sich hier für die Inhaber kleinerer Familienbetriebe auf. Zu ihnen zählt Herbert Armbruster, 63. Er führt mit seiner Ehefrau Christa, 52, in Eggenstein-Leopoldshafen bei Karlsruhe ein Unternehmen für Klebetechnik mit acht bis zehn Mitarbeitern. Seine Tochter Katharina, 27, und sein Sohn Maximilian, 23, sollen in den nächsten Jahren in die Firma einsteigen, zunächst als Angestellte.

Das Problem: Die Gehälter für die Kinder erhöhen die betriebliche Lohnsumme. Wenn diese später Mitunternehmer werden, sinkt die Lohnsumme deutlich. Konsequenz für die Steuer: Nachzahlung statt Rabatt. An dieser Stelle erweist sich das Gesetz geradezu als Hemmschuh für die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Künftig ist auch besonders für alle Unternehmen, die in der Bilanz in größerem Stil sogenanntes Verwaltungsvermögen ausweisen, die genau geplante Regelung der Nachfolge elementar. Das betrifft vor allem vermietete Immobilien, Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, Firmenbeteiligungen, Kunstgegenstände. Beträgt dieses Vermögen mehr als 50 Prozent des Unternehmenswerts, gibt es keinerlei Rabatt. Stattdessen ist die volle Erbschaft- oder Schenkungsteuer fällig.

Bei der Ermittlung der Quote müssen Unternehmen sorgfältig vorgehen. „Die Quote ist nicht aus der Bilanz abzulesen“, warnt Wewel. „Dafür ist vielmehr eine separate Bewertung von Verwaltungsvermögen und Gesamtbetrieb erforderlich.“ Für den Fall, dass der kritische Wert überschritten wird, hat der Experte einen eleganten Ausweg parat: Die Familie macht beizeiten eine Privateinlage in bar und drückt damit das Verwaltungsvermögen unter den Grenzwert. Das macht den angestrebten Steuerrabatt möglich und verschafft der Familie obendrein einen Extravorteil: In der Firma ist Bargeld nur zu 15 Prozent steuerpflichtig, außerhalb dagegen zu 100 Prozent.

Auf die Schnelle ist der Steuerrabatt mit solchen Kapitalspritzen aber nicht zu retten. Das funktioniert nur, wenn die Familie die Firmenkasse zwei Jahre vor der angepeilten Nachfolgeregelung auffüllt. Wer keine Bareinlage leisten kann oder will, muss Verwaltungsvermögen in eine Extrafirma ausgliedern. Unternehmerfamilien sollten wegen der vielen Fallen Wege für einen steuerschonenden Generationswechsel mit Bedacht ausloten.

So lassen sich die neuen, höheren Freibeträge vervielfachen. Etwa durch Schenkungen an Kinder oder Enkel alle zehn Jahre. Oder durch Kettenschenkungen in der Familie. Tatsächlich ist es für Unternehmerfamilien durchweg günstiger, wenn die Eltern das Betriebsvermögen schon zu Lebzeiten an den Nachwuchs weitergeben. „Das sichert Kontinuität in der Geschäftsführung, vermeidet Streit in der Familie und eröffnet Steuersparmöglichkeiten“, sagt Rechtsanwalt Wewel.

Günstig wirkt sich auch aus, wenn die Nachfolger zur finanziellen Absicherung von Seniorchef oder -chefin beitragen. Wer dies vertraglich absichert, kann enorm Steuern sparen. Lebenslange Zahlungsverpflichtungen senken die Bemessungsgrundlage deutlich. „Diese Modelle werden eine Renaissance erleben“, sagt Berater Götz. „Je früher sich die Familie dazu entschließt, desto größer ist der Vorteil.“ Denn die Zahlungsverpflichtungen der Kinder sind vom Unternehmenswert jetzt immer absetzbar. Dafür rechnet man die Beträge für die Zukunft hoch, und zwar mit einem Multiplikator, der sich an der amtlichen Sterbetabelle orientiert. Konsequenz: Je jünger Eltern oder Großeltern bei der Betriebsübergabe sind, desto höher der Abzugsbetrag und damit die Steuerersparnis.

Den Firmenwert kleinrechnen

Ob Personen- oder Kapitalgesellschaft: Für die Berechnung der Erbschaft- und Schenkungsteuer zählt als Bemessungsgrundlage der tatsächliche Wert des Unternehmens. Um ihn zu ermitteln, können Unternehmenschefs zwischen mehreren Verfahren wählen.

Die amtliche Methode

Das Finanzamt bietet das „vereinfachte Ertragswertverfahren“ an. Ausgangspunkt sind die Gewinne oder Verluste der letzten drei Geschäftsjahre – nach oben korrigiert etwa um Teilwertabschreibungen bei Vorräten oder Sonderabschreibungen bei Maschinen. Das Ergebnis ist 2009 mit einem Kapitalisierungsfaktor von 12,33 zu multiplizieren – und zwar unabhängig von Branche oder Betriebsgröße. Das führt derzeit zu überhöhten Unternehmenswerten. Denn das Finanzamt unterstellt so, dass potenzielle Käufer für die Firma rund zwölfmal den Gewinn bezahlen würden – in der Praxis völlig unrealistisch.

Die betriebswirtschaftliche Methode

Hier gehen Wirtschaftsprüfer und Steuerberater von den zukünftig erzielbaren Gewinnen und Cashflows aus. Dabei versuchen sie, die wichtigsten Risiken und ihre Eintrittswahrscheinlichkeiten zu kalkulieren. Mit Blick etwa auf aktuelle und künftige Entwicklungen in Märkten, Branchen, Technologien oder möglicherweise auch drohende gesetzliche Auflagen, die das Geschäft erschweren könnten. Die so ermittelten Ergebnisse werden derzeit in der Industrie mit Faktoren von sieben bis zehn multipliziert – also deutlich niedriger als nach der amtlichen Methode.

Die Handwerker-Methode

Das Handwerk rechnet durchweg nach dem sogenannten AHW-Standard. Ausgangspunkt sind hierbei die Gewinne und Verluste der vorangegangenen vier Geschäftsjahre – korrigiert etwa um Posten wie außerordentlichen Aufwand und Ertrag. Das Ergebnis ist dann mit einem Kapitalisierungszinssatz abzuzinsen. Darin spiegeln sich auch Risiken, etwa für Standort oder Kundenstamm. Das bedeutet unterm Strich niedrigere Werte als nach der Finanzamtsmethode.

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