Diverses Was jeder Gründer wissen muss

Erfolgreich in die Selbständigkeit. Für impulse beantworten Experten 15 typische Fragen zum Thema Gründung.

1. Rechtsform

Frage: Was muss ich bei der Wahl der Rechtsform beachten?

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Antwort: Da gibt es eine Vielzahl von Kriterien. Das wohl Wichtigste ist die Haftung. Wer ohne Partner loslegt, kann als Einzelunternehmer kurzfristig starten. Mehrere Personen gründen eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Nachteil in beiden Fällen: Die Beteiligten haften für sämtliche Schulden auch mit ihrem Privatvermögen.
Wenn Sie jedoch die persönliche Haftung vermeiden wollen, sollten Sie an eine GmbH oder GmbH & Co KG denken.
Letzteres kommt in Frage, wenn Sie die steuerlichen Vorteile einer Personengesellschaft nutzen wollen. Beraten Sie sich mit Ihrem Steuerberater.

Peter Schmitz, Notar

2. Arbeitszimmer

Frage: Ich arbeite als freie PR-Beraterin für eine Agentur auch von meiner privaten Wohnung aus. Muss ich dem Finanzamt mitteilen, wie viel Zeit ich in meinem eigenen Büro arbeite, um es von der Steuer abzusetzen?

Antwort: An den Abzug von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sind strenge Anforderungen geknüpft.
So dürfen Sie Investitionen für das Arbeitszimmer nur absetzen, wenn Sie mehr als die Hälfte Ihrer Arbeitszeit dort verbringen. Doch auch in diesem Fall dürfen Unternehmer lediglich bis zu 1250 Euro pro Jahr bei der Steuererklärung abziehen. Diese Höchstgrenze gilt allerdings nicht, wenn das Arbeitszimmer tatsächlich den Mittelpunkt Ihrer betrieblichen Betätigung bildet.
Wenn Sie die angefallenen Kosten absetzen wollen, legen Sie Ihrer Steuererklärung am besten eine Skizze des Arbeitszimmers und einen Grundriss Ihrer Wohnung bei.

Maik Czwalinna, Bundessteuerberaterkammer

3. Versicherung

Frage: Bin ich auch als Jungunternehmer in jedem Falle verpflichtet, Mitglied einer Berufsgenossenschaft zu werden?

Antwort: Sie müssen zwar jedes Unternehmen nach einer Gründung (also nicht in der Projektierungsphase) bei der zuständigen Berufsgenossenschaft anmelden, daraus resultiert aber in der Regel nicht direkt die Beitragspflicht.
Beiträge müssen Sie in jedem Fall für Angestellte entrichten. Der Unternehmer selbst ist nur in einigen wenigen Branchen pflichtversichert und damit beitragspflichtig. Ansonsten kann er sich freiwillig gegen Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten versichern.

Andreas Baader, Pressesprecher, Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften

4. Business-Plan

Frage: Ich bin Reiseverkehrskauffrau und möchte mich mit einer Ich- AG selbständig machen. Wie komme ich an ein gutes Konzept?

Antwort: Ein fundiertes Konzept, das genau auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist, werden Sie nur erhalten, wenn Sie es auch selbst – vielleicht mit Unterstützung von Experten – aufstellen.
Grundsätzlich sollte solch ein Business- Plan umfassen: eine Zusammenfassung des Konzepts, die Darstellung Ihrer Dienstleistung, Angaben zu Branche, Markt, Marketing und Vertrieb, einen Lebenslauf, eine Drei-Jahres-Planung für Rentabilität und Liquidität sowie die Kapitalbedarfsplanung.

Bettina Sorge, Startup-Projektbüro

5. Handelsregister

Frage: Welche Kosten sind mit der Eintragung ins Handelsregister verbunden?

Antwort: Kosten entstehen Ihnen gleich an zwei Stellen: Zum einen müssen Sie beim Amtsgericht für die Eintragung in das Handelsregister Gebühren entrichten. Und zum anderen müssen Sie einen Notar einschalten und bezahlen, da die Anträge zur Eintragung beglaubigt werden müssen.
Die Höhe der Kosten hängt vom jeweils vorhandenen Betriebsvermögen der Firma ab. Ein Beispiel: Gründen Sie eine GmbH mit 25 000 Euro Stammkapital, fallen insgesamt etwa 400 bis 450 Euro für die Anmeldung an.

Knut Engel, Mitglied im Bundesverband der Wirtschaftsberater e.V.

6. Ich-AG

Frage: Ich starte mit Unterstützung der Ich-AG-Förderung eine Rechtsanwaltskanzlei.
Ist der Zusammenschluss mit einer weiteren Person als GbR in Form einer Sozietät und nicht als reine Bürogemeinschaft später noch möglich?

Antwort: Die selbständige Tätigkeit ist gekennzeichnet durch das Arbeiten im eigenen Namen und auf eigene Rechnung. Der Unternehmer trägt das wirtschaftliche Risiko. In einer GbR müssen beide Personen das Unternehmerrisiko tragen. Dies sollte in einem Gesellschaftervertrag geregelt sein.
Der Existenzgründungszuschuss wird weiterhin gewährt.
Dem Namen der Sozietät muss der Rechtsform-Zusatz »Gesellschaft bürgerlichen Rechts«, »GbR« oder »BGBGesellschaft « beigefügt werden.

Ines Zemke, BMWA-Bürgertelefon zu Arbeitsmarktpolitik, Arbeitsmarkt und Arbeitsförderung

7. Kleingewerbe

Frage: Worin liegt bei den steuerlichen Pflichten der Unterschied zwischen Kleingewerbe und Gewerbe?

Antwort: Betriebe, die unter bestimmten Umsatz- und Gewinngrößen bleiben, profitieren von verschiedenen Erleichterungen. Zum Beispiel bei der Umsatzsteuer: Hier gilt, dass Kleinunternehmer, deren Umsatz im Vorjahr unter 17 500 Euro lag und im laufenden Jahr 50 000 Euro voraussichtlich nicht überschreiten wird, keine Umsatzsteuererklärung abgeben und ihren Kunden keine Umsatzsteuer berechnen müssen.
Und wer beim Jahresumsatz unter 350 000 Euro und beim Jahresgewinn unter 30 000 Euro bleibt, muss keine doppelte Buchhaltung führen und auch nicht bilanzieren. Hier genügt es, wenn der Unternehmer eine einfache Einnahmen- Ausgaben-Berechnung aufstellt.

Uwe Hollenberg, Wirtschaftsberater BVW

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8. Vorsteuer

Frage: Kann ein Selbständiger bei Investitionen vor dem eigentlichen Geschäftsbeginn die Vorsteuer nach dem Unternehmensstart absetzen?

Antwort: In Sachen Umsatzsteuer gelten Sie schon bei Investitionen in der Gründungsphase als Unternehmer. Der Grund: Sie haben zum Beispiel mit dem Kauf der Büroausstattung nach außen hin eine erste unternehmerische Handlung vollzogen. Folglich können Sie die Investitionen vor dem eigentlichen Geschäftsstart später auch als Vorsteuer absetzen. Voraussetzung ist jedoch, dass Sie eine Leistung erbracht haben und eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt, in welcher Sie Ihrem Kunden die Umsatzsteuer berechnen.

Maik Czwalinna, Bundessteuerberaterkammer

9. Freie Mitarbeiter

Frage: Welche Steuern hätte ich als freier Mitarbeiter zu zahlen?

Antwort: Grundsätzlich müssen Sie sämtliche Einkünfte im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung erklären und versteuern. Der Steuersatz nach dem Einkommensteuergesetz hängt von der Höhe Ihrer Einkünfte ab – nach Abzug der Sonderausgaben und der Berücksichtigung von Freibeträgen.
Wenn Sie nicht als so genannter Kleinunternehmer gelten (siehe Frage 7), müssen Sie zudem eine Umsatzsteuererklärung beim Finanzamt einreichen.
Vorteil: Sie können nun die Vorsteuer Ihrer Investitionen vom Finanzamt zurückholen.

Carola Fischer, Bundessteuerberaterkammer

10. Rente

Frage: Bin ich als Gründer verpflichtet, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen?

Antwort: Nur wenn Sie zu einem bestimmten Personenkreis gehören, zum Beispiel Lehrer und Erzieher, Pflegepersonen, Hebammen, Künstler und Publizisten, Handwerker, Hausgewerbetreibende und arbeitnehmerähnliche Selbständige.
Für diese Personen besteht eine Rentenversicherungspflicht, wenn sie keine versicherungspflichtigen Mitarbeiter beschäftigen und auf Dauer nur für einen Auftraggeber tätig sind. Zudem muss das Einkommen die so genannte Geringfügigkeitsgrenze von 400 Euro pro Monat übersteigen.

Alfred Neidert, Verband Deutscher Rente
nversicherungsträger

11. Krankheitsfall

Frage: Wie sichere ich mich als Existenzgründer am besten für den Krankheitsfall ab?

Antwort: Wenn Sie bereits in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert sind, können Sie sich freiwillig weiterversichern. Die Beitragshöhe richtet sich nach Ihren Einkünften. Falls nicht, besteht für Sie keine Beitrittsmöglichkeit. Dann sollten Sie sich über einen privaten Anbieter absichern. Die Beiträge in der privaten Krankenversicherung werden dabei unter anderem nach Beitrittsalter und Gesundheitszustand berechnet.

Harald Janas, Verband der Angestellten- Krankenkassen (VdAK) e.V., AEV – Arbeiter-Ersatzkassen-Verband

12. Bürgschaft

Frage: Ich stehe kurz vor dem Start meines Unternehmens. Von den Behörden ist alles abgesegnet, aber die Finanzierung reicht nicht aus. Gibt es für mich eine Chance, noch an weitere Finanzmittel zu kommen?

Antwort: Bei nicht ausreichenden Sicherheiten können die Bürgschaftsbanken eine Kreditfinanzierung ermöglichen.
Regional zuständig ist die Bürgschaftsbank, in deren Bundesland das Unternehmen seinen Sitz hat – erkundigen Sie sich bei Ihrer Hausbank nach weiteren Infos. Auch für Kredite bei Anschlussfinanzierungen können Bürgschaften gewährt werden.

Ulrich Stumpp, Geschäftsführer Verband der Bürgschaftsbanken e.V.

13. Beteiligung

Frage: Ich möchte in ein mittelständisches Unternehmen mit 30 Prozent einsteigen. Gibt es Förderprogramme

Antwort: Mit dem ERP-Kapital für Gründungen finanziert die KfW Mittelstandsbank unter Mitwirkung eines Kreditinstituts bis zu 25 Prozent der Investitionen, die Sie im Rahmen Ihrer Existenzgründung tätigen. Sie selbst sollten sich dabei mit eigenen Mitteln in Höhe von 15 Prozent der Investitionssumme an der Finanzierung beteiligen.
Neben Barmitteln zählen auch unbare Vermögenswerte sowie Darlehen privater Dritter.

Margrit Busch, Infocenter der KfW Mittelstandsbank

14. Startgeld

Frage: Wir wollen einen gut eingeführten Laden übernehmen, benötigen aber zirka 15 000 Euro für die Übernahme. Wo können wir günstig einen Kredit bekommen?

Antwort: Zum Beispiel bei der KfW Mittelstandsbank. Wir bieten mit dem so genannten Startgeld Gründern, deren Investitions- und Betriebsmittelbedarf maximal 50 000 Euro beträgt, ein günstiges Darlehen an. Die Laufzeit beträgt zehn Jahre, davon sind die ersten beiden Jahre tilgungsfrei.
Zu beachten ist auch: Ihre Hausbank muss den Förderantrag unterstützen.
Das Institut übernimmt nämlich das Risiko für 20 Prozent der Kreditsumme.
Die restlichen 80 Prozent des Ausfallrisikos trägt die KfW.

Katja Hennequin, Infocenter der KfW Mittelstandsbank

15. Branchenzahlen

Frage: Woher bekomme ich für meinen Business-Plan die geforderten Branchenzahlen und Marktinfos?

Antwort: Grundsätzlich bietet das Internet für die Gründungsphase eine Fülle an Informationen. Als eine der ersten Anlaufstellen empfehle ich die Webseiten der Volksbanken. Dort finden Sie so genannte Branchenbriefe, die kostenlos zum Download angeboten werden.
Weitergehende Informationen erhalten Sie auch bei den zuständigen Fachverbänden, den Industrie- und Handelskammern oder beim Statistischen Bundesamt. Auch Ihr Steuerberater kann helfen: Ist er dem Datev-Netz angeschlossen, hat er direkten Zugriff auf aktuelle Daten der unterschiedlichen Branchen und Märkte.
Zu guter Letzt lohnt sich der Blick in eine entsprechende Fachzeitschrift. Dort finden Sie oft Berichte zur aktuellen Konjunkturentwicklung inklusive einer Quellenangabe, die Ihnen bestimmt weiterhilft.

Andreas Kaminski, Unternehmensberater, Mitglied im BVW e.V.

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