Diverses Woolworth meldet Insolvenz an

Die 11.000 Mitarbeiter der Billigkaufhauskette Woolworth Deutschland müssen um ihre Jobs bangen: Das mehr als 80 Jahre alte Unternehmen ist zahlungsunfähig. Ein bereits vielbeschäftigter Insolvenzverwalter übernimmt das Ruder.

Die deutsche Billigkaufhaus-Kette Woolworth ist pleite. Das Unternehmen, das dem britischen
Finanzinvestor Argyll Partners gehört, stellte am Dienstag beim Amtsgericht Frankfurt Insolvenzantrag, wie ein Sprecher des Gerichts bestätigte. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Frankfurter Rechtsanwalt Ottmar Hermann ernannt, der in der vergangenen Woche das Mandat für den insolventen Autozulieferer Karmann übernommen hatte. Die Führungskräfte von Woolworth waren bereits am Morgen in Frankfurt über die Lage informiert worden, wie es in Unternehmenskreisen hieß.

Woolworth betreibt in Deutschland 323 Filialen und hatte zuletzt etwa 11.000 Mitarbeiter. Für das Geschäftsjahr 2007/08 (bis Ende Oktober) war ein Umsatz von rund 900 Millionen Euro
angepeilt worden. Genaue Zahlen liegen nicht vor. Noch im November hatte sich das Unternehmen auf Wachstumskurs gesehen. Doch der erst Anfang März zum Vorstandschef berufene ehemalige Lidl-Manager Stefan Rohrer warf nach wenigen Wochen wieder das
Handtuch und ist nur noch als Berater des Unternehmens tätig.

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1997 verschwand Woolworth in den USA

Argyll hatte die deutsche Woolworth Ende 2007 von dem Finanzinvestor Electra Private Equity übernommen und begonnen, das Unternehmen zu sanieren. Die Gebäude von 110 Filialen gingen an den US-Investor Cerberus, der Rest ist gemietet. Die frühere US-Muttergesellschaft, die in Bremen 1927 ihre erste Filiale in Deutschland eröffnete, hatte das deutsche Geschäft 1998 an Electra verkauft. In den USA gibt es seit 1997 keine
Woolworth-Filialen mehr. Die britische Schwester schloss Anfang des Jahres die Pforten der letzten von einst mehr als 800 Läden. 27.000 Mitarbeiter verloren dort in der Insolvenz den
Arbeitsplatz.

Die Geschichte des Kaufhaus-Pioniers Woolworth reicht zurück bis ins Jahr 1879: Der US-Unternehmer Frank Woolworth hatte mit der Idee Erfolg, unterschiedlichste Waren auf einem
Verkaufstisch auszustellen und zum Einheitspreis von fünf Cent zu verkaufen. Bis dahin wurde die Ware unter den Ladentischen oder in Regalen hinter den Tischen aufgebaut.

Einzelhandel im Krisensog

Die Rezession hat die Probleme vieler Einzelhandelsketten in Deutschland verschärft. Sie erschwert die Aufnahme von Krediten. Vor allem Warenhäuser sind für Experten ein Auslaufmodell. Deren hohe Unterhaltskosten nagen an den mageren Renditen, die Kunden
gehen lieber zu Discountern oder Fachhändlern. Der Karstadt-Eigentümer Arcandor will daher möglicherweise staatliche Fördertöpfe anzapfen. Arcandor hatte sich vor vier
Jahren von den Ketten Wehmeyer, SinnLeffers und Hertie getrennt. Alle drei Unternehmen haben inzwischen Insolvenzantrag gestellt. Bei Hertie soll im April die Entscheidung über die Fortführung der 54 verbliebenen Kaufhäuser fallen.

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