Diverses Worauf es bei der Steuererklärung ankommt

Zum letzten Mal müssen Anleger ihre Erträge aus Wertpapiergeschäften komplett in der Steuererklärung auflisten. Ab 2009 greift pauschal die Abgeltungsteuer – allerdings lässt auch die keinen vollständigen Abschied von den lästigen Steuerformularen zu.

Wertpapierabrechnungen und Bankinformationen gehören zu dem Teil der Post, den man auf dem Schreibtisch lieber umschichtet als bearbeitet. Doch die Finanzämter fordern bis Ende Mai eine Steuererklärung ein. Nur wer einen Steuerberater in Anspruch nimmt oder explizit um Aufschub bittet, kann sich noch Zeit lassen.

Für 2008 greift letztmalig das alte Recht – ab 2009 müssen Anleger sich auf die neuen Regeln der Abgeltungsteuer einstellen. Für die meisten noch bis Ende 2008 erworbenen Wertpapiere, insbesondere Aktien, Anleihen, Fonds und Optionsscheine, gilt daher die Spekulationsfrist. Gewinne aus Verkäufen, die innerhalb von zwölf Monaten nach der Anschaffung erfolgten, sind damit
grundsätzlich steuerpflichtig.

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Der Fiskus langt zu, wenn der Anleger 2008 mit seinen Veräußerungsgewinnen die Freigrenzevon 599,99 Euro überschritten hat. Dann werden alle Erträge ab dem ersten Euro mit dem persönlichen Steuersatz belastet. Kursgewinne aus Aktien schlagen wie auch Dividenden wegen des Halbeinkünfteverfahrens nur zur Hälfte zu Buche. Wer ein Papier länger als ein Jahr im Depot hatte, muss Kursgewinne aus dem Verkauf 2008 nicht mit dem Fiskus teilen.

Umgekehrt sind auch Verluste dann reine Privatsache. Eine Ausnahme bilden die komplizierten Finanzinnovationen, für die schon nach altem Recht keine Spekulationsfrist
galt. Gewinne und Verluste aus Spekulationsgeschäften deklariert man über die Anlage SO.

Sie haben 2008 Dividenden und Zinsen kassiert? Wenn Ledige Kapitalerträge von mehr als 801 Euro beziehungsweise Verheiratete von mehr als 1602 Euro erzielt haben, müssen sie die Anlage
KAP für Kapitalerträge ausfüllen. Die Höhe der steuerfreien Einnahmen resultiert aus dem Sparerfreibetrag von 750 Euro plus der Werbungskostenpauschale von 51 Euro pro Person.

Auch bei geringeren Einkünften kann sich die Abgabe einer Anlage KAP für Anleger lohnen, sofern die depotführende Stelle mangels Freistellungsauftrags Steuern einbehalten hat. Wer seine Erträge im Ausland erzielt oder Quellensteuern gezahlt hat, dem bleibt zudem die Anlage AUS nicht erspart.

Steueränderungen 2009 – Wie gewonnen, so zerronnen

Mit dem Konjunkturpaket II will die Regierung die Bürger entlasten. Doch das Jahressteuergesetz 2009 beschert Anlegern gleichzeitig neue finanzielle Belastungen. Das Konjunkturpaket II soll die Steuerschraube lockern helfen. Doch Kapitalanleger profitieren davon nur, wenn ihr persönlicher Steuersatz auf das Gesamteinkommen 2009 unter 25 Prozent liegt. Das Jahressteuergesetz 2009 hält auf der anderen Seite neue Belastungen bereit: Der Grundfreibetrag für 2009 wird nachträglich auf 7834 Euro pro Person angehoben (bisher 7664 Euro). Bei Ehegatten bleibt ein
Einkommen von 15 669 Euro steuerfrei (bisher 15 328 Euro). Ab 2010 bleiben 8004 Euro steuerfrei (Ehegatten 16 008 Euro).

Der Eingangssteuersatz sinkt rückwirkend zum Jahresbeginn von 15 auf 14 Prozent. Auch die Steuerprogression auf höhere Einkommen wird abgemildert.

Ab dem 1. April 2009 abgeschlossene Lebensversicherungen sind nur noch steuerbegünstigt, wenn der Vertrag über die gesamte Laufzeit einen Mindesttodesfallschutz von 50 Prozent
vorsieht. Steueroptimierte Geldmarktfonds unterliegen mit ihren Erträgen der Abgeltungsteuer. Investmentfonds dürfen Gewinne aus Vollrisikozertifikaten nicht mehr steuerfrei thesaurieren,
wenn sie 2009 gekauft wurden.

Im Vergleich zum Jahr 2007 haben sich die Steuerformulare 2008 nur wenig verändert. Wichtig: Erstmals muss man auf dem Mantelbogen der Steuererklärung die neue Steueridentifikationsnummer angeben, die jedem Bürger zugeschickt wurde.

Das wichtigste Dokument ist die Jahressteuerbescheinigung. Darin teilt die Bank kostenfrei mit, welche Steuervorauszahlungen sie dem Anleger abgezogen und an das Finanzamt
abgeführt hat. Nur wenn die Steuerbescheinigung dem Fiskus im Original vorgelegt wird, verrechnet er einbehaltene Zinsabschlag- und Kapitalertragsteuern mit der Steuerschuld.

Daneben verschicken die Institute jetzt letztmalig auch eine Jahresbescheinigung nach Paragraf 24 c Einkommensteuergesetz. Die muss dem Fiskus nicht präsentiert werden. Das Papier soll
das Ausfüllen der zahlreichen amtlichen Vordrucke erleichtern. Es birgt allerdings auch Tücken. Das Formular listet die bei der Bank angefallenen Veräußerungsgewinne und -verluste auf sowie die Kapitalerträge nach Anlagegattungen.

Sicher ist sicher: Erträgnisaufstellung beantragen

Wer allerdings die Beträge aus der Jahresbescheinigung ungeprüft übernimmt, läuft Gefahr, Fehler zu machen. „Es empfiehlt sich, die Zahlen genau anzuschauen und zu hinterfragen“, rät Steueranwalt Stephan Scherer von der Mannheimer Kanzlei Schilling, Zutt & Anschütz. „Im Zweifelsfall sollte man sich von seiner Bank eine Erträgnisaufstellung geben lassen“, so der Experte. Dieses Papier zeigt auch alle Kapitalerträge im Detail, ist aber teils kostenpflichtig.

Probleme gibt es bei Finanzinnovationen, zu denen etwa Aktienanleihen gehören. Hier sind nicht nur Zinsen, sondern auch Kursgewinne als Kapitalertrag zu versteuern – unabhängig von der Haltedauer. Prinzipiell ist bei diesen Produkten die Emissionsrendite anzusetzen, die im Kaufprospekt als Mindestprofit zugesichert wurde. In der Jahresbescheinigung wird jedoch die Marktrendite, also die Differenz zwischen Verkaufspreis und Anschaffungskosten, ausgewiesen.

Vorsicht bei Kursdifferenzpapieren

Wer die Daten einfach übernimmt, zahlt somit möglicherweise drauf. Bei Kursdifferenzpapieren gibt es ähnliche Probleme. Der steuerpflichtige Ertrag ist als Pauschale in Höhe von 30 Prozent des Einlöseoder Verkaufspreises bescheinigt. Das ist falsch – Anleger zahlen bei Übernahme der Daten in die Steuererklärung Abgaben auf Kapitalerträge, die sie nicht erzielt haben.

Schwierigkeiten treten zudem bei Erträgen von ausländischen thesaurierenden Fonds auf, die Dividenden und Zinsen nicht ausschütten. Die Beträge sind jedoch in Deutschland Jahr fürJahr steuerlich erfasst. Bei Verkauf bescheinigen nun viele Banken die gesamten, während der Laufzeit thesaurierten Erträge. Steuerpflichtige müssen dann selbst den für das Verkaufsjahr anfallenden
Anteil herausrechnen. Andernfalls laufen sie Gefahr, Erträge doppelt zu versteuern.

Beim Übergang auf die neuen Steuerregeln sollten Anleger schon jetzt einige Besonderheiten beachten. Für Wertpapiere, die 2009 neu angeschafft wurden, gilt die neue Abgeltungsteuer mit
dem Einheitssteuersatz von 25 Prozent auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Solidaritätszuschlag und etwaige Kirchensteuer kommen noch hinzu. Die Spekulationsfrist wurde abgeschafft,
Kursgewinne, aber auch Verluste wirken sich daher unbefristet aus.

Pauschalbetrag für Werbungskosten

Für Werbungskosten
wie Depot- und Vermögensverwaltergebühren
greift nur noch ein Pauschalbetrag von 801/1602
Euro (Ledige/Verheiratete). Beim An- und Verkauf
von Wertpapieren anfallende Nebenkosten und
Bankspesen wirken sich aber weiterhin steuermindernd
aus.

„Sofern die Kosten fürs Depot für das Vorjahr
erst 2009 abgebucht wurden, erlaubt die Finanzverwaltung
ausnahmsweise noch die Verrechnung
im Steuerjahr 2008. Die Abrechnung muss
allerdings bis Ende Januar 2009 erfolgt sein“, sagt
Dirk-Ralf Gloger, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater
bei Röver Brönner in Frankfurt. Die Finanzämter
sollen die Kosten ausnahmsweise sogar
in voller Höhe anerkennen – selbst wenn Wertpapiere
im Depot liegen, deren Erträge nur zur
Hälfte oder gar nicht steuerpflichtig sind.

Bei Vermögensverwalterhonoraren in Form
von All-in-Fees – also Pauschalentgelten, die auch
Transaktionskosten mitabdecken – gibt es ab 2009
eine Besonderheit: Da man die All-in-Fee keinem
Geschäft konkret zurechnen kann, gestattet der
Fiskus, pauschal maximal 50 Prozent davon als
Transaktionskostenanteil anzusetzen und in den Verlustverrechnungstopf einzustellen.

Viele Anleger haben sich Ende 2008 wegen
der Altfallregelung noch Wertpapiere ins Depot
gelegt, damit spätere Veräußerungsgewinne nach
Ablauf der Jahresfrist steuerfrei bleiben. Wer jetzt
jedoch innerhalb der Ein-Jahres-Frist die Papiere
verkauft, erzielt steuerlich betrachtet einen Altverlust,
für den das alte Steuerrecht gilt. Solche Altverluste
müssen Anleger in der Steuererklärung
2009 geltend machen und eine nachträgliche Verrechnung
mit abgeltungsteuerpflichtigen Gewinnen
aus Neuanlagen verlangen. Die Depotbank
darf solche Altgeschäfte nicht von sich aus mit
Gewinnen aus Neuanlagen verrechnen.

Um die Altbestände sauber von Neuanlagen
ab 2009 zu trennen, empfiehlt sich die Eröffnung
eines Unter- oder Zweitdepots. „Die Bestandstrennungist vor allem bei gestaffelten Käufen und
Verkäufen relevant, wenn Sie also ein und dasselbe
Wertpapier schon früher gekauft haben und
auch weitere Zukäufe erwägen wie etwa bei
Fondssparplänen“, sagt Wolfgang Skorpel, Steuerexperte
des Bundesverbands deutscher Banken.
Denn bei späteren Verkäufen gilt stets das Papier
als zuerst verkauft, das zuerst angeschafft wurde.

Aggregiert Jahressteuerbescheinigung

Wer mehrere Depots bei ein und derselben
Bank führt, bekommt im Übrigen für 2009 erstmals
eine aggregierte Jahressteuerbescheinigung
über sämtliche Konten und Depots bei einer Bank
ausgestellt. Das Papier wird dann auch Auskunft
geben über noch nicht berücksichtigte, aber noch
verrechenbare Verluste aus Wertpapierverkäufen.

Wenn ein Kunde mehrere Depots bei mehreren
Banken unterhält, kann er Verluste auf dem einen
Depot mit Gewinnen auf dem anderen verrechnen
lassen – allerdings erst über die Steuererklärung.
Auf der Bescheinigung findet sich dann
auch die Information, wie viel Abgeltungsteuer
für Kapitalerträge an das Finanzamt abgeführt
wurde. Sie sollte gut aufbewahrt werden, da viele
Anleger erst im nächsten Jahr absehen können,
ob sie zu viel gezahlte Abgaben über die Steuererklärung
2009 zurückholen müssen.

Vorteil für Rentner mit niedrigem Einkommen

Das kann
der Fall sein, wenn der persönliche Steuersatz für
2009, bezogen auf das Gesamteinkommen einschließlich
der Kapitalerträge, unter 25 Prozent
liegt. Gerade für Rentner kann es interessant sein,
mit ihren Wertpapiergeschäften in die steuerliche
Veranlagung zu gehen. Der Fiskus führt eine sogenannte
Günstigerprüfung durch und erstattet
zu viel gezahlte Steuern. „Für Rentner mit niedrigen
Einkommen empfiehlt es sich, eine Nichtveranlagungsbescheinigung
zu beantragen. Dann
kommen sie um die Deklaration ihrer Kapitalerträge
herum“, rät Gloger.

Für die meisten Anleger aber gilt: Wer hofft,
das Ausfüllen der Anlagen KAP und Co. stehe nun
letztmalig an, hat sich getäuscht. Die Formulare
wird es in geänderter Form weiterhin geben. „Die
Abgeltungsteuer macht nur für eine Minderheit
vieles einfacher“, sagt Steueranwalt Scherer. Anleger
mit Auslandsdepots, Erträgen aus ausländischen
Fonds oder Aktien dürfen sich auch
nächstes Jahr auf den gewohnten Papierkrieg
freuen.

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