Finanzen + Vorsorge 125 Jahre Zeiss-Stiftung: Industrielegende oder Zukunftsmodell?

Eröffnung der Ausstellung zum Jubiläum der Carl-Zeiss-Stiftung: Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hielt zum Jubiläum eine Ansprache.

Eröffnung der Ausstellung zum Jubiläum der Carl-Zeiss-Stiftung: Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hielt zum Jubiläum eine Ansprache.© dpa

Sie haben in Deutschland Tradition: Industrie-Stiftungen. Das Stiftungsmodell kann Fluch und Segen zugleich sein. Viele haben sich gewandelt, wie die 1889 gegründete Carl-Zeiss-Stiftung.

Sie sind unverkäuflich, haben gemeinsame Wurzeln in Jena und sie haben sich mit ihren ostdeutschen Pendants nach dem Mauerfall wiedervereinigt: Der Optik- und Elektronikkonzern Carl Zeiss AG (Oberkochen) und der Spezialglasherstellers Schott AG (Mainz) stehen für eine besondere Unternehmensform. Beide Konzerne mit zusammen fast 40.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund sechs Milliarden Euro sind Stiftungsunternehmen.

Zeiss und Schott gehören der vor 125 Jahren vom Physiker Ernst Abbe (1840-1935) in Jena gegründeten Carl-Zeiss-Stiftung. Das Jubiläum, das an diesem Montag in der Thüringer Universitäts- und Industriestadt gefeiert wird, wirft ein Schlaglicht auf die Situation von Industrie-Stiftungen in Deutschland.

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Klassische Stiftungen, die quasi ihre Unternehmen selbst managen und betreiben, seien eher ein Auslaufmodell, sagt Verena Staats, Juristin beim Bundesverband Deutscher Stiftungen in Berlin. „Dieses Modell hat sich nicht bewährt.“ Die Unternehmen seien beispielsweise bei der Finanzierung von Expansion und Innovation eingeschränkt, denn sie können sich keine Investoren ins Boot holen. „Es gibt nur noch ganz wenige Stiftungen in Deutschland, die direkt ein Unternehmen betreiben.“ Die Zeiss-Stiftung gehört seit 2004 nicht mehr dazu.

Reformen bei der Zeiss-Stiftung

Sie wurde vor zehn Jahren reformiert: Schott und Carl Zeiss wurden aus der Stiftung ausgegliedert und in rechtlich selbstständige Aktiengesellschaften umgewandelt. Die Unternehmen hätten damit die Handlungsfreiheit, die sie als global agierende Konzerne bräuchten, sagt Dieter Kurz, Vorsitzender des Stiftungsrates. Die Carl-Zeiss-Stiftung ist aber weiterhin alleinige Aktionärin von Schott und Zeiss.

Die Jenaer Konzerntochter Carl Zeiss Meditec, ein Spezialist für Ausrüstungen und Geräte für Augenärzte, ist an der Frankfurter Börse notiert und gehört zu den Unternehmen im Technologiewerte-Index TecDax. „An der Unveräußerlichkeit des Stiftungskapitals ändert sich dadurch nichts“, betont Kurz. Die Stiftungsunternehmen selbst seien nicht durch Investoren, durch Quartalszahlen oder Aktienkurse getrieben, „aber natürlich vom Markt“, so Zeiss-Vorstandschef Michael Kaschke.

Den manchmal etwas längeren Atem wissen die Zeissianer zu schätzen. Für die Jenaer, die sich nach der Wiedervereinigung in dem zerfallenden DDR-Kombinat Carl Zeiss wiederfanden, war das Stiftungsmodell ein Segen. Stiftung und Unternehmen waren während der deutschen Teilung getrennt und sind seit den 1990er Jahren wieder vereint. Ohne die Stiftung wäre die Wiedervereinigung der Zeiss- und Schott-Unternehmen in Ost und West möglicherweise nicht geglückt, glauben manche Arbeitnehmervertreter. Inzwischen beschäftigen die Firmen wieder rund 2500 Mitarbeiter in Jena.

Unternehmensnachfolge über eine Stiftung regeln

Wie die Zeiss-Stiftung gibt es Verena Staats zufolge noch einige große Stiftungen, die Unternehmensbeteiligungen halten. Sie nennt als Beispiele für solche „Beteiligungsträgerstiftungen“ die Bertelsmann-Stiftung oder die Else Kröner-Fresenius-Stiftung. „Häufiger sind aber Stiftungen, die Unternehmen eigens für gemeinnützige Zwecke gegründet haben wie die Volkswagen-, Siemens- oder Vodafone-Stiftung.“ Die Unternehmen statten die Stiftungen mit Kapital aus, mit den Erträgen finanzieren diese verschiedenste Projekte.

Derzeit lägen Stiftungen wieder im Trend: „Wir haben viele Anfragen von Familienfirmen, die ihre Unternehmensnachfolge möglicherweise über eine Stiftung regeln wollen“, sagt Staats. Dass das Modell von Dauer sein kann, haben die drei Jenaer Industriepioniere Zeiss, Schott und Abbe bewiesen.

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