Finanzen + Vorsorge Altersvorsorge: Strategien für Selbstständige

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Schon morgen? Viele Selbstständige warten zu lange mit der Vorsorgeplanung

Schon morgen? Viele Selbstständige warten zu lange mit der Vorsorgeplanung© Stephanie Wunderlich

Grundabsicherung, Vermögensaufbau, Rente: Zum Auftakt der großen Vorsorge-Serie zeigen Finanzplaner drei typischen Unternehmern - der Gründerin, dem Durchstarter und dem Arrivierten - den Weg in den Ruhestand. Hilfreiche Strategien für Selbstständige.

Markus Köbel, Malermeister aus Reutlingen, hat kürzlich Kassensturz gemacht. Das Ergebnis war erschreckend: 1000 Euro im ­Monat werden mindestens fehlen, um im Alter weiter so zu leben wie heute. Dabei hat der 38-Jährige bis zum Beginn seiner Selbstständigkeit in die Rentenkasse eingezahlt, hat zwei private Rentenversicherungen und eine Rürup-Police abgeschlossen. „Eigentlich dachte ich, schon ziemlich viel gemacht zu haben“, sagt er. Offenbar war das nicht genug.

Köbel ist einer von vielen. Jeder dritte Selbstständige und Freiberufler schätzt seine bisherige Altersvorsorge als nicht mehr ausreichend ein, zeigt eine repräsentative Befragung des Forschungsinstituts Allensbach. Nicht einmal die Hälfte ist überzeugt, genug für das Alter zu tun. Die Ängste sind berechtigt: Von den rund 4,5 Millionen Selbstständigen in Deutschland zahlen drei Viertel weder in die gesetzliche Rentenversicherung ein, noch sind sie gezwungen, über ein berufsständisches Versorgungswerk zu sparen. Ob sie etwas für ihr Alter tun, ist ihnen selbst überlassen – anders als etwa Angestellte. Zugleich arbeitet mehr als die Hälfte der Selbstständigen allein, und 1,1 Millionen müssen mit einem Nettoeinkommen von weniger als 1100 Euro pro Monat auskommen. Sparen fällt da verdammt schwer.

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Selbst wer sich abgesichert wähnt, stellt bei näherem Hinsehen oft fest, dass er Erspartes und Erträge überschätzt – und seinen Lebensstandard im Alter kaum halten könnte. „Solche Fälle haben wir immer wieder auf dem Tisch“, sagt Michael Reeg, Partner beim Versicherungsmakler Hoesch & Partner in Frankfurt. „Sie haben zwar oft genug Vermögen, aber wenn man ihnen vorrechnet, wie viel Geld sie wirklich einmal brauchen, wenn sie nicht mehr arbeiten wollen, wird ihnen schwindelig.“

Zum Auftakt: Grundsatzfragen

Reeg ist einer von drei Finanzplanern mit einer Zertifizierung nach den strengen Regeln des Berufsverbands Financial Planning Standards Board, die für impulse Vorschläge zur Ruhestandsplanung entworfen haben – und die sich den wichtigsten Bausteinen für die Altersvorsorge in Zeiten winziger Zinsen widmen.

Welche Investments sind für das Sparen für den Ruhestand geeignet – Aktien, Anleihen, Immobilien? Welche Versicherungen sind notwendig? Der erste Schritt jedoch ist die Entwicklung einer langfristigen Strategie zum Vermögensaufbau.

Für den Auftakt dieser Serie haben sich die Experten je einen Fall aus ihrer Praxis vor­genommen, dessen Grundzüge für viele Unternehmer typisch sind. Für diesen haben sie ­Vorsorgeschritte für eine Grundabsicherung, die konkrete Rentenkalkulation und die Planung des eigentlichen Ruhestands entwickelt.

Die Profis – neben Reeg der Düsseldorfer ­Finanzplaner Robert Hiotoglou sowie die Flörsheimer Vermögensberaterin Claudia Rankers – empfehlen teils Radikales. Die 27-jährige Gründerin etwa soll die Rente erst mal vergessen und dafür sorgen, dass sie auf dem Weg dorthin nichts aus der Bahn wirft. „Auch das ist schließlich Altersvorsorge“, sagt Reeg.

Der 60-jährige Inhaber einer Lackiererei hat ebenfalls kaum Geld zur Verfügung – auch wenn er mehrere Millionen Vermögen auf­gebaut hat. Er sollte sich deshalb ganz genau überlegen, ob er die Firma wirklich an seinen Sohn verschenkt, sagt Rankers. Denn um ­seinen Lebensstandard zu halten, wird es ohne einen ordentlichen Verkaufserlös aus dem Betrieb knapp. „Und als Pflegefall könnte ihm trotz all der Millionen auf dem Papier sogar ­Altersarmut drohen.“

3,3 Millionen für 80.000 Euro im Jahr

Wie schwer es sein kann, genug Geld für das Alter zu sparen, zeigt Rankers an einem ein­fachen Rechenbeispiel: Für 80.000 Euro Nettoeinkommen heutiger Kaufkraft braucht man bei 2 Prozent jährlicher Inflation in 20 Jahren schon 118.875 Euro Rente. Dafür sind jährlich 165.081 Euro nötig, wenn das Altersgeld komplett aus Kapitalerträgen stammen soll. Denn die unterliegen ja auch noch der Abgeltungsteuer von rund 28 Prozent. Wie viel Kapital muss man dafür ansparen? Rankers rechnet mit 5 Prozent Ertrag aus der Geldanlage – dann sind gut 3,3 Millionen Euro nötig.

Liegt der Anlageertrag niedriger, geht von Jahr zu Jahr Vermögen verloren. Und das ist keineswegs ausgeschlossen. Im Gegenteil: Am 7. November senkte die Europäische Zentralbank noch einmal die Zinsen, sie verleiht ihr Geld nun für läppische 0,25 Prozent Zinsen. Das ist so wenig wie nie zuvor. Was die Kreditaufnahme erleichtern und die Wirtschaft ankurbeln soll, macht die Altersvorsorge immer schwieriger: „Wer spart, ist Leidtragender der Politik“, schimpft Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanzzentrums. Gerade für Unternehmer, die zur Finanzierung ihres Ruhestands häufig komplett auf private Vorsorge angewiesen sind, werden die Zeiten härter.

 

Der Beitrag ist Teil der großen impulse Altervorsorge-Serie:

TEIL I: Vorsorgestrategien: Für Gründer / Für Durchstarter / Für Arrivierte
TEIL II: Vermögensaufbau mit Wertpapieren
TEIL III: Vermögensaufbau mit Immobilien: Das Eigenheim / Die Betriebsimmobilie / Die Immobilienfonds

 

cover-dezember-abbinderAus dem impulse-Magazin 12/2013

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