Finanzen + Vorsorge Altersvorsorge: Vermögensaufbau mit Fonds

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Richtig fürs Alter vorsorgen

Richtig fürs Alter vorsorgen© Stephanie Wunderlich

Aktien und Anleihen sind eine gute Basis für den Vermögensaufbau. Mit Fonds können auch unerfahrene Anleger Investments in Wertpapiere wagen - wenn Sie die Risiken beachten.

Wer dem deutschen Staat Geld leiht, hat wieder etwas davon. „Nach zwei Jahren, in denen man mit Bundesan­leihen unterm Strich Kapital verloren hat, sind 1,7 Prozent Rendite eine gute Nachricht“, sagt Michael Reeg, Finanzplaner beim Frankfurter Versicherungsmakler Hoesch & Partner. So viel können Anleger momentan aus einer Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit erzielen. Nach Abzug der Abgeltungsteuer bleiben 1,2 Prozent.

Für Vermögensaufbau ist das allein zwar zu wenig; für Anleger, die mit Wertpapieren für den Ruhestand ansparen wollen, ist das dennoch eine gute Nachricht. Denn der Sicherheit wegen gehören auch Anleihen in ein Altersvorsorge-Portfolio – und nicht nur Aktien. „Mischen, streuen und flexibel bleiben ist angesichts der vielen Schwankungen auf allen Märkten die wichtigste Empfehlung“, meint Finanzplaner Reeg.

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Anleger sind also gut beraten, Ersparnisse auf die Wertpapiere aufzuteilen, die der Markt hergibt. Auch wenn Experten Aktien weitere Kursanstiege zutrauen und der Aktienkauf sich in den vergangenen Jahrzehnten als außerordentlich ertragreich erwies, mit Renditen von 8 Prozent und mehr pro Jahr. Experte Reeg meint: „Die Zeiten, in denen man bloß ein paar Aktien möglichst lang liegen lassen musste, um reich in Rente zu gehen, sind vorbei.“

Neben den Anteilen für Anleihen und Aktien sollten Anleger einen dritten Teil ihres Depots flexibel halten. Je nach Marktlage können sie so alle möglichen Anlageklassen nutzen, neben Aktien und Anleihen auch Rohstoffe, Immobilien, Gold und mehr.
Ganz ohne eigenes Engagement geht das nicht – mindestens einmal im Jahr sollte jedes Depot überprüft werden. Investmentfonds nehmen Anlegern zumindest die Entscheidung der Titelauswahl ab. Sie streuen das Anlegergeld breit auf viele Werte, was das Risiko begrenzt, danebenzuliegen.

Auf die Kosten achten

Anleger sollten dabei stets auf die Kosten achten. „Gerade für das Sparen in kleinen Raten sind niedrige Gebühren Pflicht, um die Rendite nicht aufzuzehren“, sagt Vermögensverwalterin Claudia Rankers aus Flörsheim. Statt Fonds mit hohen Aufschlägen und Gebühren zu kaufen, empfehlen Profis für die Aktienanlage den Einsatz preiswerterer Produkte wie sogenannte ETFs, also an der Börse gehandelte Fonds. Diese Anlagepools bilden Aktienindizes wie den Stoxx 600 oder MSCI World nach; sie entwickeln sich deshalb wie der Durchschnitt eines Marktes.

impulse hat mit Finanzplanern Depots für drei typische Phasen der Geldanlage erstellt. Eines sollte dabei jeder bedenken: Es ist unmöglich, Erträge aus einem Wertpapierdepot vorherzusagen. „Renditen sind bei der Geldanlage allenfalls zu erwarten“, sagt Finanzplaner Robert Hiotoglou aus Düsseldorf, „aber niemals garantiert.“ Geldanlage ist riskant. Wer Kapital vermehren will, muss Schwankungen in Kauf nehmen.

1. Phase: Vermögensaufbau
Die Herausforderung

Vermögensaufbau für das Alter ist eine Sache der Disziplin – vor allem in jungen Jahren. Wer Monat für Monat und Jahr für Jahr spart, kann aus kleinen Summen einen großen Kapitalstock heranzüchten, der später den Ruhestand finanzieren kann. Vor allem der Zinseszinseffekt hilft: Wer etwa mit 37 Jahren 1000 Euro für 8 Prozent anlegt, hat daraus mit 67 Jahren rund 10.000 Euro gemacht. Wer schon mit 27 anfängt, hat indes mehr als doppelt so viel angespart: über 21 720 Euro.

Die Strategie

Es sollte nur Geld in die Vorsorge fließen, das nicht anderswo gebraucht wird. „Man sollte gedanklich einen Rententresor bilden und gut verschlossen halten“, sagt Finanzplaner Michael Reeg. Die einfachste Methode dafür sind Sparpläne, die man kostenlos bei Direktbanken einrichten kann. Das sind Daueraufträge, über die jeden Monat feste Beträge in die Geldanlage fließen.

Vermögensmanager empfehlen, mindestens 40 Prozent in Aktien zu investieren – das geht am besten über preiswerte Indexfonds, die breit gestreut in die größten Konzerne weltweit anlegen. Viele Profis sagen sogar, langfristig angelegtes Geld sollte vollständig in Dividenden­titel fließen; vorsichtige Sparer sollten gleichwohl 30 Prozent Anleihen einplanen.

Derzeit sind niedrig verzinste Staatsanleihen aus Industrieländern weniger attraktiv als Unternehmens- oder Schwellenländer-Anleihen. Die sind zugleich riskanter, weshalb man die Sache besser Profis überlässt, etwa versierten Anleihe-Fondsmanagern. Das gilt auch für die 30 flexibel an­gelegten Prozent: Sie brächten „Swing“ ins Portfolio, sagt Reeg, flössen mal in Aktien, mal in Renten oder andere Anlageformen. Wer mag, kann hier selbst Hand anlegen. Laien greifen zu sogenannten Multi-Asset-Fonds, bei denen ein Vermögensverwalter ihnen die Arbeit abnimmt. „Damit lässt sich das Risiko-Rendite-Profil des Depots verbessern“, verspricht Reeg. Heißt: weniger Schwankungen, mehr Ertrag.

2. Phase: Vermögenserhalt
Die Herausforderung

Je näher das Rentenalter rückt, umso mehr Vorsicht ist angesagt. Schließlich soll das bereits angesparte Vermögen nicht mehr zu sehr schrumpfen. Es ist eben etwas anderes, ob der Depotwert zwischenzeitlich um 20 Prozent einbricht, von 10.000 Euro auf 8000 Euro – oder später äquivalent dazu von 200.000 auf 160.000 Euro. Viele Sparer werden im Alter auch von sich aus zurückhaltender. Vermögensverwalterin Claudia Rankers rät zum Selbsttest: „Werden Sie nervös, wenn im Depotauszug 40.000 Euro minus auftauchen?“

Die Strategie

Wenn die Risikobereitschaft sinkt, ist es Zeit, umzuschichten – und Aktienanlagen mit großen Schwankungen zu meiden. 20 Prozent Aktienanteil reichen, wenn der Werterhalt wichtiger wird als die Geldvermehrung. 40 Prozent des Kapitals fließen dann in Anleihen – und zwar überwiegend in Unternehmensanleihen, die mehr Zinsen einbringen als Staatstitel. Ebenso groß wird mit 40 Prozent der flexible Topf, der je nach Marktlage umzuschichten ist. So lässt sich zwischenzeitlich weiterhin mehr als die Hälfte des Geldes in Aktien stecken – aber eben nicht mehr dauerhaft.

Für den flexiblen Teil ist auch hier die Expertise eines Fondsmanagers gefragt – oder die Unterstützung eines Profis, der Honorar für seine Beratung verlangt. „Nur erfahrene Anleger sollten auf eigene Faust versuchen, gute Phasen an manchen Märkten für sich zu nutzen“, sagt Rankers. Immerhin wird kurzfristige Spekulation seit Einführung der Abgeltungsteuer nicht mehr mit Strafsteuern belegt: „Sie können also auch mal schnell irgendwo rein- und wieder rausgehen.“

3. Phase: Vermögensverzehr
Die Herausforderung

Ruhestand ist Erntezeit für die zuvor angehäuften Ersparnisse. Es geht darum, von den Ersparnissen zu leben – und zugleich seinen Kapitalstock möglichst lang zu erhalten, um nicht irgendwann ohne Geld dazustehen. Das ist schwieriger als es klingt, denn nicht nur regelmäßige Entnahmen lassen das Vermögen schrumpfen, auch der Zahn der Zeit nagt in Form von Inflation daran.

Die Strategie

Kursgewinne sind flüchtig, weshalb Anlage­experten den Aktienanteil in dieser Phase weit herunterfahren. Wichtiger sind Zinseinkünfte aus Anleihen, die Schuldner Jahr für Jahr an ihre Gläubiger auszahlen. Der Anleiheanteil kann auf bis zu 70 Prozent steigen, zur Sicherheit kommt außerdem ein Zehntel des Ersparten bar aufs Konto. Die Zinsanlage müsse keine langweilige Angelegenheit sein, sagt der Düsseldorfer Finanzplaner Robert Hiotoglou. Gerade Unternehmensanleihen seien ähnlich spannend wie Aktienmärkte.

Wer Risiken scheut, kauft Titel von Schuldnern guter bis sehr guter Bonität, die in Euro notiert sind; so fließen Zinsen in der Heimatwährung. Auch der Aktienanteil wird für regelmäßige Entnahmen optimiert: Geld fließt bevorzugt in Unternehmen, die hohe Dividenden ausschütten. Was man gerade nicht zum Leben braucht, wird neu investiert. Wer eine große Summe Geld anzulegen hat, sollte nie alles auf einmal investieren, sondern mindestens in zwei Schritten, etwa ein halbes Jahr auseinander. Das senkt das Risiko, zufällig zum falschen Zeitpunkt eingestiegen zu sein.

 

 
Der Beitrag ist Teil der großen impulse Altersvorsorge-Serie:

TEIL I: Vorsorgestrategien: Für Gründer / Für Durchstarter / Für Arrivierte
TEIL II: Vermögensaufbau mit Wertpapieren
TEIL III: Vermögensaufbau mit Immobilien: Das Eigenheim / Die Betriebsimmobilie / Der Immobilienfonds

 

 

cover-februarAus der impulse-Ausgabe 01/2014

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3 Kommentare
  • Stephan 25. August 2016 11:00

    Ein sehr informativer Artikel. Mittlerweile gibt es doch einige Möglichkeit Geld anzulegen. Letztendlich kommt man nicht herum einen Vergleich durchzuführen, um die beste Geldanlage für sich zu finden. [Rest entfernt. Bitte keine Werbung – siehe Netikette – die Redaktion]

  • John_Hst 13. Juli 2015 14:41

    Wirklich sehr guter Artikel. Ich stimme dir zu, dass Aktien und Anleihen ein guter Weg zum Geld Anlegen sind um gesparrtes Geld zu vermehren. Ich glaube für unerfahrene Anleger sind Fonds ein Möglichkeit am Finanzmarkt Teil zu haben. Wichtig ist es hier bei für sich selbst z entscheiden mit wie viel Risiko man Nachts noch beruhigt schlafen kann und danach zu entscheiden wie man Anleihen und Aktien in seinem Portfolio verteilt. Um Kosten zu senken wählt man am besten passiv gesteuerte Fonds zum Beispiel ETFs. Es entfallen dabei die Gebühren für Fondsmanager. Durch eine weltweite Verteilung des Fonds senkt man weiter das Risiko. Mit viel Geduld lässt sich so Geld zwar langsam aber relativ sicher Vermehren.

  • Andi Hark 28. April 2014 17:28

    Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Aktien zählen sicherlich zu den rentabelsten Geldanlagen. Vor allem eine gezielte Aktienauswahl ist hierbei enorm wichtig. Nicht alle Aktien besitzen das gleiche Risiko, vielmehr gibt es risikoärmere bzw. –reichere. Je nach Investitionstyp und Vorhaben muss man hier selbst über das gewollte Risiko entscheiden. In den einzelnen Risikoklassen gibt es auch wieder gleiche Unternehmungen, welche grundsätzlich vollkommen verschieden sind. Aus diesem Grund versuchen Investoren mithilfe von gezielten Aktienkennzahlen, Unternehmungen vergleichbar zu machen bzw. deren Vorteile / Nachteile aufzuzeigen. Je nach Auslegung / Handelsstrategie wird man sein Augenmerk auf spezielle Kennzahlen richten. Beachtet man bei der Auswahl bestimmte selbst gestellte Kriterien so kann man mit Aktien nachthaltig Geld verdienen. Grundsätzlich stellen Aktien wahrscheinlich die beste und rentabelste Möglichkeit der langfristigen Geldanlage dar.

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