Finanzen + Vorsorge Altersvorsorge für junge Gründer: Ein Fallbeispiel

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Jung, mit großen Plänen - aber anfangs mit geringen finanziellen Mitteln: Gründer haben spezielle Anforderungen an die Altersvorsorge.

Jung, mit großen Plänen - aber anfangs mit geringen finanziellen Mitteln: Gründer haben spezielle Anforderungen an die Altersvorsorge.© Stephanie Wunderlich

Junge Gründer denken selten an Altersvorsorge oder Krankheit - vor allem weil anfangs das Geld fehlt. Unser Fallbeispiel zeigt, wie Gründer vorsorgen können, ohne sich zu stark einschränken zu müssen.

Der Fall

Franziska Stark* hat gerade mit einem Freund ein IT-Serviceunternehmen gegründet. Die Ersparnisse der 27-Jährigen stecken in der Firma. Die steht noch ganz am Anfang, hat gerade die ersten Kunden gewonnen. Stark hat weder einen Partner noch reiche Eltern und muss sich selbst versorgen. Die Gründer zahlen sich ­monatlich je 2500 Euro Bruttogehalt.

Das Vorsorgeziel

Für die Gründerin sind Rente und Ruhestand weit entfernt. 40 Jahre mindestens sind es noch bis dahin. „Einer Frau, die gerade ins Arbeitsleben einsteigt, mit ­einem Versorgungsplan für das Ende des Arbeitslebens zu kommen, ist absurd“, sagt Michael Reeg, Partner beim unab­hängigen Versicherungsmakler Hoesch & Partner. „Erstens haben Jungunternehmer am Anfang meist gar nicht genug Einkommen, um Vermögensaufbau zu betreiben. Zweitens sollte die Priorität erst einmal darauf liegen, die eigene ­Arbeitskraft abzusichern.“

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Der Plan für die Altersvorsorge

Reeg rät Stark, zunächst die wichtigsten Lebensrisiken abzusichern. Das geht eigentlich nur über Versicherungen – und von denen empfiehlt Reeg mindestens drei. Erstens die Krankenversicherung; sie ist ohnehin Pflicht. Und solange Stark ­weniger als 4350 Euro im Monat verdient, muss sie sich als angestellte Geschäftsführerin gesetzlich versichern. Derzeit zahlt sie 236,87 Euro von ihrem Gehalt an die Krankenkasse, einschließlich Pflegeversicherung.

Mit steigendem Einkommen kann sie sich später privat versichern, mit allen Vor- und Nachteilen. Die Beiträge der Privaten sind zuletzt Jahr für Jahr stark gestiegen; andererseits zahlen junge Singles oft weniger als für die gesetzliche Kasse – bei besseren Leistungen. Reeg empfiehlt der jungen und gesunden Frau, sich für 50 bis 100 Euro im Jahr eine ­Anwartschaft für eine Privatpolice zu ­sichern. Dann kann sie ohne erneute Gesundheitsprüfung wechseln.

Zweites braucht sie eine private Haftpflichtpolice. Die hat Stark schon abgeschlossen, als sie von zu Hause auszog. Die Jungunternehmerin müsste sie nun nochmals prüfen: Die Versicherung sollte auch bei Millionenschäden zahlen, denn die Haftung für Schäden, die man ­anderen zufügt, ist in Deutschland nicht begrenzt. Reeg empfiehlt Policen mit Deckungssummen von mehr als 10 Millionen Euro, besser noch 50 Millionen Euro. Der Beitrag liegt bei 50 bis 80 Euro im Jahr.

Dazu kommt als dritter Baustein eine ­Berufsunfähigkeitsversicherung. Die zahlt, wenn die Gründerin in dem Job, den sie sich gerade selbst geschaffen hat, nicht mehr arbeiten kann. „Das Armutsrisiko durch den Verlust der eigenen Arbeitskraft ist für junge Unternehmer bedrohlicher als das Armutsrisiko im Alter“, sagt Reeg. Er empfiehlt den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung, die im Fall der Fälle zumindest 1500 Euro im ­Monat zahlt, und die sich später – ohne Gesundheitsprüfung – aufstocken lässt.

Und was ist mit der Rente? Zunächst zahlt Stark derzeit wie jede Angestellte in die Rentenkasse ein. Da sie sich die Unternehmensanteile der GmbH mit ihrem Geschäftspartner und einem Business Angel teilt, ist sie keine beherrschende Mehrheitsgesellschafterin und deshalb voll ­sozialversicherungspflichtig. Erst mit steigendem Einkommen ändert sich das. Reeg rechnet mit fünf Jahren Versicherungspflicht, das ist auch das Minimum, um mit 67 Jahren wirklich eine Rente zu bekommen. Verdient die Gründerin in dieser Zeit durchschnittlich 36.000 Euro pro Jahr, fließen jährlich rund 7000 Euro in den Rententopf.

Das würde derzeit für insgesamt 150 Euro Rente reichen. Wie viel in 40 Jahren rauskommt, weiß niemand. „Sicher aber nicht mehr als eine symbolische Summe“, sagt Reeg. Deshalb sollte Stark sich möglichst schnell eine betriebliche Altersversorgung aufbauen. Diese Vorsorgeform ist elementar, können sich Unternehmer so doch staatlich gefördert ein Ruhegeld von der eigenen Firma zahlen lassen (Näheres in Teil 5 der Serie). Stark sollte zunächst eine sogenannte Direktversicherung abschließen. Das ist letztlich eine private Renten­versicherung, in die sie aber über ihr ­Unternehmen einzahlt.

Der Charme daran: Bis zu 382 Euro ­monatlich fließen vom Bruttogehalt in die Police – Sozialversicherung und Lohnsteuer werden auf diesen Gehaltsanteil nicht fällig. „Parallel kann Stark dann später zum Vermögensaufbau noch günstige Fondssparpläne einsetzen.“ Wenn die Firma die ersten fünf Jahre überstanden hat, muss die Altersversorgung umgebaut und die Betriebsrente mithilfe anderer Instrumente aufgestockt werden.

Preis der Grundabsicherung
Gründerin Franziska Stark verdient monatlich 2500 Euro brutto. Nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben bleiben ihr 1650 Euro, also 19.800 Euro im Jahr – genug für eine Basissicherung:
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*Name von der Redaktion geändert

 

Der Beitrag ist Teil der großen impulse Altersvorsorge-Serie:

TEIL I: Vorsorgestrategien: Für Gründer / Für Durchstarter / Für Arrivierte
TEIL II: Vermögensaufbau mit Wertpapieren
TEIL III: Vermögensaufbau mit Immobilien: Das Eigenheim / Die Betriebsimmobilie / Der Immobilienfonds

 

 

cover-dezember-abbinderAus dem impulse-Magazin 12/2013

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3 Kommentare
  • Lars 24. März 2014 15:11

    @Joe: Wer hat denn von 500-600 € im Monat Absicherungskosten gesprochen/geschrieben?
    Der jährliche Netto-Gesamtaufwand ist in dem Beispiel bei knapp über 1.800 € – dies entspricht knapp über 150 € im Monat!
    Für Kurzsichtigkeit einen Aufschlag in der BU?? Ab 5 oder 8 Dioptrien!!
    Firma gründen mit dem Hintergedanken BU?? Dann darf man auch keine RLV abschließen, wenn man gerade Kinder bekommen hat!! Man will sie ja aufwachsen sehen!! Oder eine Wohngebäudeversicherung abschließen, wenn man gerade gebaut oder eine Immobilie gekauft hat!! -> nicht haltbare Aussage!!
    Bis die BU zahlt kommt i.d.R. die KV für den Verdienstausfall auf. Hier ist z.B. die Krankentagegeldvers. als Zusatzbaustein wichtig!
    @Sepp: Sehr oft sind die Absicherungsgrenzen in der BU so geregelt, dass bis 60 % des letzten Bruttoverdienstes abgesichert werden kann -> 2.500 € x 0,60 = 1.500 €.
    Es handelt sich ja auch nur um eine Existenzabsicherung. Selbst wenn Sie ihr komplettes Nettogehalt absichert, kann sie sich hiervon keine komplette AV leisten, die im Alter wirklich reicht. Hier müsste sie evtl. in der bAV eine BUZ-Befreiung einbauen.
    Voraussetzung für EM-Rente:
    Auch besondere versicherungsrechtliche Voraussetzungen müssen erfüllt werden. Hierfür ist es erforderlich. dass die/der Versicherte in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens drei Jahre mit Pflichtbeitragszeiten (sogenannte 3/5-Regelung) zurückgelegt hat, also so lange schon Beiträge in die Rentenversicherung einzahlt.
    Diese versicherungsrechtlichen Voraussetzungen (3/5-Regelung) werden nicht gefordert, wenn
    die teilweise oder volle Erwerbsminderung infolge eines Arbeitsunfalls, einer Wehrdienstbeschädigung o. ä., oder
    die volle Erwerbsminderung innerhalb von 6 Jahren nach Beendigung einer Ausbildung
    eingetreten ist.
    Hier ist also eigentlich nichts zu erwarten…

    Generell ist der Artikel/Plan stimmig, jedoch ist dies keine neue Nachricht bzw. ein absolut überragend neuer Plan. Diese Vorgehensweise lernt man ja schon als Vers.-Azubi!!
    Ein bisschen viel „TammTamm“ gemacht, oder?? 🙂

  • Sepp 24. März 2014 13:19

    Der Vorschlag ist nicht schlecht, aber auch nicht gut. Die DV darf bis 388,- Euro kosten von dehnen 238,- Euro SV-frei währen. Die BU ist viel zu niedrig. Im Falle der BU- müssten freiwillige Krankenversicherungsbeiträge gezahlt werden und natürlich auch ein Altersvorsorge. Oder die Dame darf in einem anderen Job arbeiten. Also ausruhen wäre nicht. Sollte Sie auch von der gesetzlichen Rentenversicherung eine EM-Rente erhalten, entfällt die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung das Altersproblem bleibt trotzdem. Die Privathaftpflichtversicherung sollte beitragsfrei in der betrieblichen Haftpflicht enthalten sein, bei zwei Geschäftsführern eher kein Problem. Ich würde in jedem Fall eine Statusfeststellung in der gesetzlichen Rentenversicherung empfehlen (Ergebnis offen). Da ein Business Angel wahrscheinlich nicht den nötigen Sachverstand eines IT-Unternehmens hat könnte schon jetzt eine Selbstständigkeit vorliegen. (freiwillige GRV-Beiträge bieten keinen Anspruch auf Reha und EM-Rente ). Jeder Selbstständige sollte sich also die Frage stellen, was ist er sich wert.

  • Joe 14. Januar 2014 22:17

    Ich hätte und habe es anders getan: DIe BU kann man getrost weglassen, denn bis die jemals zahlt ist man ohnehin schon ins ALG2 abgerutscht….und außerdem ist niemand kerngesund, schon Kurzsichtigkeit oder eine Allergie darf man in der BU teuer bezahlen. Ich halte auch die Ausgangssituation für etwas realitätsfern. 27—>Jungunternehmerin—->ein paar Kunden—>2500 € Brutto……….

    Die 500-600 € im Monat kann man sehr viel besser anlegen, z.B. einen Teil gleich in den angesprochenen Fondsparplan einzahlen und mit dem anderen Teil für etwas private Liquidität sorgen.

    Und überhaupt: Eine Firma gründen mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass man vielleicht berufsunfähig wird?? Das halte ich für sehr fragwürdig.

    Für weniger fragwürdig dagegen halte ich, dass sich ein Jungunternehmer Gedanken über die ZUkunft, also auch die ganz ferne Zukunft macht.

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