Finanzen + Vorsorge Anleger in Kauflaune: Dax zeitweise wieder über 10.000 Punkten

Der Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt am Main.

Der Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt am Main.© Deutsche Börse

Gute Stimmung statt Konjunktursorgen: Die Hoffnung auf eine weitere Geldschwemme der EZB beflügelt die Anleger. An den Börsen geht es aufwärts - doch wie lange noch?

Die Konjunktursorgen der Anleger scheinen wie weggeblasen: Erstmals seit Anfang Juli hat der Dax wieder die Marke von 10.000 Punkten übersprungen – jedenfalls zeitweise. Im Oktober war der Leitindex noch unter die Marke von 8400 Punkte gesackt. Was ist der Grund für den Stimmungsumschwung an den Börse?

Warum ist die Sorge vor einem kräftigen Konjunkturknick gewichen?

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Die positiven Signale nehmen wieder zu. So hatte sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im November überraschend aufgehellt. Die Exportwirtschaft profitiert Experten zufolge auch von der Abwertung des Euro im Vergleich zum US-Dollar. Produkte aus der Eurozone werden dadurch in anderen Regionen der Welt günstiger. Das kann den Absatz ankurbeln. Für den wichtigen Absatzmarkt USA sind die Vorzeichen besonders positiv: So erwartet die Deutsche Bank für die größte Volkswirtschaft der Welt im kommenden Jahr ein kräftiges Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent.

Welche Rolle spielt das billige Geld der Notenbanken?

Nach wie vor eine sehr große – die Geldflut gilt als einer der stärksten Kurstreiber der vergangenen Jahre. Niedrigzinsen nagen nicht nur an den Ersparnissen von Kleinanlegern, sie machen auch Großinvestoren zu schaffen. Denn Unternehmens- oder Staatsanleihen werfen ebenfalls kaum noch etwas ab. Das treibt viele in die als riskanter geltende Investition in Aktien.

Hält die Geldschwemme an?

Die US-Notenbank Fed hat ihre milliardenschweren Anleihenkäufe im Oktober eingestellt und die Anleger auf die erste Leitzinserhöhung seit der Weltfinanzkrise vorbereitet. Anders ist die Lage dagegen in Europa. Erst jüngst bekräftigte Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi die Bereitschaft der Notenbank, den Kampf gegen Niedriginflation und Wachstumsschwäche auszuweiten. Vizepräsident Vitor Constancio stellte Staatsanleihenkäufe für 2015 in Aussicht. Aktuell versucht die EZB noch die Banken über den Kauf von Pfandbriefen und Kreditpaketen zu entlasten, um die lahmende Kreditvergabe anzukurbeln.

Welchen Einfluss hat die Jahresendrally?

Häufig bewegen sich die Kurse gegen Jahresende besonders schwungvoll nach oben – Experten sprechen von einer Jahresendrally. Ob der Schwung nach der rasanten Kurserholung um mehr als 20 Prozent seit Mitte Oktober anhält, ist allerdings nicht ausgemacht. «Der Schwung ist raus aus der jüngsten Aufwärtswelle», schreibt jedenfalls Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar in einem aktuellen Marktkommentar.

Wie geht es 2015 weiter?

Bei dieser Frage gehen die Meinungen weit auseinander. Besonders optimistisch ist die Deutsche Bank mit ihrem Jahresendziel von 11.500 Punkten für den deutschen Leitindex. Vorsichtiger ist dagegen Christian Kahler von der DZ Bank, die EZB-Politik sei in den Kursen bereits berücksichtigt ebenso das solide Gewinnwachstum der Dax-Konzerne. Aus Sicht mancher Experten sind Aktien im Vergleich zu den Unternehmensgewinnen inzwischen zu teuer, andere sehen noch Luft nach oben.

Wie reagieren Kleinanleger?

Trotz der niedrigen Zinsen halten sie sich von Aktien eher fern. Nach einer Bundesbank-Statistik bevorzugten die privaten Haushalte zuletzt weiterhin kurzfristige und risikoarme Anlageformen. Im vergangenen Jahr trennten sich nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts trotz des Börsenbooms rund 600.000 Menschen von ihren Aktien oder Aktienfonds.

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