Finanzen + Vorsorge Arbeitskosten: Deutsche Firmen verlieren an Wettbewerbsfähigkeit

Jahrelang wuchsen die Arbeitskosten in Deutschland langsamer als in anderen EU-Ländern. Doch 2011 hat sich dieser Trend umgekehrt. Die Kosten für eine Arbeitsstunde liegen inzwischen um ein Drittel höher als im EU-Durchschnitt. Am teuersten ist jedoch ein anderes Land.

Mit einem Plus von 2,1 Prozent sind die Arbeitskosten in Deutschland im vergangenen Jahr erneut stärker gestiegen als im Schnitt der Europäischen Union (+1,4 Prozent). Damit setzte sich ein Trend fort, der nach Auswertungen des Statistischen Bundesamtes 2011 eingesetzt hat. Bis dahin waren in der größten europäischen Volkswirtschaft in jedem einzelnen Jahr von 2004 bis 2010 die auf die Stunde gerechneten Arbeitskosten inklusive der Lohnnebenkosten langsamer gewachsen als im europäischen Schnitt.

Im vergangenen Jahr kostete die Arbeitsstunde in Deutschland 31,70 Euro und war damit 34 Prozent teurer als im EU-Durchschnitt. In sechs anderen EU-Ländern war die Arbeitsstunde allerdings noch teurer. Schweden liegt mit Kosten von 43,00 Euro an der Spitze, gefolgt von Belgien, Dänemark, Luxemburg, Frankreich und den Niederlanden.

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Am billigsten war Arbeitskraft in Bulgarien mit 3,70 Euro pro Stunde, was aber eine Steigerung um überdurchschnittliche 3,4 Prozent bedeutete. In einigen EU-Staaten wie Griechenland (14,10 Euro), Zypern (15,90) oder Portugal (11.50) fielen die Kosten im Vergleich zum Vorjahr sogar.

In Frankreich fallen Lohnnebenkosten von 47 Prozent an

Die relative Lohnzurückhaltung in Deutschland bis 2010 hatte die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft gestärkt und Kritik wegen angeblicher Wettbewerbsverzerrung insbesondere aus den südlichen Euro-Staaten hervorgerufen.

Im nun kriselnden Frankreich waren die Lohnkosten von 2004 bis 2010 mit durchschnittlich 3,4 Prozent fast zweieinhalb mal so stark gestiegen wie in Deutschland. In den folgenden drei Jahren hat sich der Trend gedreht und der jährliche Anstieg in Deutschland lag mit 2,7 Prozent deutlich über den 1,9 Prozent aus dem westlichen Nachbarland und dem EU-Schnitt von 2,1 Prozent.

Der statistische Vergleich weist aber auch auf das Problem der Lohnnebenkosten hin, die in Deutschland zu einem vergleichsweise geringen Aufschlag von 27 Prozent auf den Bruttolohn führen. Darin enthalten sind typischerweise die Sozialversicherungsbeiträge, betriebliche Altersversorgung sowie Aufwendungen für Gehaltsfortzahlungen im Krankheitsfall. In Frankreich fallen 47 Prozent Lohnnebenkosten an und selbst in Krisenstaaten mit relativ geringen Stundenlöhnen wie Griechenland, Spanien oder Italien sind die Nebenkosten höher als hierzulande.

1 Kommentar
  • Name 13. Mai 2014 15:53

    Ich hatte in diese Zeit keine Lohnerhöhung gehabt, ganz umgekehrt, wird immer schlimmer.

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