Arbeitslosenversicherung Wann sich eine Arbeitslosenversicherung für Selbstständige lohnt

Selbstständige müssen bei der Arbeitslosenversicherung gut durchrechnen, ob sie sich überhaupt lohnt.

Selbstständige müssen bei der Arbeitslosenversicherung gut durchrechnen, ob sie sich überhaupt lohnt.© picture alliance / Keystone

Auch Selbstständige können in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung aufgenommen werden. Doch was kostet es? Und für wen lohnt es sich überhaupt? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was bringt die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige? Und für wen lohnt sie sich überhaupt? Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Wer kann sich freiwillig versichern?

Voraussetzung ist, dass der Antragsteller innerhalb der letzten zwei Jahre vor der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt war. Dabei muss es sich nicht um einen zusammenhängenden Zeitraum handeln. Einzelne Beschäftigungsabschnitte können zusammengerechnet werden. Freiwillig versichern können sich außerdem Selbstständige, die unmittelbar vor der Aufnahme ihrer Tätigkeit Arbeitslosengeld bekommen haben. Die Bezugsdauer spielt dabei keine Rolle.

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Wichtig: Der Aufnahmeantrag muss spätestens drei Monate nach Aufnahme der Tätigkeit bei der Arbeitsagentur des Wohnortes abgegeben werden!

Mit dem Antrag müssen Selbstständige einen Nachweis über ihre Arbeit vorlegen, also zum Beispiel einen Gewerbeschein oder andere Belege, aus denen die Tätigkeit zweifelsfrei hervorgeht. Außerdem müssen Antragsteller nachweisen, dass die selbstständige Tätigkeit mindestens 15 Stunden in der Woche beträgt. Wer einen Antrag auf Existenzgründung stellt, braucht keine Nachweise einzureichen.

Wie hoch ist das Arbeitslosengeld für Selbstständige?

Die Höhe des Arbeitslosengeldes hängt unter anderem von der Ausbildung der Selbstständigen ab. Als Orientierungswert für die Höhe des Arbeitslosengeldes gilt nach Angaben der Arbeitsagentur für das vergangene Jahr (Steuerklasse III, ohne Kind):

  • Ohne Ausbildung: 814,80 Euro (West) bzw. 706,80 Euro (Ost)
  • Mit abgeschlossenem Ausbildungsberuf: 1.049,70 (West) bzw. 933,60 Euro (Ost)
  • Meister/Fachschule: 1.251,90 Euro (West) bzw. 1.119,90 Euro (Ost)
  • Mit Hoch-/Fachhochschulabschluss: 1.443,00 Euro (West) bzw. 1.290,30 Euro (Ost)

„Mit Kind und Steuerklasse III gibt es ungefähr noch 25 Prozent zusätzlich“, sagt Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD).

Wie hoch sind die Kosten für die Arbeitslosenversicherung im Monat?

Selbstständige mit Wohnsitz in den alten Bundesländern müssen 2016 pro Monat 87,15 Euro Euro bezahlen, in Ostdeutschland sind es 75,60 Euro. Der Beitragssatz liegt also bei drei Prozent eines fiktiven Einkommens von 2905 Euro in den alten Bundesländern beziehungsweise 2520 Euro in den neuen Bundesländern. Gründer zahlen in den ersten beiden Jahren nur die Hälfte, also 43,58 Euro (West) und 37,80 Euro (Ost).

Selbständige, die ihre Tätigkeit zum Beispiel aus witterungsbedingten Gründen immer wieder beenden und nach der Unterbrechung die gleiche Tätigkeit wieder aufnehmen, zahlen allerdings den vollen Beitrag (falls bei ihnen die zweijährige Startphase abgelaufen ist).

Muss ich im Fall der Arbeitslosigkeit meine Selbständigkeit ganz aufgeben?

Nein, wer sich wegen einer Auftragsflaute arbeitslos meldet und Leistungen in Anspruch nimmt, muss nicht gleich sein Gewerbe abmelden oder seine Freiberuflichkeit für immer aufgeben. „Selbstständige können sich erwerbslos melden, wenn ihre wöchentliche Arbeitszeit weniger als 15 Stunden beträgt“, sagt Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Wer Arbeitslosengeld bezieht, kann währenddessen bis zu 165 Euro hinzu verdienen. Gehen die Einnahmen über diesen Betrag hinaus, werden sie vom Arbeitslosengeld abgezogen.

Was muss ich tun, wenn ich Arbeitslosengeld beziehe?

Bezieher von Arbeitslosengeld sind verpflichtet, aus eigener Aktivität heraus alles zu tun, um die Beschäftigungslosigkeit zu beenden. Und sie müssen jede zumutbare Beschäftigung annehmen, die ihnen die Arbeitsagentur vermittelt.

Wie lange besteht ein Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Das hängt davon ab, wie lange der Selbstständige in den letzen zwei Jahren vor Beginn der Erwerbslosigkeit in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat. „Wer mindestens zwölf Beitragsmonate nachweisen kann, hat sechs Monate Anspruch auf Unterstützung“, erläutert Ebsen. Kann ein Betroffener 24 Beitragsmonate nachweisen, kann er zwölf Monate Arbeitslosengeld beziehen. Nach dem 50. Lebensjahr hat er – gestaffelt je nach Alter und der Dauer des Versicherungsverhältnisses – bis zu 15, 18 oder 24 Monaten Anspruch.

Können Selbstständige die Arbeitslosenversicherung wieder kündigen?

Eine Kündigung der Arbeitslosenversicherung ist frühestens nach fünf Jahren möglich. Danach beträgt die Kündigungsfrist drei Monate zum Ende eines Kalendermonats. Die Kündigung muss schriftlich eingereicht werden.

Das Versicherungsverhältnis endet laut Arbeitsagentur aber auch, wenn der Versicherte mit seiner Beitragszahlung länger als drei Monate in Verzug ist. „Wenn man nicht bezahlt, wird man rausgeworfen“, sagt Lutz. Eine Gesetzeslücke, die zuletzt einige Selbstständige genutzt hätten, die weniger als fünf Jahre versichert waren und deshalb nicht regulär kündigen konnten.

Ist die Arbeitslosenversicherung für Selbstständige überhaupt sinnvoll?

Bis Ende 2010 brauchten Selbstständigen pro Monat lediglich 17,89 Euro (Westdeutschland) beziehungsweise 15,19 Euro (Osten) zu zahlen. 2011 und 2012 haben sich die Beiträge jeweils verdoppelt. Seither kehren Selbstständige der Versicherung massenhaft den Rücken.

„Der hohe Beitrag steht in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen“, sagt Andreas Lutz, Vorsitzender des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland. Der erworbene Anspruch auf Arbeitslosengeld liege bei vielen Selbstständigen nur geringfügig über dem, was sie auch an Arbeitslosengeld II erhalten würden. Das gelte vor allem für Gründer, die nicht über einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss verfügen und bei gleichem Beitragssatz weniger Arbeitslosengeld erhalten.

Für Leute, die frisch gründen und noch nicht absehen können, wie sich das Geschäft entwickelt, könne die Versicherung dennoch sinnvoll sein. „Wenn man sich etabliert hat, sollte man aber überprüfen, ob die Versicherung dann noch in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen steht“, sagt Lutz. „Jeder Versicherte sollten abwägen, ob das Risiko einer Arbeitslosigkeit den Beitrag rechtfertigt. Informieren Sie sich, wie viel Arbeitslosengeld Sie im Leistungsfall überhaupt erhalten würden!“

Wo finde ich noch mehr Informationen?

Einen guten Überblick über die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige gibt es auf dem Existenzgründerportal des Bundeswirtschaftsministeriums. Ausführliche Informationen gibt es bei der Bundesagentur für Arbeit.

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