Bankangebote für den Mittelstand „Im Großen und Ganzen eher ein Witz“

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Digitaler Revoluzzer: Matthias Kröner, Chef der Fidor Bank, greift die Konkurrenz an

Digitaler Revoluzzer: Matthias Kröner, Chef der Fidor Bank, greift die Konkurrenz an © Fidor Bank / B. Wackerbauer

Matthias Kröner, Gründer der Fidor Bank, übt scharfe Kritik an seiner Branche. Die großen Institutsgruppen hätten den Trend zum Digital Banking viel zu spät erkannt. Sein Online-Geldhaus will jetzt Unternehmer als Kunden gewinnen - mit schnellem Service und Crowd Finance statt Beratung in der Filiale.

„Die Preise sind teilweise eine Unverschämtheit“, sagt Matthias Kröner, CEO der Fidor Bank, die er als reines Online-Institut mitgegründet hat. Und: „Das geht alles viel schneller und einfacher“. Wen er mit der Kritik meint? Die etablierten Banken. Im Gespräch mit impulse.de sagt er, dass die großen Institutsgruppen technisch kaum in der Lage sind, Online-Angebote zu machen, wie sie Unternehmer wünschen und was sein Geldhaus besser machen will.


Herr Kröner, Deutschland gilt als overbanked. Dennoch bieten Sie seit Anfang des Jahres auch ein Geschäftskonto für Selbstständige und Firmen an. Gibt es überhaupt Bedarf?

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Wir haben bereits rund 3000 aktive Geschäftskonten. Das sagt uns etwas zum Bedarf und verwundert wenig, denn wenn wir uns mal den deutschen Bankenmarkt ansehen, dann sehen wir, dass der Mittelstand eigentlich „unbanked“ ist. Was kleinen und mittleren Unternehmen angeboten wird, ist im Großen und Ganzen eher ein Witz. Das beginnt schon beim Anmeldeprozess für ein Konto. Ich musste auch mal ein GmbH-Konto eröffnen. Schnell geht da gar nichts. Bei vielen Banken müssen Sie immer noch einen Termin ausmachen, um ein Online-Konto zu eröffnen. Und die Preise für Firmen- und Geschäftskunden sind teilweise unverschämt. Das kann man nicht anders sagen.

Und was ist bei Fidor anders?

Die Konto-Eröffnung geht online. Das Guthaben auf dem Konto wird derzeit immerhin mit 0,25 Prozent verzinst. Die Kontoführung ist genauso kostenlos wie jede Inlandstransaktion.

Auch jede beleghafte Buchung?

Beleghafte Buchungen sind nicht möglich.

Speziell viele Kleinunternehmer kommen aber um beleghafte Buchungen nicht herum.

Ja. Da erlaube ich mir zu selektieren. Wir richten uns in erster Linie an den digitalen Nutzer, jemand der im E-Commerce unterwegs ist, etwa einen Webshopbetreiber. Da sind beleghafte Buchungen kaum nötig.

Ein Konto allein ist kein sehr attraktives Angebot für Firmen.

Aber es ist der Anfang von allem. Und: Wir bieten jetzt schon mehr an. Zwei Beispiele: Wir haben ein Online-Bezahlsystem, Fidor Pay, mit dem Firmen ihre Geschäfte im Internet abwickeln können. Und wir bieten ausgewählten Partnern die Finanzierung von Teil- und Ratenzahlungen im Online-Handel an, also klassisches Factoring.

Was ist mit Kredit?

Wir werden schon bald eine kurzfristige Working-Capital-Finanzierung anbieten, einen Kontokorrent-Kredit also, den man einfach per Mausklick abrufen kann. In einer Höhe, wie wir ihn anhand der Umsätze berechnen werden. Und wir werden uns ansehen, wie die Kreditwürdigkeit des Kunden durch Bewertungen in diversen Onlineportalen nach unten oder nach oben getrieben wird. Das ist für uns womöglich interessanter als der letzte Jahresabschluss. All das kann man digitalisieren und damit viel schneller und einfacher machen. Unser Ziel ist es also, dass unsere Kunden möglichst wenig Aufwand haben, keinen Termin in einer Filiale ausmachen müssen um dann nach Wochen zu erfahren, ob man einen Kredit bekommt oder nicht.

In der Bankenbranche heißt es immer wieder, dass Geschäft mit Selbstständigen und Firmen sei zu komplex, um es weitgehend zu standardisieren, was die Voraussetzung für die Digitalisierung wäre.

Mit allem Respekt, aber das ist Blödsinn. Man muss nur darüber nachdenken, was man alles digitalisieren kann. Deshalb gibt es ja immer mehr Startups, die in diese Lücke gehen. Nehmen Sie etwa Kabbage in den USA oder Iwoca in England, Vermittler von Geschäftsdarlehen im Internet. Die sind genau darauf spezialisiert kleine und mittlere Unternehmen mit Working Capital zu versorgen. Da schlägt wieder eine Grundregel aus dem Netz zu: Innovation entsteht da, wo vorher Firmen nicht auf die Bedürfnisse ihrer Kunden reagiert haben und deshalb ein schlechtes Angebot liefern. Wenn die Banken die Bedeutung des E-Commerce verstanden hätten, gäbe es heute wohl kein Paypal.

Online-Bezahlsysteme und kurzfristige Finanzierungen decken aber noch nicht den Bedarf vieler Unternehmen. Werden Sie auch Laufzeitkredite anbieten?

Die Kapazitäten, um Ratenkredite anbieten zu können, haben wir derzeit nicht. Als Kompensation bieten wir aber Zugang zu Crowd-Finance-Plattformen wie Fundsters, Finmar oder Bankless24. Dort gibt es Kredite und Kapitalbeteiligungen.

Laut einer Umfrage unter Mittelständlern wünschen sich die Firmen bei Investitionen Beratung durch eine Bank. Das können Sie nicht anbieten.

Das können wir tatsächlich in der Form nicht anbieten. Aber über unsere Community auf der Fidor-Website sind wir ständig in Kontakt mit unseren Kunden. Und durch die Crowd-Finanzierung haben Sie ja das brutale Feedback der Community. Das Netz bietet da ungeahnte Vorteile. Bedenken Sie außerdem, dass Unternehmer heute zu ihrer Bank gehen und der Berater dort womöglich in Bezug auf die Branche des jeweiligen Geschäftskunden komplett ahnungsfrei ist. Und wenn man fair ist, muss man ja auch sagen, wenn die Bank die notwendige Expertise für jedes Unternehmen vorhalten müsste, wäre das Wahnsinn.

Die etablierten Banken arbeiten inzwischen verstärkt an digitalen Angeboten. Fürchten Sie die Konkurrenz?

Die angekündigten Initiativen lösen bei mir überhaupt keine Befürchtung aus. Ich freue mich sogar darüber. Es ist doch gut, dass die Banken erkennen, dass der zunehmend digitale Lebensstil vieler Menschen auch zu einer Veränderung in ihrer Kundengruppe führt. Immerhin ist das Internet ja schon seit rund 20 Jahren präsent. Und die Banken stellen jetzt, noch nach der Bundeskanzlerin, fest, dass dieser Bereich für sie Neuland ist. Die Großbanken haben aber ein Problem. Sie sitzen auf einer veralteten IT-Infrastruktur. Eine Digitalisierung in der Art, wie es die Kunden wirklich wünschen, nämlich Online-Services in Echtzeit, geht damit gar nicht. Und der Aufbau moderner IT-Systeme wäre nicht nur enorm aufwändig. Er würde Milliarden kosten.

Gucken wir mal auf einen Ihrer Wettbewerber: Die HypoVereinsbank bietet neben einigen Online-Services auch Beratung per Videokonferenz an. Was halten Sie davon?

Ich halte das grundsätzlich für die richtige Richtung. Es ist nur mal wieder die falsche Ausprägung.

Was meinen Sie damit?

Das Internet hat den großen Vorteil, dass asynchrone Kommunikation möglich ist. Das heißt, dass Sender und Empfänger nicht zeitgleich anwesend sein müssen. Ein Video-Partner ist aber synchron. Da kommen Sie wieder in solche Terminzwänge rein. Genau das will ich nicht. Wenn ich um 22.00 Uhr mit meinem Smartphone einen Zahlvorgang abschließen will, dann will ich nicht erst mit jemandem per Videostream sprechen.

Eine Nachfrage danach gibt es aber.

Ja, fair enough. Die Kunden aber, die diese Betreuung wollen, sind nicht die Kunden der Fidor Bank.

 

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