Finanzen + Vorsorge Banken senken Dispo-Zinsen – aber nur leicht

Banken verlangen für den Dispokredit meist hohe Zinsen.

Banken verlangen für den Dispokredit meist hohe Zinsen. © Stefan Rajewski - Fotolia

Banken bekommen das Geld von der EZB quasi zum Nulltarif. Erste Institute senken nun die Dispo-Zinsen - aber nur marginal. Die Opposition im Bundestag spricht von einem "Witz". Bankkunden, die ihr Konto überziehen, müssen weiter meist saftige Zinsen zahlen.

Mehrere Banken in Deutschland senken ihre Dispo-Zinsen fürs Konto-Überziehen – allerdings nur sehr geringfügig. Kritikern geht die leichte Senkung der nach wie vor oft zweistelligen Gebühren fürs Kontoüberziehen nicht weit genug. „Wir haben viel zu hohe Dispozinsen im Vergleich zum sonstigen Zinsumfeld“, kritisierte Verbraucherschützerin Dorothea Mohn.

Zudem sei zu befürchten, dass die Branche den neuen Strafzins für Einlagen der Institute bei der EZB trotz aller Beteuerungen auf Umwegen doch auf die Kunden abgewälzen wird, sagte die Geldanlageexpertin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv).

Anzeige

Die „Bild“-Zeitung hatte nach einer Umfrage unter mehr als zehn Geldhäusern berichtet, dass mehrere Banken nach dem Zinsentscheid der Europäische Zentralbank (EZB) die Dispozinsen leicht senken wollen. Die EZB hatte am 5. Juni den Leitzins nochmals von 0,25 Prozent auf 0,15 Prozent gesenkt. Zu diesem Zins können sich Banken bei der Notenbank Geld leihen.

Welche Banken ihre Dipsozinsen senken

Laut Bericht wollen die Deutsche Bank und die Berliner Bank zum 16. Juni ihre Dispo-Konditionen um jeweils 0,1 Prozentpunkte auf maximal 11,8 Prozent je nach Kontotyp kürzen. Bei der Norisbank sinkt der Dispo-Zinssatz von derzeit 11,25 auf 11,15 Prozent. Bei der Postbank gelten für das Konto „GiroPlus“ künftig 11,95 statt 12,05 Prozent, für das „GiroExtraplus“ 9,3 statt 9,4 Prozent.

Die Commerzbank senkt demnach für Neukunden die Dispo-Zinsen ab dem 26. Juni um 0,5 Prozentpunkte auf 11,4 Prozent. Die Targobank will zum 1. Juli ihren Zinssatz ändern, die Höhe steht noch nicht fest.

Die Opposition im Bundestag äußerte heftige Kritik. Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Nicole Maisch, sagte: „Die aktuellen Zinssenkungen sind ein schlechter Witz. Die Banken bekommen Geld zum Nulltarif und zocken noch immer Dispozinsen in zweistelliger Höhe ab.“ Es werde höchste Zeit für einen gesetzlichen Deckel.

Banken: Flexibiliät der Dispozinsen hat ihren Preis

Bereits kurz nach dem EZB-Schritt hatten Verbraucherschützer und Politiker die Banken aufgefordert, die Gebühren fürs Konto-Überziehen zu senken. Verbraucherschützer kämpfen seit Jahren gegen teils zweistellige Dispozinsen.

Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon verwies darauf, dass die Dispozinsen seit dem Jahr 2008 im Schnitt um rund drei Prozentpunkte gesunken seien. „Auch wenn der Leitzins nicht der entscheidende Faktor bei Dispozinsen ist, zeigt das, dass die Kreditwirtschaft auf die Rahmenbedingungen reagiert“, erklärte der oberste Repräsentant des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). „Der Dispo ist das Taxi unter den Krediten und nur für kurze Überbrückung gedacht. Die große Flexibilität schlägt sich auch in den Konditionen nieder.“

Ähnlich argumentierte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Seit 2010 sähen die Klauseln der Banken vor, dass Zinserhöhungen und Zinssenkungen entsprechend der Entwicklung der vereinbarten Referenzzinssätze an die Kunden weitergegeben würden. Dispokredite sollten generell „immer nur kurzfristige finanzielle Engpässe überbrücken helfen, dann aber schnell und flexibel. Das hat seinen Preis“, erklärte Kemmer.

Verbraucherschützer: Wettbewerb funktioniert beim Dispo nicht

Die von Bankenvertretern angesprochene Flexibilität sieht Verbraucherschützerin Mohn nicht. Beim Thema Dispo funktioniere der Wettbewerb nicht: „Die Banken machen sich dabei auch zunutze, dass man ein Konto nicht so einfach wechseln kann wie den Telefonanbieter oder den Energieversorger.“

Zu dem beschlossenen Antikrisenpaket der EZB zählen billiges Geld, neue Notkredite und Strafzinsen für Banken, die ihr Geld bei der Zentralbank parken. Damit soll das Wachstum in der Eurozone angekurbelt und ein drohender Preisverfall verhindert werden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.