Finanzen + Vorsorge Crowdfunding: Was sich 2015 für Unternehmen ändert

  • Aus dem Magazin
Crowdfunding: Wenn viele Investoren Geld geben.

Crowdfunding: Wenn viele Investoren Geld geben.© Mimi Potter - Fotolia.com

Ein neues Gesetz soll Investoren besser vor den Risiken hochriskanter Anlagegeschäfte schützen. Unternehmen, die sich über Crowdfunding Kapital beschaffen wollen, droht dadurch Ungemach.

Warum kommt das neue Gesetz?

Seit der Pleite des Windkraftfinanzierers Prokon vor einem Jahr bangen mehr als 70 000 Anleger um ihr Geld – rund 1,4 Milliarden Euro. In der Historie dieses und ähnlicher Fälle steht der Gesetzesentwurf, der Kleinanleger besser vor dem grauen Kapitalmarkt schützen soll – also Finanzgeschäften, die zwar legal, aber kaum reguliert sind. Das Kabinett hat den Entwurf abgenickt, im April soll er den Bundestag passieren. Eyke Grüning, Anwalt für Kapitalanlagerecht und Partner der Kanzlei WHP Wegel Hemmerich Partner, rät, sich schon jetzt auf die Gesetzesvorlage einzustellen: „Der Kabinettsbeschluss ist relativ weit gediehen.“ Mit großen Änderungen rechnet er nicht.

Anzeige

Was steht in dem Entwurf?

Künftig sollen so gut wie alle Vermögensanlagen der Prospektpflicht unterliegen. Die Hefte, die künftig nur noch ein Jahr lang gültig sein sollen, geben relevante Informationen zu einem Investment – speziell zu Chancen und Risiken. Für die Finanzprodukte selbst soll eine zweijährige Mindestlaufzeit gelten. Werbung für die Risikogeschäfte soll nur noch in Wirtschaftsmedien und nicht mehr in Bussen und Bahnen zulässig sein. Sonderregeln sind für soziale Projekte, Genossenschaften und Crowdfunding geplant.

Was gilt für Crowdfunder?

Dem Entwurf nach wird das Einsammeln von Investitionskapital über Internetplattformen – kurz: Crowdfunding – stark erschwert. Wer auf diesem Weg mehr als 1 Million Euro erhält und Einzelinvestments von über 10 000 Euro zulässt, soll einen Prospekt erstellen. „Dabei kommen schnell fünfstellige Kosten zusammen“, sagt Grüning, der selbst Unternehmen bei der Erstellung der Hefte rechtlich berät. Wer von einem Anleger mehr als 250 Euro bekommt, muss außerdem ein sogenanntes Vermögensanlagen-Informationsblatt (3-seitige Zusammenfassung der Art der Vermögensanlage und ihrer Risiken und Kosten) an den Investor verschicken, der den Eingang schriftlich bestätigen muss. Ab 1000 Euro Einlage soll laut Entwurf zudem jeder Anleger Infos zu seiner Bonität an die Plattformen weiterleiten

Was müssen Kleinanleger beachten?

Nicht viel: „Das Gesetz wird nicht rückwirkend gelten“, erklärt Grüning. Das heißt: Wird der Entwurf Gesetz, sind die verschärften Regularien nur für danach abgeschlossene Finanzgeschäfte gültig. Grüning schätzt, dass das Gesetz schon ab Sommer umgesetzt werden könnte.

Wie groß ist der Schutz

Dass Investoren durch schärfere Prospektpflichten besser geschützt werden, sei generell zu begrüßen – „das allein wird den grauen Kapitalmarkt aber nicht weiß machen“, sagt Grüning. „Wer derzeit mehr als 3 Prozent Rendite möchte, geht einfach ein hohes Risiko ein.“ Der Berliner Verbraucheranwalt Jochen Resch hält den Schutzeffekt gar für verfehlt: Viel effektiver als „dicke Prospekte, die sowieso kaum jemand lese“, sei die konsequente Anwendung bestehender Gesetze – „insbesondere des Strafrechts“.

 

impulse-Magazin Januar 2015Aus dem impulse-Magazin 01/15.

Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert. Und über die impulse-App für iOS- und Android-Geräte können Sie die neuen Ausgaben bequem auf Tablet oder Smartphone lesen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.