Finanzen + Vorsorge Das Ende des Bankgeheimnisses: Sind Sie vorbereitet?

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Äußerste Diskretion war jahrzehntelang das höchste Gut für Schweizer Bankiers. Nun soll das Bankgeheimnis endgültig fallen.

Äußerste Diskretion war jahrzehntelang das höchste Gut für Schweizer Bankiers. Nun soll das Bankgeheimnis endgültig fallen.© Imillian - Fotolia.com

Ab 2017 sollen Banken und Finanzbehörden international zusammenarbeiten - mit einschneidenden Folgen für Kontoinhaber. impulse klärt die wichtigsten Fragen zum Thema.

Worum geht es bei dem Steuerabkommen?

51 Länder haben Ende Oktober in Berlin das große OECD-Abkommen gegen Steuerbetrug unterzeichnet. Sein Inhalt: Die Staaten melden sich ab September 2017 gegenseitig alle wichtigen Daten über Konten ausländischer Personen in ihrem Land. Die 51 „Erstanwender“ müssen das Abkommen nur noch in nationales Recht umsetzen und die entsprechenden Informationssysteme aufbauen. Darunter sind auch so bekannte Steueroasen wie die Cayman Islands oder die Kanalinseln Guernsey und Jersey.

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Welche Informationen werden ausgetauscht?

Getauscht und gemeldet werden alle Informationen, die für den Fiskus spannend sind: Name und Wohnsitz des Kunden, Erträge, Kontostand – auch wenn das Konto geschlossen wird. Mitteilungspflichtig sind Banken und andere Finanzinstitute. In Deutschland wird vermutlich das Bundeszentralamt für Steuern die Daten entgegennehmen und auf die Finanzämter verteilen. „Aus steuerlicher Sicht ist das wirklich das Ende des Bankgeheimnisses“, sagt Franz Bielefeld, Steuerstrafrechtsexperte bei Baker Tilly Roelfs.

Was kommt auf Bankkunden zu?

Bankkunden mit Konten in anderen Ländern müssen, wenn sie steuerehrlich sind, nichts fürchten – außer ein bisschen Papierkrieg. „Die Finanzinstitute werden von den Kontoinhabern Erklärungen und Selbstauskünfte einfordern“, sagt Friedrich Wamsler, Experte für internationales Steuerrecht bei Baker Tilly Roelfs in München. Das liegt daran, dass die Banken nachprüfen müssen, in welchem Land die Kontoinhaber steuerlich ansässig sind.

Und wie sieht es mit Geschäftskonten aus?

Bei Firmenkonten im Ausland ist das Prozedere noch nicht ganz klar. Anwalt Wamsler erwartet, dass die Bank zunächst prüft, ob es sich beim Inhaber um ein operativ tätiges Unternehmen handelt, und Nachweise darüber einfordern wird. Bei vermögensverwaltenden Firmen wie etwa Trusts oder Stiftungen fragen die Insitute voraussichtlich nach, ob der „wirtschaftlich Berechtigte“ (also Eigentümer) des Vermögens im Ausland sitzt. Allerdings: Wer weniger als 25 Prozent der Anteile hält, ist nicht meldepflichtig.

Was ist mit Altvermögen?

Die 51 Staaten wollen auch an das Altvermögen ran, das in den Banken schlummert. Bei Konten, die schon am 31. Dezember 2015 bestanden, müssen die Inhaber im Laufe des Jahres 2016 mit einer Identitätsprüfung rechnen, wenn mehr als 1 Million US-Dollar darauf lagern. Bei Konten von niedrigerem Wert muss diese erst bis Ende 2017 erfolgen. Bei Unklarheiten checken die Banken auch Indizien wie etwa eine hinterlegte Handynummer im Ausland.

Wann gehts los?

Der Informationsaustausch soll zwar erst 2017 beginnen. Doch das Abkommen wirft seine Schatten voraus: Um zu wissen, welcher Staat die Informationen überhaupt erhalten soll, müssen Banken (besonders die in früheren Steueroasen) vorher ihre Datenbanken aufräumen. Ab dem 1. Januar 2016 sind die Institute daher verpflichtet, bei einer Kontoeröffnung Identität und Wohnsitz des Inhabers zweifelsfrei festzustellen.

Die Teilnehmer: Die 51 Länder, die im Oktober das multilaterale OECD-Abkommen in Berlin unterzeichnet haben, werden es ohne Zwischenschritte schon ab 2016 umsetzen. Das Bundesfinanzministerium spricht von „Early Adopters“. Darunter sind auch bekannte Steueroasen.

Die Erstanwender: Zu den 51 Staaten gehören unter anderem alle EU-Staaten bis auf Österreich; des Weiteren Argentinien, Barbados, Indien, Korea, Mauritius, die Seychellen, Südafrika sowie die Isle of Man, die Kanalinseln Guernsey und Jersey und die britischen Überseegebiete (Bermuda, Cayman Islands, Gibraltar etc.).

Die Warteliste: Mehr als 100 Staaten unterstützen nach Angaben des Bundesfinanzministeriums die Übereinkunft. Österreich will in einem Jahr beitreten, die Schweiz plant, Abkommen nur mit bestimmten Staaten zu schließen – Experten erwarten aber, dass Deutschland darunter ist.

 
Dieser Artikel stammt aus der Dezember-Ausgabe von impulse.

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