Finanzen + Vorsorge Das Geschäft mit den Naturkatastrophen

Nach Hurrikan Sandy blieb in den betroffenen US-Gebieten extreme Verwüstung zurück

Nach Hurrikan Sandy blieb in den betroffenen US-Gebieten extreme Verwüstung zurück © Leonard Zhukovsky - Fotolia.com

Wirbelstürme, Erdbeben und Überschwemmungen - für Rückversicherer gehören Naturkatastrophen zum Tagesgeschäft. Doch die mageren Renditen an den Kapitalmärkten locken immer mehr Neulinge auf den Markt. Das verschärft den Wettbewerb.

Die niedrigen Zinsen lassen viele Investoren Neuland betreten: Die Absicherung gegen Wirbelstürme, Erdbeben und andere Naturkatastrophen verspricht vergleichsweise hohe Renditen – falls Schäden ausbleiben. Bisher wagen sich vor allem Pensions- und Hedgefonds aus den USA in das Geschäft mit Katastrophenanleihen und machen den klassischen Rückversicherern das Leben schwer. Doch künftig könnten auch Kleinanleger zunehmend auf den Zug aufspringen. Experten warnen bereits vor den Risiken.

Nicht nur der Weltmarktführer Munich Re bekommt die neue Konkurrenz im US-Katastrophengeschäft zu spüren. Der legendäre US-Investor Warren Buffett hat sogar seinen Rückzug aus dem Geschäft angekündigt. „Die Preise sind dramatisch gesunken, und wir können nicht erkennen, dass das Gefahrenpotenzial dramatisch gesunken wäre“, sagte der Milliardär, zu dessen Holding Berkshire Hathaway gleich mehrere große Rückversicherer gehören, im US-Fernsehen.

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So weit will die Munich Re nicht gehen. „Die Konkurrenz nehmen wir ernst, aber sie macht uns keine Angst“, sagt Vorstandschef Nikolaus von Bomhard. So wirft der Dax-Konzern selbst Katastrophenanleihen auf den Markt und lässt sich in Spezialgebieten für sein Expertenwissen bezahlen. Doch der von branchenfremden Großanlegern ausgelöste Preiskampf vor allem in den USA drückt auch auf die Gewinnerwartungen des Konzerns. Auch der weltweit Branchendritte Hannover Rück hält sich wacker – obwohl die Preise auch bei ihm zum Jahresstart deutlich nach unten gingen.

Wenig Rendite bei klassischen Anlageformen

Lange galten Sturmrisiken in den USA als lukratives Geschäft. Wenn ein Hurrikan wie „Katrina“ im Jahr 2005 oder „Sandy“ 2012 auf eine Millionenstadt traf, ging der Schaden für Versicherer und Rückversicherer zwar schnell in die Milliarden. Doch weil in vielen anderen Jahren nichts Großes passierte, durften die Rückversicherer einen großen Teil ihrer Prämien behalten. Denn sie haften in vielen Fällen nur, wenn die Schäden bestimmte Schwellen überschreiten.

Das lockt auch andere Spieler aufs Feld – vor allem weil klassische Anlageformen infolge der Zinspolitik der großen Notenbanken kaum noch etwas abwerfen. Wenn etwa Pensionsfonds aus den USA in Katastrophenanleihen investieren, wollen sie damit die Renditen für ihre Versicherten aufpeppen. Da wirkt eine Katastrophenanleihe als vielversprechender Hebel. Ein im vergangenen Sommer aufgelegtes Papier der Munich Re beispielsweise stellte Anlegern eine jährliche Risikoprämie von 6,5 Prozent plus eine kleine Grundverzinsung auf Tagesgeldniveau in Aussicht.

Keine direkten Investitionsmöglichkeiten für Kleinanleger

Kleinanlegern bleiben direkte Investments in Katastrophenanleihen bislang verschlossen – aus gutem Grund. Über wenige Spezialfonds können allerdings auch sie auf Katastrophenrisiken wetten. Solche Fonds investieren in eine ganze Reihe von Katastrophenanleihen und streuen ihr Risiko zwischen verschiedenen Katastrophenarten und Weltregionen. Wenn ein Sturm wie „Sandy“ Ende 2012 über New York hinwegfegt, kann aber auch hier ein Teil des Geldes von heute auf morgen weg sein. Dann trifft den Anleger eine Katastrophe, die am anderen Ende der Welt passiert.

Deshalb warnt auch die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa vor dem Spiel mit dem Feuer: Selbst Anlageprofis branchenfremder Großinvestoren wie Pensionsfonds könnten weder die Risiken von Naturkatastrophen-Anleihen noch die Komplexität der Versicherungsbranche ausreichend einschätzen.

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