Finanzen + Vorsorge Dax kämpft sich durch bewegte Zeiten

Der Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt am Main.

Der Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt am Main.© Deutsche Börse

Der Dax behauptet sich auf hohem Niveau - auch wenn Rückschläge im dritten Quartal nicht ausblieben. Noch schmiert das billige Geld der Zentralbanken die Börsen. Doch unter den Anlegern mehren sich die Zweifel.

Jubelnde Chinesen auf dem Frankfurter Börsenparkett: Das Börsendebüt von Snowbird Anfang dieser Woche könnte als Sinnbild dienen für blendende Stimmung am Aktienmarkt. An Deutschlands wichtigstem Börsenplatz geben sich dieser Tage die Neulinge die Klinke in die Hand: Zalando (1.10.), Rocket Internet (2.10.). Experten erwarten, dass der Boom bei Börsengängen in den kommenden Monaten anhalten wird. Das viele billige Geld der Notenbanken sucht nach Anlagemöglichkeiten, Aktien stehen hoch im Kurs. Für den deutschen Leitindex Dax indes war es ein – auf hohem Niveau – durchwachsenes drittes Quartal. Auf Drei-Monates-Sicht verlor der Deutsche Aktienindex gut vier Prozent.

Anfang Juli knackte der Dax noch einmal die 10.000-Punkte-Marke, dann ging es wochenlang bergab: In der ersten August-Woche sackte der Index erstmals seit knapp fünf Monaten zeitweise sogar wieder unter 9000 Zähler – die Sorgen vor einer Eskalation in der Ukraine und im Irak nahmen zu. Es ging danach zwar wieder bis auf knapp 9800 Punkte aufwärts, aber die Berg-und-Talfahrt ist längst nicht beendet.

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„Wir leben in einer hoch volatilen Zeit“, sagte der Chef der HypoVereinsbank (HVB), Theodor Weimer, am Montagabend vor Journalisten in Frankfurt. „Es ist so viel Liquidität draußen, dass es immer wieder mal zu echten Marktverwerfungen kommen kann.“ Das billige Geld der Zentralbanken ist einerseits der Schmierstoff für den jüngsten Boom an den Aktienmärkten, andererseits besteht immer die Gefahr, dass der Hype zu gefährlichen Blasen führt.

Bei Anlegern und Analysten mehren sich die Zweifel

Grundsätzlich seien Investoren wieder risikofreudiger geworden, beobachtet Martin Steinbach, Börsenexperte bei EY (Ernst & Young): „Anleger suchen derzeit wieder stärker nach Wachstumswerten, nachdem im vergangenen Jahr noch Dividendenwerte im Vordergrund standen.“ Doch von einer Blase wie zu New-Economy-Zeiten um die Jahrtausendwende sei trotz zum Teil relativ hoher Bewertungen derzeit nichts zu erkennen, meint Steinbach, denn Investoren seien heute vorsichtiger und wählerischer.

Insgesamt bleiben Aktien mangels Alternativen in Zeiten extrem niedriger Zinsen gefragt. Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) warnt allerdings: „Aktienanleger wähnen sich dank der Unterstützung durch die Notenbanken weiter auf der sicheren Seite. Angesichts hoher Bewertungen und rückläufiger Frühindikatoren fehlt aber die fundamentale Untermauerung.“

Auch bei manchem Anleger mehren sich die Zweifel: Im dritten Quartal waren laut einer Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment erstmals seit einem Jahr wieder die Pessimisten in der Überzahl. Die Stimmung unter deutschen Anlegern habe sich im Vergleich zum Vorquartal verschlechtert, nur jeder Fünfte rechne in den kommenden sechs Monaten mit steigenden Aktienkursen. Forsa befragt für diese Studie regelmäßig 500 repräsentativ ausgewählte Finanzentscheider in privaten Haushalten.

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