Finanzen + Vorsorge Der 1.140.000.000.000-Euro-Plan: Maue Zeiten für Sparer

EZB-Präsident Mario Draghi

EZB-Präsident Mario Draghi© dpa

Im Kampf gegen Wirtschaftsflaute und Mini-Inflation will die Europäische Zentralbank insgesamt 1,14 Billionen Euro in den Kauf von Staatsanleihen der Euro-Länder stecken. Doch was bedeuten die Pläne für Verbraucher in Deutschland? Ein Überblick - von A wie Altersvorsorge bis S wie Sparzinsen.

SPARZINSEN:

Die Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) haben zwar keine direkten Folgen für die Zinsen auf Sparbuch und Co. Allerdings dürfte die EZB die Leitzinsen nicht erhöhen, solange das milliardenschwere Programm läuft. Die Zeiten bleiben also noch eine ganze Weile mau für Sparer. Die Geldpolitik der EZB „belastet die Sparer und gefährdet die private Altersvorsorge“, warnt die Deutsche Kreditwirtschaft. Finanzexpertin Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband rät, noch stärker als bisher die Kosten für Sparprodukte verschiedener Anbieter zu vergleichen.

ALTERSVORSORGE:

Das Geld der Lebensversicherer steckt vor allem in Staatsanleihen. Schon jetzt fällt es den Unternehmen angesichts der niedrigen Zinsen immer schwerer, die hohen Renditeversprechen für Altkunden am Kapitalmarkt zu erwirtschaften. Die Folge: Die Rendite von Produkten zur privaten Altersvorsorge sinkt. Das Kaufprogramm verstärke den Druck auf festverzinsliche Wertpapiere, kritisiert der Präsident des Branchenverbandes GDV, Alexander Erdland. „Das macht es uns jetzt noch schwerer, den Menschen gute Angebote für ihr Alter zu machen.“

BÖRSEN:

Die Geldschwemme der Notenbanken ist der Schmierstoff für die Aktienmärkte. Da viele andere Geldanlagen wegen niedriger Zinsen kaum noch etwas abwerfen, stecken Investoren ihr Geld in Aktien. Die Kurse steigen. Experten warnen allerdings, dass dadurch Blasen an den Aktienmärkten entstehen können.

STAATSANLEIHEN:

Durch die Käufe dürften die Renditen der Papiere, zum Beispiel Bundesanleihen, weiter sinken. Das trifft Besitzer von Anleihen oder Anleger, die Geld in Anleihefonds investiert haben.

IMMOBILIENKREDITE:

Kredite für den Kauf der eigenen vier Wände sind durch den extrem niedrigen Leitzins billiger geworden.

IMMOBILIEN:

Experten warnen davor, dass durch die Geldschwemme Spekulationsblasen an den Immobilienmärkten entstehen könnten. Die Preise für Immobilien werden noch weiter steigen, sagt etwa Jan Holthusen, Analyst bei der DZ-Bank. „Die Gefahr, dass spekulative Übertreibungen entstehen, hat sich erhöht.“

EURO:

Minizinsen und Geldflut schwächen den Euro gegenüber anderen Währungen, weil Anlagen in die Gemeinschaftswährung weniger lukrativ sind. Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft ist ein schwacher Euro gut, weil sie ihre Produkte auf dem hartumkämpften Weltmarkt billiger anbieten kann. Das kann Arbeitsplätze sichern und die Konjunktur beflügeln. Beim Tanken könnte der schwächere Euro zu höheren Preisen führen. Denn Rohöl und Benzin werden international in Dollar gehandelt. Zu einem Problem an den Zapfsäulen würde dies aber erst, wenn parallel Rohöl drastisch teurer wird. Das ist derzeit jedoch nicht der Fall, der Rohölpreis sinkt seit geraumer Zeit.

REISEN:

Der Urlaub in Nicht-Euroländern wird bei einem schwächeren Euro teurer. Das gilt vor allem für Reisen in die Schweiz, in die USA sowie in Länder, in denen der Dollar als offizielles Zahlungsmittel gilt.

STAATSVERSCHULDUNG:

Sinken die Zinsen von Staatsanleihen, muss der Staat weniger zahlen, wenn er Geld am Kapitalmarkt aufnimmt. Noch vor der EZB-Entscheidung verkaufte der Bund erstmals eine fünfjährige Bundesobligation mit Nullzins. Anleger erhalten also keine laufenden Zinszahlungen. Ob Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Ersparnis an die Bürger weitergibt, ist allerdings fraglich.

1 Kommentar
  • Reutzel S. 23. Januar 2015 11:19

    Niedrige Zinsen jetzt und dank EZB auch in den nächsten Jahren. Das eliminiert jegliche Form von risikofreien Zinsanlagen. Das Jahrzehnt der Aktie beginnt. Eine Verdoppelung des Dax ist das Minimum. Historisch einmalige Zinsbedingungen werden zu einem historisch einmaligen Dax Niveau führen.

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