Finanzen + Vorsorge Der Euro kommt nach Litauen

2015 wird der Euro die offizielle Währung in Litauen.

2015 wird der Euro die offizielle Währung in Litauen.© KfW Bildarchiv

Zum Jahreswechsel verabschiedet sich Litauen vom Litas und führt als dritter baltischer Staat den Euro ein. Die Regierung setzt auf die Vorteile der EU-Währung, die Bevölkerung fürchtet den "Teuro". Auch für Deutschland ändert sich etwas durch Litauens Euro-Beitritt.

Der Euro-Countdown auf der Uhr über dem Eingang der Litauischen Zentralbank in Vilnius nähert sich dem Ende – zum Jahreswechsel sind die Stunden des Litas endgültig gezählt. Mit dem Silvesterfeuerwerk verabschiedet sich Litauen um Mitternacht nach mehr als 20 Jahren von seiner nationalen Währung und führt als 19. EU-Land den Euro ein.

„Wir freuen uns auf ein weiteres Mitglied in unserer gemeinsamen europäischen Währung“, sagt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der mit den EU-Finanzminister im Sommer grünes Licht für den Beitritt Litauens gegeben hatte. Es ist bereits der zweite Anlauf des größten der drei baltischen Staaten. Ursprünglich wollte das EU- und Nato-Land bereits 2007 den Euro übernehmen, scheiterte aber an einer leicht überhöhten Inflation.

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Nach einem harten Sparkurs in der Finanzkrise, in der die Wirtschaft 2009 um fast 15 Prozent einbrach, erfüllte Litauen nun problemlos alle Kriterien. Die Ostseerepublik gehört inzwischen wieder zu den wachstumsstärksten Staaten in Europa, leidet aber unter den Folgen hoher Auswanderung und wird eines der ärmsten Euro-Länder sein.

Für Regierungschef Algirdas Butkevicius ist die Euro-Einführung nicht nur die „Garantie für wirtschaftliche Sicherheit, sondern auch eine Möglichkeit, die größere finanzielle Stabilität in unserem Land fortzuführen“. Angesichts des russischen Vorgehens in der Ukraine gilt sie für die Ex-Sowjetrepublik wegen der tieferen EU-Integration zudem als sicherheitsrelevant.

Mehrheit der Unternehmen in Litauen für den Euro

Nach einer Analyse der Zentralbank wird sich der Euro positiv auf die Handelsbeziehungen, Investitionen und das Zinsniveau auswirken – ähnlich wie in den baltischen Nachbarstaaten. „Estland und Lettland haben von einem höheren Wirtschaftswachstum profitiert“, verweist Finanzminister Rimantas Sadzius auf die Erfahrungen der beiden jungen Euro-Mitglieder, die bisher eine positive Bilanz ziehen.

Der größte Impuls zum Aufschwung in den drei kleinen und offenen Volkswirtschaften kam vom Export. Litauen wickelt mehr als 60 Prozent seines Außenhandels mit dem Ostseeraum ab. Deutschland ist dabei der zweitgrößte Handelspartner und ein wichtiger Investor: derzeit sind etwa 1200 deutsche Firmen vor Ort aktiv, die über eine Milliarde Euro investiert haben. Nach einer Umfrage der Deutsch-Baltischen Handelskammer befürworten mehr als Dreiviertel davon für die Euro-Einführung. Auch litauische Unternehmen sind überwiegend dafür.

Mehrheit der Bevölkerung gegen die Euro-Einführung

In der Bevölkerung ist weniger Begeisterung über die neue Währung zu spüren. Viele der drei Millionen Litauer fürchten vor allem steigende Preise. Zudem gilt der Litas als Symbol für die 1991 wiedererlangte Unabhängigkeit von der Sowjetunion. In einer Eurobarometer-Umfrage im September waren 49 Prozent der Litauer gegen und 47 Prozent für den Währungswechsel.

Die Regierung wirbt mit einer Informationskampagne für die europäische Gemeinschaftswährung. Bereits im Dezember brachte die Zentralbank 900.000 „Starter-Kits“ in Umlauf – je 23 Euromünzen im Wert von 11,58 Euro. Geprägt wurden sie in der staatlichen Münzanstalt. Die Banknoten für die Euro-Einführung leiht sich Litauen zunächst von der Deutschen Bundesbank.

Mit dem Währungswechsel in Litauen kommt es auch zu Änderungen beim Stimmrecht im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Bei geldpolitischen Entscheidungen tritt ein Rotationsprinzip in Kraft. Bundesbank-Chef Jens Weidmann wird deshalb künftig alle fünf Monate im EZB-Rat ohne Stimmrecht sein.

Die Euro-Familie und der Rest der EU

Mit Litauen werden von 2015 an 19 der 28 EU-Staaten Mitglied der Eurozone sein. Wie geht es weiter? Die meisten der anderen neun Länder haben keine Wahl. Fast alle müssen aufgrund der EU-Verträge der Währungsunion beitreten, sobald sie dafür reif sind.

RUMÄNIEN will den Euro nach letztem Stand 2019 einführen. Dies hatte die Regierung Anfang Mai in Brüssel angemeldet. Allerdings ist die Zustimmung in der Bevölkerung kontinuierlich gesunken.

TSCHECHIEN ist nach Ansicht der Regierung noch längst nicht bereit für den Euro. Als möglichen Termin hat sie zuletzt das Jahr 2020 genannt.

UNGARNS rechts-konservative Regierung strebt in absehbarer Zeit nicht an, den Forint durch den Euro zu ersetzen: „Wir sprechen da nicht vom nächsten Jahr, sondern vom nächsten Jahrzehnt oder den nächsten zwei oder drei Jahrzehnten.“ In der Bevölkerung ist eine knappe Mehrheit der Bevölkerung für die Einführung des Euro.

In BULGARIEN ist der Euro derzeit kein Thema. Das Land werde den Euro einführen, „allerdings nicht um jeden Preis“, lautet das Credo der Regierung. Rund zwei Drittel der Bulgaren wollen die heimische Währung Lew nicht durch den Euro ersetzen.

Für KROATIEN ist der Abschied von der Landeswährung Kuna kein Thema, zumal die Wirtschaft des jüngsten EU-Mitgliedslandes faktisch schon intensiv mit dem Euro arbeitet. So werden viele Preise auch in Euro angegeben. Notenbankchef Boris Vujcic hält einen Beitritt vor 2019 für unmöglich; die Öffentlichkeit ist gegen den Euro.

VEREINIGTES KÖNIGREICH: Die Briten haben das vertraglich zugesicherte Recht, das Pfund zu behalten, auch wenn sie für den Euro qualifiziert wären. Sie gehören nicht zum Europäischen Wechselkursmechanismus, der als „Vorzimmer“ zum Euro gilt. Bei den euroskeptischen Briten ist keine Abkehr von diesem Sonderweg in Sicht.

Auch DÄNEMARK hat das Recht, sich gegen die Euro-Einführung zu sperren. Im Jahr 2000 entschieden sich die Dänen in einer Volksabstimmung dagegen, die eigene Krone zugunsten der Gemeinschaftswährung aufzugeben. Dänemark gehört zum Europäischen Wechselkursmechanismus.

Die SCHWEDEN hatten sich in einer Volksentscheidung 2003 gegen eine Ablösung ihrer Krone durch den Euro ausgesprochen. Aktuell verhindert das Land einen Euro-Beitritt, indem es kein Mitglied des Wechselkursmechanismus ist. Vertraglich ist aber geregelt, dass Schweden beitreten muss, sobald es reif für den Euro ist.

Die POLEN haben es mit dem Beitritt zur Eurozone nicht eilig. Die Regierung will sich noch nicht auf ein Datum für die Einführung des Euro festlegen. Es sei zu früh, einen Zeitpunkt zu nennen, heißt es in Warschau.

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