Kapital beschaffen Der Preis des Geldes

Wer Kapital für sein Unternehmen beschaffen will, hat verschiedene Möglichkeiten. Unterschiede gibt es bei Voraussetzungen und Zinsen. Ein Überblick.

Unser Beispielfall: Ein Maschinenbauer mit einem „BB“-Rating braucht 250.000 Euro für eine neue Maschine. Wir zeigen die verschiedenen Möglichkeiten, wie er Kapital beschaffen kann, und ihren Preis im Vergleich. Der Kapitalfluss illustriert, wann Zahlungen fällig werden. Und wie hoch sie sind.

Kredit

Den Preis bestimmt vor allem das Rating. Günstiger kommen Chefs weg, die Sicherheiten wie Immobilien anbieten. „Sinnvoll ist ein Annuitätendarlehen“, sagt Frank Schönert, Managing Partner des Network Corporate Finance (NCF) in Düsseldorf. „Mit einem konstanten Kapitaldienst – sprich gleichbleibenden Raten – lässt sich die Liquidität am einfachsten steuern.“

Anzeige

Leasing

Neben dem Rating und den Zinsen, zu denen Leasinggeber sich selbst Geld leihen, zählt vor allem der Wert der Maschine. Der Unternehmer mietet die Maschine für konstante Raten, die er voll von der Steuer absetzt. Nach Schlusszahlung gehört ihm das Leasingobjekt am Ende. Je nachdem wie dieser Restwert kalkuliert ist, steigt oder sinkt der Zins.

Kreditlinie

Den Preis bestimmt ebenfalls das Rating. Aber auch Zinskosten und Marge der Bank sind wichtig. „Unternehmer sollten die Finger davon lassen, Investitionen per Linie zu finanzieren“, warnt Manfred Drax, Partner der Münchner Beratung Concentro – auch wenn er weiß, dass viele Chefs das tun. „Die Fristigkeit ist sehr riskant: Die Linie ist meist jederzeit kündbar.“

Factoring

Hier ist es die Bonität der eigenen Kunden, die entscheidet. Und: „Es müssen Rechnungen in dem Wert offen sein, den man braucht“, sagt Rainer Wieser, Chef der Finanzierungsberatung Proventis. Der Factor streckt offene Posten einmal vor – eine Finanzspritze. Nachteil: Damit der Effekt nicht verpufft, muss man wachsen. Und Rechnungen immer vorfinanzieren lassen.

Innenfinanzierung

Wer das Geld in der Kasse hat, wird die Maschine in der Regel selbst bezahlen. Das kostet nichts. Die Gesellschafter sollten aber eine Opportunitätskosten-Rechnung anstellen: Sie kalkulieren, was das Geld im Vergleich zum Kapitalmarkt erwirtschaften muss, nämlich mindestens die Eigenkapitalrendite. Der NCF-Experte Schönert geht hier von knapp elf Prozent aus.

Mezzanine

„Kann heute als Individual-Mezzanine teuer sein“, warnt Concentro-Experte Manfred Drax. Über stille Beteiligungen oder Genussscheine holen Chefs sich die Mischung aus Fremd- und Eigenkapital ins Haus. Dafür werden Zinsen plus möglicher Sonderzahlungen – sogenannte „Equity Kicker“ – fällig, erklärt Frank Schönert von NCF. Wann, lässt sich frei vereinbaren.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.