• Der richtige Rundumschutz für Gründer

    Gründer können jedes erdenkliche Risiko absichern. Doch der Rundumschutz kostet viel Geld. Einige Policen sind Pflicht, andere kann man sich getrost schenken.

    Als Marc Steinich sein Autohaus eröffnete, hatte er vieles im Sinn: Umsatz und Gewinn steigern, Kunden werben, Produkte auswählen, die Buchhaltung organisieren. Für das Thema Vorsorge blieb da keine Zeit. “Ich war 32 Jahre alt – und die Rente noch so weit weg”, sagt er. Seine private Krankenversicherung, übernommen aus seiner Zeit als Angestellter, musste ausreichen. Und auch für sein Unternehmen MS Autoprofi schloss er nur die nötigsten Policen ab, darunter eine Elementarversicherung gegen extreme Witterungen und eine Kfz-Versicherung.

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    So wie Steinich handeln fast alle Gründer in der Anfangsphase. “Wir müssen in unseren Beratungsgesprächen immer wieder darauf hinweisen, dass es neben den betriebswirtschaftlichen Risiken auch zahlreiche andere Wagnisse gibt, die ein Startup in seiner Existenz gefährden”, sagt Carolin Lösel von der Kanzlei Schabmüller & Dr. Lösel in Ingolstadt. Die Steuer­beraterin und Gründungsexpertin empfiehlt jungen Unternehmern, zumindest die größten Gefahrenpotenziale über eine Versicherung zu begrenzen (siehe PDF). Denn ein Schaden ist oft teurer, als viele Gründer denken. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft meldete für das Jahr 2011 im Rahmen seiner Sachversicherungen für Industrie-, Gewerbe- und Landwirtschaftsbetriebe Schäden in Höhe von mehr als 4,5 Mrd. Euro. 520.000-mal mussten deutsche Versicherungen allein einspringen, weil die Technik ausfiel und ein Unternehmen lahmlegte.

    “Der Kostenblock Versicherungsbeiträge gehört in jeden Businessplan”, sagt auch Holger Huber, Geschäftsstellenleiter bei der SV Sparkassenversicherung. Die Beträge seien oft niedriger, als die Unternehmer fürchteten. “Wer im Dienstleistungsbereich startet, muss rund 1.200 Euro an Beiträgen für seine Firma jährlich ansetzen – und ist dabei gut geschützt.”

    Viele Vorsorgeanbieter wollen Gründern sogenannte Firmenversicherungspakete verkaufen. Eine teure Variante, von der Experten abraten. “Längst nicht jeder benötigt alle darin enthaltenen Policen – besser ist es, sich ein individuelles Angebot maßschneidern zu lassen”, so Beraterin Lösel. Um festzustellen, welche Verträge für die eigene Firma wichtig sind, müssen zunächst sämtliche Risiken erfasst werden. Diese hängen in erster Linie von der Geschäftsidee und dem Konzept ab. Während ein Be­rater oft mit Laptop, Geschäftswagen und Home­office auskommt, benötigen Gründer eines produzierenden Gewerbes eine Immobilie, einen Maschinenpark und eine Büroausstattung. “Im ersten Fall genügt es, das Fahrzeug zu versichern, das Büro zu Hause ist unter Umständen bereits über die Hausratpolice abgedeckt”, sagt Huber. “Der Produzent sollte neben einer Elementarversicherung auch an mögliche Schäden durch defekte Anlagen und an eine Produkthaftpflicht denken.”

    Im zweiten Schritt gilt es zu entscheiden, welche Summe der Gründer aufbringen kann. Wichtig: Sämtliche Betriebsmittel sollten zum Neuwert in die Kalkulation eingehen und nicht zum aktuellen Verkehrswert. Das gilt auch, wenn Unternehmer mit einer gebrauchten Ausstattung starten. Sonst reicht der von der Versicherung im Schadenfall ausgezahlte Betrag nicht aus, um für gleichwertigen Ersatz zu sorgen.

    Frist nicht verpassen

    Zu beachten ist auch, dass insbesondere bei der privaten Vorsorge bestimmte Fristen gelten. Eine freiwillige Arbeitslosenversicherung kann nur innerhalb der ersten drei Monate nach Aufnahme der Tätigkeit als Selbst­ständiger abgeschlossen werden. Auch um ihre Gesundheitsvorsorge müssen sich Gründer schon beim Start kümmern: Wer die Voraussetzungen für eine freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung erfüllt, der GKV aber nicht innerhalb von drei Monaten schriftlich mitteilt, dass er seine bisherige Mitgliedschaft fortführen will, muss sich automatisch privat krankenversichern.

    Über diese Anfangsphase ist Autohausbesitzer Marc Steinich nach neun Jahren hinaus, zum Glück, so sagt er, ist damals kein Schaden eingetreten. Heute kümmert sich der 41-Jährige regelmäßig um seine Versicherungen. “Alle ein bis zwei Jahre überprüfe ich die Policen: Ich passe die Versicherungssumme an, etwa wenn wir in die Ausstattung investiert haben”, sagt er. Er prüfe zudem regelmäßig, ob es günstigere Angebote gebe. “Die billigste Police ist aber nicht immer die beste”, sagt er. Durch Schaden werde man klug: Vor einiger Zeit prasselte ein heftiger Hagelschauer auf 15 Autos im Hof ­nieder. Der Schaden lag zwischen 70.000 und 80.000 Euro. “In diesem Moment war ich glücklich, einen erfahrenen Sachbearbeiter zu haben, der mir alle Formalitäten abgenommen und für eine schnelle Regulierung gesorgt hat”, sagt Steinich. “Dafür zahle ich gern ein paar ­Euro mehr im Jahr an Beiträgen.”

    • Quelle: impulse
    • Copyright: impulse.de
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