Finanzen + Vorsorge Deutsche Politiker wollen Griechenland für NS-Verbrechen entschädigen

Gesine Schwan, Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission, spricht sich für eine Entschädigung Griechenlands aus.

Gesine Schwan, Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission, spricht sich für eine Entschädigung Griechenlands aus.© Heide Fest/ Viadrina

Für die Regierung ist das Thema eigentlich erledigt. Doch nun haben sich Mitglieder von der SPD und den Grünen für die Zahlung der griechischen Reparationsforderungen ausgesprochen. Auch SPD-Politikerin Gesine Schwan ist für eine Entschädigung.

Entgegen der Haltung der Bundesregierung in der Reparationsfrage mehren sich die Stimmen, die eine Entschädigung Griechenlands für die Folgen der Nazi-Besatzung fordern.

„Politisch ist der Fall aus meiner Sicht eindeutig: Wir sollten auf die Opfer und deren Angehörige finanziell zugehen“, sagte die Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission, Gesine Schwan, „Spiegel Online“. „Es geht darum anzuerkennen, dass wir in Griechenland schlimmes Unrecht begangen haben“, sagte die zweimalige Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten. Die Bundesregierung sieht die Reparationsforderungen Griechenlands hingegen als erledigt an.

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SPD-Vize Ralf Stegner sagte „Spiegel Online“: „Wir sollten die Frage der Entschädigungen nicht mit der aktuellen Debatte über die Euro-Krise verknüpfen. Aber unabhängig davon bin ich der Meinung, dass wir die Entschädigungsdiskussion führen müssen.“ Das gehöre zum Umgang „mit unserer eigenen Geschichte“.

Auch der Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter meinte, Deutschland könne die Forderungen Griechenlands nicht einfach vom Tisch wischen. „Weder moralisch noch juristisch ist dieses Kapitel eindeutig abgeschlossen“, sagte er „Spiegel Online“. Die Bundesregierung wäre „gut beraten, mit Griechenland Gespräche über die Aufarbeitung der deutschen Verbrechen in Griechenland und eine gütliche Lösung zu suchen“.

Hintergrund: Das hat Deutschland bislang an Entschädigungen geleistet

Die Debatte um Reparationszahlungen von Deutschland an Griechenland hält seit Jahrzehnten an. Zuletzt hatte die Syriza-Regierung um Alexis Tsipras das Thema wieder auf den Tisch gebracht. Der Regierungschef drohte im Schuldenstreit mit Deutschland sogar damit, deutsches Eigentum zu beschlagnahmen.

Derweil blockt die Bundesregierung alle Forderungen aus Athen ab. Ihre Haltung: Mit dem sogenannten Zwei-Plus-Vier-Vertrag hätten alle Forderungen nach Reparationszahlungen ihre Berechtigung verloren. Diese Position ist jedoch rechtlich umstritten.

Darum geht es bei den griechischen Reparationsforderungen

In dem Streit geht es zum einen um einen Zwangskredit in Höhe von 476 Millionen Reichsmark. Dieses Geld hatten die Nationalsozialisten 1942 von der griechischen Nationalbank erhalten und nie zurückzahlt. Der heutige Wert der Summe könnte Gutachten zufolge zwischen acht und elf Milliarden Euro liegen.

Zum anderen fordert Griechenland Entschädigungen für Kriegsverbrechen. So hatte zum Beispiel die Waffen-SS in der Kleinstadt Distomo am 10. Juni 1944 218 Kinder, Frauen und Greise getötet. Bisher wurde Griechenland für derlei Verbrechen nur im Rahmen globaler Reparationszahlungen entschädigt. In den 60er Jahren erhielt das Land 115 Millionen Mark.

impulse/dpa

6 Kommentare
  • christian engelking 24. März 2015 13:35

    Reparationszahlungen führen nur zu weiteren Forderungen von anderen Staaten und neuen
    gegenseitigen Forderungen und Gegenrechnungen.
    Es muss einmal Schluß sein – dass sollten auch Gesine Schwan und die Grünen erkennen.
    P.S: Interessant ist der Stimmunungsumschwung der SPD. Erst dagegen und seit einer Woche
    dafür. Woran liegt das?

  • Joe 19. März 2015 18:11

    @ Piotr

    Und was ist mit Reparationen für die ganze Welt? Was ist mit Reparationen von Frankreich an Deutschland wg. Napoleon?
    Was ist mit Reparationen von den USA an all die Länder, die sie niedergebombt haben?

    Das führt zu rein gar nichts………

  • Bauer 19. März 2015 14:44

    Die SPD und die GRÜNEN soll sich doch stark machen und Ihre gesamten GEHÄLTER
    ÜBERTRAGEN UND WAS SIE SONST NOCH IN DER GÜRTELTASCHE TRAGEN!!!!!!

    Es kann doch nicht sein, daß unsere Enkel und Urenkel nach 70 Jahren
    für etwas verantwortlich gemacht werden sollen! –

  • Piotr Wnukowski 18. März 2015 11:26

    Und was ist mit Reparationen für Polen???
    Sie haben niemals eine Entschädigung für die im zweiten Weltkrieg, sechs Millionen gefallenen Soldaten und ermordeten Bürger sowie 85% Zerstörung ihres Landes bekommen…
    Die Polen haben allein ihre Heimat aufgebaut!!!
    Dafür aber die Deutschen mit Marshall Plan (c.a.12 Milliarden $) von USA entschädigt worden sind.

  • Name Angela Brand 18. März 2015 08:03

    Ich finde nach 70 Jahren sollte es mal ein Ende sein mit Kriegsschulden. Unsere Generation hat damals noch garnicht gelebt.
    Wenn die Griechen nicht mit Geld umgehen können, uns Deutsche auf übelste Weise beschuldigen, sollte man ihnen auf jedenfall keine Entschädigung geben.
    Die sollen erstmal ihre Schulden bezahlen und im eigenen Land aufräumen.
    Ich werde erstmal in Griechenland kein Urlaub mehr machen.
    Und erpressen lassen von den Griechen sowieso nicht.

  • Joe 17. März 2015 18:03

    Rückzahlung des Zwangskredites: JA!

    Alles andere: NEIN!

    Die Grünen sollte einfach mal die Fre…e halten, statt unser Land zu verschenken!

    Warum kommen die Griechen jetzt damit an?

    Wie weit in der Geschichte sollte man zurückgehen, um Reparationsforderungen geltend zu machen? Ich bin sicher da gäbe es auch gegen Griechenland solche Forderungen.

    Fakt ist, Griechenland ist pleite. Teilweise wegen uns (was aber im Wettbewerb normal ist), größtenteils aber selbst verschuldet.

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