Finanzen + Vorsorge Mehr Zinsen im Ausland: Was taugen die neuen Plattformen für die Geldanlage?

Geldanlagen im Ausland versprechen hohe Zinsen. Dafür müssen Sparer aber auch einige Risiken in Kauf nehmen.

Geldanlagen im Ausland versprechen hohe Zinsen. Dafür müssen Sparer aber auch einige Risiken in Kauf nehmen.© picture alliance / Daniel Kalker

Start-ups aus der Finanztechnologie-Branche locken Sparer mit hohen Zinssätzen auf Fest- und Tagesgeldkonten im Ausland. Wie funktioniert die neue Anlage-Form? Und welche Risiken birgt sie?

Zinsen auf Tages- und Festgeldkonten oberhalb der Inflationsrate sind derzeit kaum zu bekommen. Dieses Problem wollen einige Start-ups aus der Finanztechnologie-Branche (Fintech) lösen. Sie haben Internetplattformen aufgesetzt, über die Anleger die renditestärkste Möglichkeit zur Geldanlage wählen können sollen – und das bei Banken in ganz Europa und ohne ständigen Kontowechsel.

Impulse zeigt eine Übersicht der Anbieter:

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Savedo

Das Start-up Savedo aus Berlin bietet Festgeldkonten im Ausland an. Langfristig will das Unternehmen eine Auswahl von Angeboten aus Europa bereithalten, bislang können Sparer ihr Geld aber nur bei der tschechischen J&T Banka anlegen. Dort sind Einlagen in Euro möglich – und zwar zwischen 10.000 bis zu 100.000 Euro. Die Anmeldung erfolgt via Postident-Verfahren, nach erfolgreicher Prüfung legt das Start-up ein Savedo-Konto bei der BIW Bank in Nordrhein-Westfalen an. Das Geld geht automatisch an die Partnerbank im Ausland, nachdem diese den Antrag bearbeitet hat.

Anleger sollten allerdings vorsichtig sein: Die Rating-Agentur Moody’s hat die Bonität der J&T Banka mit der Note „Ba“ bewertet, was einer „erhöhten Wahrscheinlichkeit des Zahlungsausfalls“ entspricht. Diese Bewertung ist also deutlich schlechter als die von den meisten Banken und Sparkassen in Deutschland. Auch die Einlagensicherung wird von den Rating-Agenturen schlechter bewertet als die hiesigen Sicherungsinstrumente der Geldhäuser. Höhere Zinsen bedeuten also auch ein erhöhtes Risiko.

Anlageart: Festgeld
Laufzeiten: zwischen 12 Monaten und 10 Jahren
Zinssätze (im Jahr): von 1,8 Prozent (12 Monate) bis 2,6 Prozent (10 Jahre)
Einlagensumme: 10.000 bis 100.000 Euro
Website: www.savedo.de

 

Weltsparen

Weltsparen aus Berlin vermittelt Festgelder bei ausländischen Banken. Die Auswahl ist hier im Gegensatz zu Savedo relativ groß. Derzeit listet Weltsparen Geldinstitute in zehn Ländern auf, unter anderem in Italien, Irland und Norwegen. Einlagen sind zwischen 10.000 und 100.000 möglich und erfolgen in der Regel in Euro. Nur beim norwegischen Konto müssen Einlagen in Kronen angelegt werden – und können so einer Devisenschwankung unterliegen, die unter Umständen größer sein kann als der jeweilige Zinsertrag. Am Ende der Laufzeit überweist die ausländische Anlagebank das Geld und die Zinsen (abzüglich eventueller Steuern) auf das Weltspar-Konto zurück. Bei Festgeldern über mehrere Jahre werden die Zinsen in der Regel erst am Ende der Laufzeit fällig.

Um über Weltsparen Geld anlegen zu können, muss der Kunde zwei Konten über die Website eröffnen: eins bei der ausländischen Bank und ein Verrechnungskonto in Deutschland. Dieses wird – nach einer Identifizierung über Postident – bei der Frankfurter MHB-Bank angelegt.

Auch das Geldanlegen über Weltsparen ist nicht ohne Risiko: Mitte 2014 gerieten zum Beispiel zwei bei Weltsparen geführte Banken in Zahlungsnot und wurden vorübergehend aus dem Angebot entfernt. Die Kundeneinlagen von Weltsparen gingen dabei aber nicht verloren.

Anlageart: Festgeld
Laufzeiten: zwischen 12 Monaten und 10 Jahren
Zinssätze (im Jahr): von 0,7 Prozent (12 Monate) bis 3,0 Prozent (10 Jahre)
Einlagensumme: 10.000 bis 100.000 Euro
Website: www.weltsparen.de

 

Zinspilot

Zinspilot aus Hamburg bietet Sparern eine Plattform, die vor allem das Anlegen und den Wechsel von Tagesgeld- und Festgeldkonten erleichtern soll. Dafür können Kunden ihr Geld bei verschiedenen Banken anlegen, ohne stets neue Konten eröffnen zu müssen. Ein Basiskonto ist jedoch trotzdem nötig und muss bei den Partnern Benk oder Sutor Bank mit dem Postident-Verfahren beantragt werden.

Danach können Sparer auswählen, bei welchem Anbieter sie Ihr Tages- oder Festgeld anlegen möchten und erteilen der Partnerbank somit die Erlaubnis, das Geld dort treuhänderisch anzulegen. Dabei gelten die Konditionen und auch die Einlagensicherung der Bank, bei der das Geld letztlich angelegt wird.

Derzeit beschränkt sich das Anlegen im Ausland auf ein Partnerangebot mit der Volksbank Lübeck. Dort können Anleger ihr Geld in 19 unterschiedlichen Fremdwährungen deponieren. Bei Anlagen in türkischer Lira sind sogar Zinsen bis zu 6 Prozent (bei einer Anlage von 10.000 Euro) möglich. Anlagen in Fremdwährung können jedoch Wechselkursschwankungen unterliegen, mögliche Verluste sind so kaum absehbar. Bei Zinspilot sollte man also vorerst besser die Angebote nutzen, die eine deutsche Einlagensicherung bieten. Derzeit sind dies jedoch nur das Tagesgeld bei der Hanseatic Bank und das Festgeld bei der Creditplus Bank. Nach Angaben von Zinspilot sollen bis Ende des Jahres 2015 etwa 20 bis 40 Angebote von Banken aus Deutschland und dem EU-Ausland zur Verfügung stehen.

Anlageart: Festgeld und Tagesgeld
Laufzeiten: derzeit bis zu 6 Monaten (Festgeld, Creditplus Bank)
Zinssätze (im Jahr): 1,05 Prozent (6 Monate, Festgeld, Creditplus Bank), 0,45 Prozent (Tagesgeld, Hanseatic Bank
Einlagensumme: 5.000 Euro bis 1.000.000 Euro (Festgeld, Creditplus Bank) und bis zu 500.000 Euro (Tagesgeld, Hanseatic Bank)
Website: www.zinspilot.de

 

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