Finanzen + Vorsorge Dispo-Kredite: Firmen in der Zinsfalle

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Unternehmen bezahlten Ende Juli im Durchschnitt 4,19 Prozent Zinsen für einen Dispositions- oder Kontokorrent-Kredit.

Unternehmen bezahlten Ende Juli im Durchschnitt 4,19 Prozent Zinsen für einen Dispositions- oder Kontokorrent-Kredit.© Stefan Rajewski - Fotolia

Privatleute zahlen für den Dispo heute im Durchschnitt deutlich weniger als vor zwei Jahren - Unternehmen nicht. Trotz stetig sinkender Leitzinsen mussten Firmen teils sogar steigende Sätze hinnehmen. Das zeigt eine exklusive Datenauswertung von impulse.

Die Leitzinssenkungen der EZB in den vergangenen zwei Jahren hatten praktisch keinen Einfluss auf die Höhe des Zinses, den Firmen für einen Dispo-Kredit bezahlen müssen. Das verdeutlicht eine exklusiv für impulse erstellte Analyse der Finanzierungsberatung Barkow Consulting auf Basis von Bundesbank-Daten.

Unternehmen bezahlten Ende Juli – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – im Durchschnitt 4,19 Prozent Zinsen für einen Dispositions- oder Kontokorrent-Kredit. Ende November 2012 lag der Satz mit 4,21 Prozent nur unwesentlich höher. Und das obwohl der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) im selben Zeitraum von 0,75 Prozent auf 0,15 Prozent sank. Die Kreditinstute kassierten für den Dispo also trotz massiver Senkung des Leitzinses kaum weniger.

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Die Leitzinsen fallen – der Dispo wird teurer

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Sommer im Auftrag von impulse 1000 Selbstständige und Firmen mit bis zu 100 Mitarbeitern über ihre Hausbanken befragt, unter anderem auch zum Dispo. Das Ergebnis: Nur 7 Prozent der Unternehmer gaben an, ihre Hausbank hätte den Dispo-Satz in den vergangenen 12 Monaten gesenkt. Fast ein Viertel der Befragten musste sogar eine Erhöhung des Zinses hinnehmen (mehr zur großen Bankenstudie in der Oktober-Ausgabe von impulse, die am 25. September erscheint).

Peter Barkow, Inhaber von Barkow Consulting, verweist auf den entscheidenden Grund: Die meisten Geldhäuser richten die Dispo-Sätze für Unternehmen am EONIA aus. Das ist der Zinsssatz, zu dem sich Banken im Euroraum untereinander über Nacht Geld leihen. Und dieser Satz war im Herbst 2012 ähnlich niedrig wie in den vergangenen drei Monaten: unter 0,1 Prozent. Zuletzt lag er sogar nur noch bei 0,04 Prozent.

Banken orientieren sich nicht am Leitzins

Barkows Analyse zeigt ganz klar: Fällt der EONIA, wird auch der Dispo für Firmen günstiger. Steigt der Interbankenzins, wird auch der Dispo teurer – egal, wie sich der Leitzins entwickelt. Das führte etwa von Mai 2013 bis Mai dieses Jahres dazu, dass die Dispozinsen von 4,2 Prozent auf 4,41 Prozent stiegen während die EZB den Leitzins von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent halbierte. Auffällig ist, dass die Dispo-Zinsen für Privatleute im Durchschnitt zwar deutlich höher sind – Ende Juli lagen sie bei 9,21 Prozent. Die Entwicklung aber verläuft weitgehend parallel zum Leitzins.

Für die enorme Marge zwischen dem Refinanzierungssatz der Banken und den Dispo-Zinsen geben die Institute verschiedene Begründungen. So müssten die Banken das notwendige Kapital für Dispo-Kredite auch dann vorhalten, wenn die Linie gerade nicht genutzt wird. Das hindere die Institute daran, das Geld lukrativ anzulegen. Zudem richte sich der Zins auch nach der individuellen Bonität der Kunden. Speziell die Volks- und Raiffeisenbanken, von denen einige die höchsten Dispo-Zinsen in der Branche kassieren, führen noch einen weiteren Grund ins Feld: Sie könnten sich das Geld für die Vergabe von Dispo-Krediten nicht direkt bei der EZB leihen, sondern müssten es aus Einlagen von Kunden entnehmen. Und diese Einlagen seien weit höher verzinst als der EZB-Satz.
 
 
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