Finanzen + Vorsorge Dispozinsen sollen sinken: Was Politiker, Banken und Experten fordern

Banken verlangen für den Dispokredit meist hohe Zinsen.

Banken verlangen für den Dispokredit meist hohe Zinsen. © Stefan Rajewski - Fotolia

Das Konto zu überziehen kann teuer werden. Viele Verbraucher tappen in die Dispo-Falle. Die Politik will Banken in die Pflicht nehmen und bekommt dabei nun Unterstützung aus der Branche.

Seit Jahren kämpfen Verbraucherschützer gegen zweistellige Dispozinsen. Die Koalition will Kreditinstitute verpflichten, ihre Kunden bei einem überzogenen Konto zu warnen. Commerzbank-Chef Martin Blessing unterstützt das Vorhaben. „Es gibt günstigere Kredite. Ich finde deshalb ein Gesetz gegen das dauerhafte Nutzen des Dispo-Kredits sinnvoll, quasi eine Dispo-Nutzungsbremse“, sagt der Chef der teilverstaatlichten Bank in der „Bild“-Zeitung. Einige Institute schaffen den noch teureren Überziehungszins ab.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

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Was plant die Politik ?

Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, Institute zu verpflichten, Kunden mit einem überzogenen Konto zu warnen. Bei längerer Inanspruchnahme des Dispokredites sollen die Berater günstigere Alternativen anbieten.

Was sagen die Banken?

Die Deutsche Kreditwirtschaft ist nach eigenen Angaben gesprächsbereit. Die Umsetzung eines Warnhinweises müsse aber für alle Anbieter praktikabel und technisch realisierbar sein, heißt es seitens der Banken. Bereits heute schon würden die Berater in Banken und Sparkassen Kunden ansprechen, wenn sie auffällig lange ihren Dispo in Anspruch nähmen.

Wie viel müssen Verbraucher für die Kontoüberziehung bezahlen?

Derzeit verlangen die Kreditinstitute in Deutschland nach Angaben der FMH Finanzberatung im Schnitt 10,17 Prozent für Dispokredite und 13,97 Prozent für die darüber hinaus gehende geduldete Kontoüberziehung („Überziehungszins“). Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Instituten: Die Spannbreite der Dispozinsen etwa reicht von 5,0 bis 13,74 Prozent, erklärt FMH-Expertin Sigrid Herbst.

Die Leitzinsen sind auf Rekordtief – sind auch die Dispozinsen gesunken?

Ja, zumindest etwas. Laut FMH kosteten Dispokredite vor zwei Jahren im Schnitt noch 11,12 Prozent, der Überziehungszins lag seinerzeit bei 15,57 Prozent. Zum Vergleich: Der Leitzins, zu dem sich Banken bei der Europäischen Zentralbank Geld leihen können, rangiert heute bei 0,25 Prozent. Vor zwei Jahren mussten die Institute noch viermal soviel zahlen.

Warum sind Dispokredite trotzdem vergleichsweise teuer?

Die Kreditinstitute argumentieren mit den Kosten und den höheren Risiken. „Für die Bank ist die Bereitstellung eines solchen Dispokredites ziemlich teuer, das liegt an den höheren Kosten für Verwaltung und Ausfall“, sagt Commerzbank-Chef Martin Blessing im „Bild“-Interview. Nach Angaben des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) ist das Ausfallrisiko von Dispokrediten allerdings deutlich geringer als bei billigeren Konsumentenkrediten. Bei Dispokrediten liege das Risiko bei 0,3 Prozent bei Verbraucherkrediten hingegen bei 2,5 Prozent.

Wie viele Menschen sind überhaupt im Minus?

Nach einer Umfrage des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hatten 2012 16,5 Prozent aller Kunden von Geldhäusern in Deutschland einen Dispo – oder Überziehungskredit in Anspruch genommen. Im Schnitt waren sie mit 4383 Euro im Minus. Insgesamt haben Privatpersonen in Deutschland nach aktuellen Zahlen der Bundesbank ihre Konten um 11,86 Milliarden Euro überzogen. Die Tendenz ist allerdings rückläufig. Ende 2008 betrug der negative Saldo noch 17,06 Milliarden Euro.

Welche Banken haben bisher den Überziehungszins abgeschafft?

Bisher sind es vor allem Direktbanken und kleinere Institute. „Großbanken ziehen wohl nicht so schnell nach“, schätzt FMH-Expertin Sigrid Herbst.

Was sagen Verbraucherschützer?

Ein Verzicht auf den Überziehungszins ist aus Sicht des vzbv richtig. „Es macht keinen Sinn über den Disporahmen hinaus einen Strafzins zu erheben, der bei einigen Instituten im Wucherbereich liegt“, sagt Finanzexpertin Dorothea Mohn. Grundsätzlich fordert die Verbraucherschützerin, dass der Disporahmen zu den finanziellen Verhältnissen des Verbrauchers passen sollte. „Der Kunde muss in den Lage sein, den Dispokredit zurückzuführen“, sagt Mohn.

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